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Corona in Kiel: Boulderhalle bangt vor Verlängerung des Teil-Lockdowns

Teil-Lockdown  

Im Dezember wird es eng für den Nordbloc

24.11.2020, 13:13 Uhr
Corona in Kiel: Boulderhalle bangt vor Verlängerung des Teil-Lockdowns. Arne Winkler steht in der Boulderhalle: Bisher ist der Nordbloc glimpflich durch die Corona-Krise gekommen. (Quelle: Sven Raschke)

Arne Winkler steht in der Boulderhalle: Bisher ist der Nordbloc glimpflich durch die Corona-Krise gekommen. (Quelle: Sven Raschke)

Die Boulderhalle Nordbloc in Kiel ist bisher glimpflich durch die Corona-Krise gekommen. Das könnte sich mit einer Verlängerung des Teil-Lockdown ändern. Das größte Problem ist die fehlende Planbarkeit. 

Vergangene Woche war bei Nordbloc vierjähriges Jubiläum. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Zumal die Boulderhalle am Grasweg in Kiel seit der Eröffnung Ende 2016 ungeahnt erfolgreich war. Bis zum März 2020 und dem Beginn des ersten Shutdowns. Jetzt wären die Betreiber froh, wenn sie die Halle überhaupt öffnen könnten.

Denn eigentlich liegt Bouldern voll im Trend. Wenn es 2020 die Olympischen Spiele in Tokio gegeben hätte, wäre das Klettern ohne Sicherung auf Absprunghöhe zum ersten Mal dabei gewesen. Die wachsende Popularität spürte man bei Nordbloc. Die stetig steigenden Besucherzahlen sorgten dafür, dass bereits ein Jahr nach Eröffnung die Boulderfläche verdoppelt wurde. "Es lief von Anfang an noch besser als wir erhofft hatten", sagt Arne Winkler, einer der beiden Eigentümer und Betreiber der Halle. "Das hätten wir so nicht erwartet."

Lockdown kam unerwartet

Noch viel unerwarteter kam für ihn und sein Team der erste Lockdown. "Wir haben damals von der Presse erfahren, dass wir schließen müssen", so Winkler. "Das war wirklich ein herber Schlag. Wir hatten alles, was irgendwie ging, heruntergefahren. Das Personal komplett in Kurzarbeit geschickt, Steuern gestundet, Tilgungen ausgesetzt. Bis wir wieder aufmachen durften, waren wir mit dem Kontostand komplett auf Null."

In der Phase zwischen den Lockdowns lief das Geschäft zunächst etwas schleppend an. "Die ersten zwei Wochen hat man gemerkt, dass die Leute noch ein bisschen vorsichtig waren", so Winkler zu den Besucherzahlen. "Danach war es, als gäbe es Corona nicht." Erst als der aktuelle Teil-Lockdown abzusehen war und bereits Maskenpflicht und Abstandsregeln in der Halle galten, gingen die Besucherzahlen wieder etwas zurück.

Betreiber hofft auf baldige Hilfen

So konnte Nordbloc mit einem relativ guten Polster in den November-Lockdown gehen. Auch weil während der Öffnungsphase im Sommer weniger investiert wurde als üblich. "Man kann insgesamt sagen, dass wir vergleichsweise in einer komfortablen Situation sind", sagt Winkler. "Durch den November zumindest kommen wir problemlos – wenn die versprochenen Hilfen bald kommen."

Während des ersten Lockdowns gab es die für Betriebe dieser Größe üblichen 15.000 Euro Soforthilfe vom Staat – bei Nordbloc macht das etwa fünf Prozent des üblichen Umsatzes aus. "Das reichte nicht mal für die Kaltmiete", so Winkler. Für den November gibt es das Versprechen, dass 75 Prozent des verlorenen Umsatzes ausgeglichen werden. Bei Nordbloc angekommen ist davon aber noch nichts. "Es gibt noch keine Anträge, keine Bedingungen, kein gar nichts", sagt Winkler. Er rechnet deshalb mit Auszahlungen frühestens Ende des Jahres.

Im Vertrauen auf die versprochenen Hilfen sind bei Nordbloc dieses Mal keine Mitarbeiter in Kurzarbeit. Alle Gehälter werden normal ausgezahlt. Die Kletteranbieter nutzen die Zeit für Renovierungsarbeiten, die im laufenden Betrieb schwer umzusetzen wären.

Boulder-Fans unterstützen den Nordbloc

Was dem Betrieb auch hilft, sind die Jahres-Abo-Kunden, die ein gutes Drittel des Umsatzes ausmachen. Zwar können die theoretisch die Zahlung während der Schließung pausieren. Das tut allerdings laut Arne Winkler kaum jemand. Weit über 90 Prozent lassen ihr Abo seit Anfang des Jahres normal weiterlaufen. "Das ist viel, viel mehr, als ich gedacht hätte", freut sich Winkler. "Es ist auch super süß, dass teilweise ungefragt Spenden auf dem Konto eingingen. Und es haben auch tatsächlich einige Leute während des Lockdowns Abos abgeschlossen. Einige von denen wohnen nicht mal mehr in Kiel. Das war hammergeil!"

Die sich aus all dem ergebende "vergleichsweise komfortable Situation" gilt allerdings nur für den November. Sollte, wie abzusehen ist, der Teil-Lockdown bis in den Dezember und eventuell darüber hinaus verlängert werden, wird es auch für Nordbloc eng. Arne Winkler hofft deshalb, dass die angekündigten Hilfen auf den Dezember ausgeweitet werden. "Es ist ziemlich gruselig, weil man nichts planen kann und nicht weiß, wann wie viel Hilfe kommt. Wenn der Lockdown fortgesetzt wird, ohne dass die Hilfe verlängert wird, muss ich Mitarbeiter entlassen." Ob es dazu kommen wird, weiß er nicht. "Es muss mehr Planbarkeit geben", so Winkler. "Das ist das größte Problem."

Fragt man Arne Winkler, wie er grundsätzlich zu den Corona-Maßnahmen steht, spricht er von Enttäuschung. "Ich bin ganz stark für den Lockdown", so Winkler. "Aber ich denke, man hätte die strengen Maßnahmen vermeiden können, wenn man früher und maßvoller reagiert hätte. Ich bin auch schockiert, dass sich privat zehn Leute treffen können. Es macht mich echt fertig, dass das erlaubt ist, aber wir den Betrieb zumachen müssen. Das kann ich nicht begreifen."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche

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