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46 Corona-Tote in Alten- und Pflegeheimen

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46 Corona-Tote in Alten- und Pflegeheimen

03.12.2020, 16:05 Uhr | dpa

46 Corona-Tote in Alten- und Pflegeheimen. Pflegeheim

Eine Maske liegt in einem Pflegeheim auf einem Tisch. Foto: Frank Molter/dpa/dpa-tmn/Symbolbild (Quelle: dpa)

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie sind in Schleswig-Holsteins Alten- und Pflegeheimen mindestens 46 Heimbewohner im Zusammenhang mit dem gefährlichen Virus gestorben. Diese Fälle seien der Landesmeldestelle seit März bis Ende November von den Gesundheitsämtern gemeldet worden, teilte das Gesundheitsministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag in Kiel mit.

Landesweit starben in Schleswig-Holstein nach Angaben der Landesregierung bis Ende November insgesamt 258 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19. Seit Beginn der Pandemie wurden bis Ende November 14 580 Infektionen registriert.

Insgesamt 419 Corona-Infektionen wurden von März bis Ende November laut Gesundheitsministerium in Alten- und Pflegeeinrichtungen registriert. Allein im Monat November habe die Landesmeldestelle 113 Infektionen und sieben Todesfälle im Zusammenhang mit Corona-Ausbrüchen in Alten- und Pflegeeinrichtungen registriert.

Unklar war, wie viele der im November im Zusammenhang mit Corona gestorbenen Heimbewohner tatsächlich der Landesmeldestelle gemeldet wurden. Denn allein nach einem Corona-Ausbruch in einem Norderstedter Heim im Oktober starben bis Mitte November 15 Bewohner.

Bei der ersten Corona-Welle im Frühjahr hatte eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergeben, dass damals fast die Hälfte der Corona-Toten in Schleswig-Holstein aus Alten- und Pflegeheimen gemeldet wurden. Mindestens 31 Heimbewohner waren im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben, wie die dpa-Umfrage mit Stichtag 21. April in den elf Kreisen und vier kreisfreien Städten ergeben hatte.

Die zweite Corona-Welle hat nach Einschätzung der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein auch die Pflegeeinrichtungen erreicht. Solche Einrichtungen seien immer häufiger von Ausbrüchen betroffen, sagte Kammerpräsidentin Patricia Drube bereits Mitte November. Die Einrichtungen seien wesentlich besser auf den Umgang mit dem Coronavirus vorbereitet als im Frühjahr. "Wir erwarten, dass durch den Einsatz von Schnelltests Infektionen schneller erkannt und Ausbrüche verhindert werden."

Ein Sprecher der Kammer ergänzte am Donnerstag, inzwischen verfügten viele Heime über hinreichend Schnelltests. Ein Problem sei aber fehlendes geschultes Personal und Schutzkleidung, um Schnelltests durchführen zu können.

DRK-Vorstandssprecherin Anette Langner sagte am Donnerstag, die Schnelltests seien ein neues Konzept, und viele Einrichtungen entwickelten Teststrategien. "Wir stehen da aber erst am Anfang."

Jüngstes Beispiel für einen Corona-Ausbruch in einem Pflegeheim ist das Altenzentrum St. Nicolai in Kiel. Dort waren am Mittwoch 26 Bewohner und 12 Mitarbeiter positiv getestet worden. Für die gesamte Einrichtung hat das Kieler Gesundheitsamt zunächst eine übergreifende Kohorten-Quarantäne für 14 Tage angeordnet. Die Versorgung der insgesamt 131 Bewohner sei derzeit gesichert, teilte eine Sprecherin der Stadt mit. Die Schnelltests müssten durch andere Tests noch bestätigt werden. Bislang habe es keine Todesfälle und auch keine Einweisungen in Krankenhäuser gegeben, sagte die Stadtsprecherin.

In einem Seniorenheim in Bad Bramstedt (Kreis Segeberg) waren im November mindestens 22 Corona-Infektionen nachgewiesen worden. Der betroffene Bereich der Seniorenresidenz wurde unter Quarantäne gestellt. Im DRK-Seniorenzentrum in Kaltenkirchen war vor mehreren Wochen bei 16 Bewohnern und 3 Mitarbeitern das Coronavirus festgestellt worden. Es gab drei Todesfälle. Einen größeren Ausbruch gab es laut Langner auch in einer DRK-Einrichtung in Neumünster, der Geronto-Psychiatrie Hahnknüll in Neumünster.

Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz bezweifelte am Donnerstag die offiziellen Zahlen der mit und an Covid-19 gestorbenen Pflegeheimbewohner in Schleswig-Holstein: "Das Ausmaß des Leidens und Sterbens in der Altenpflege ist deutlich höher. Schon Ende April war die Todesrate von 40 erreicht." Auch würden oft infizierte Pflegebedürftige, die zum Sterben in ein Krankenhaus verlegt wurden, nicht mitgezählt. Hinter diesem Zahlen-Wirrwarr um Leben und Tod verstecke sich nicht nur die Landesregierung von Schleswig-Holstein. "Wären die Fakten bekannt, dann würde das Versagen der Politik offenbar", sagte Brysch.

Dagegen versicherte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums, bei Todesfällen im Zusammenhang mit Corona sei auch die Unterbringung in einer Einrichtung meldepflichtig. Es könne aber zu zeitlichen Verzögerungen kommen durch Nachmeldungen.

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