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Gabriele Krone-Schmalz: Das ist über die umstrittene "Putin-Versteherin" bekannt


Aufsehenerregender VHS-Vortrag
Wer ist die "Putin-Versteherin" Gabriele Krone-Schmalz?


Aktualisiert am 11.11.2022Lesedauer: 4 Min.
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Die Journalistin Gabriele Krone-Schmalz (Archivbild): Sie soll am Donnerstag in Köln sprechen.Vergrößern des Bildes
Die Journalistin Gabriele Krone-Schmalz (Archivbild): Sie spricht sich für Verständnis für die russische Seite aus. (Quelle: Christian Grube/imago-images-bilder)

Von der angesehenen Moskau-Korrespondentin zur vielfach kritisierten "Putin-Versteherin": Warum gibt es um Gabriele Krone-Schmalz gerade so einen Wirbel?

Sie sei "abgedriftet", heißt es auf Twitter, sie sei laut Wissenschaftlerin eine "vehemente Verteidigerin des verbrecherischen Putin-Regimes" und sie verbreite Desinformation: Die ehemalige TV-Journalistin Gabriele Krone-Schmalz steht schon seit längerer Zeit in der Kritik. Spätestens seit ihrem fragwürdigen Volkshochschulvortrag in Reutlingen ist das Entsetzen über ihre Aussagen zu Russland besonders groß. Doch wer ist die Frau mit der auffälligen Kurzhaarfrisur überhaupt?

Woher kennt man Gabriele Krone-Schmalz?

Gabriele Krone-Schmalz wurde 1949 im oberpfälzischen Lam geboren, wuchs dort und später in Köln auf. Sie ist eine ehemalige TV-Journalistin, Buchautorin und war von 1987 bis 1992 Moskau-Korrespondentin der ARD. Damals berichtete sie über den Zerfall der Sowjetunion. Ihre Arbeit hatte damals einen guten Ruf, sie wurde als glaubwürdig und vorbildlich für Nachwuchsjournalisten wahrgenommen. Zwischen 1992 und 1997 moderierte sie zudem den "Kulturweltspiegel" der ARD. Seit Anfang der Neunzigerjahre arbeitete sie als freie Journalistin und Autorin.

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Sie setzte sich schon zu Studienzeiten vor allem mit der Russland-Berichterstattung in Deutschland auseinander und spricht sich seit dem Ukraine-Krieg gerne dafür aus, auch die russische Seite zu verstehen. Dem "Focus"-Magazin zufolge soll Krone-Schmalz für "kremlnahe Unternehmen tätig sein, darunter Wingas, eine Beteiligung von Gazprom".

Seit 2000 ist sie Mitglied des Lenkungsausschusses im "Petersburger Dialog". Außerdem ist sie Professorin für Fernsehen und Journalistik in Iserlohn. 2008 verlieh Wladimir Putin ihr die Puschkin-Medaille – "in Anerkennung ihres Beitrages zur Festigung der Freundschaft und der Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland".

Mittlerweile wird Krone-Schmalz vorgeworfen, eine "Putin-Versteherin" zu sein. Noch bis zu Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine war Gabriele Krone-Schmalz häufig als Expertin in TV-Talkshows zu sehen.

Privat ist sie seit 1983 mit dem ehemaligen Leiter einer Baufirma, Lothar Schmalz, verheiratet und betreibt mit ihm eine Ferienanlage in Moraira an der spanischen Costa Blanca.

Was ist der Skandal?

Der aktuelle Streit um Krone-Schmalz entzündete sich an einem Vortrag, den sie an der Volkshochschule (VHS) Reutlingen am 14. Oktober unter dem Titel "Russland und die Ukraine" gehalten hat. Ein Videomitschnitt ist auf YouTube zu finden und sorgte zunächst in den sozialen Netzwerken für Aufregung. Vom Geschäftsführer der VHS, Ulrich Bausch, wurde sie dort als Russland-Expertin vorgestellt. Dass ihr von renommierten Wissenschaftlern vorgeworfen wird, Kreml-Propaganda zu betreiben, blieb unerwähnt.

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Nachdem die Wissenschaftlerin und Osteuropa-Expertin Franziska Davies die Autorin in einem t-online-Interview und auf Twitter als "eine langjährige und vehemente Verteidigerin des verbrecherischen Putin-Regimes" bezeichnet sowie ihren Auftritt deutlich kritisiert hatte, schaltete Krone-Schmalz ihre Anwälte ein: Diese haben Davies eine strafbewehrte Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung geschickt (t-online berichtete).

Was waren Krone-Schmalz' Aussagen?

Zu den zentralen Äußerungen von Gabriele Krone-Schmalz Vortrag in Reutlingen gehört, dass die Nato-Osterweiterung "Russland provoziert" und dessen "berechtigte Sicherheitsinteressen verletzt" habe. Die Ukraine sei nur der "Handlanger des Westens" und Russland werde "vom Westen dämonisiert", der in seiner Arroganz die "ausgestreckte Hand Putins nicht angenommen" habe.

Russland sei deshalb zur Verteidigung gezwungen worden, auch die Annexion der Krim sei "Notwehr unter Zeitdruck" gewesen, sagte Krone-Schmalz. Die Völkerrechtsverletzungen, die Russland in der Ukraine begeht, werden von ihr verschwiegen.

Bereits im Februar hatte Krone-Schmalz in einem Gastbeitrag in der "Berliner Zeitung" geschrieben, der Westen trage eine Mitschuld an dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. "Ich denke nach wie vor, dass die Nato-Osterweiterung und die Missachtung russischer Sicherheitsinteressen durch den Westen stark dazu beigetragen haben, dass wir uns heute einem Russland gegenübersehen, das uns als Feind betrachtet und sich auch so verhält. Ich teile nicht die These, dass Putin schon immer der gewesen sei, der er jetzt ist. Vielmehr gehe ich davon aus, dass wir diesen Putin mitgeschaffen haben", so Krone-Schmalz.

Was sagen ihre Kritiker?

Sowohl in den sozialen Medien als auch in Interviews kritisierten mehrere Osteuropa-Experten die Äußerungen von Gabriele Krone-Schmalz scharf. "Ich bin ehrlich frustriert darüber, dass jemand, der journalistische und wissenschaftliche Mindeststandards nicht einhält und außerdem gut vernetzt ist mit dem russischen Regime, uns jahrelang als 'Russland-Expertin' präsentiert wurde", sagte die Münchner Wissenschaftlerin Franziska Davies zu t-online.

Auch Professor Klaus Gestwa, Direktor des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde an der Universität Tübingen, äußerte sich im Interview mit t-online kritisch: "Gabriele Krone-Schmalz verbreitet seit Jahren die politisch bedenkliche Mär, der Westen habe stets 'Putins ausgestreckte Hand zurückgewiesen' und Russland 'nicht auf Augenhöhe behandelt'". Daneben gehöre Kollegen-Bashing zu ihrem rhetorischen Grundinventar, so der Wissenschaftler. Dass sie Bücher zu Russland veröffentliche, mache sie noch lange nicht zu einer Expertin auf dem Gebiet, zumal sie keine wissenschaftlichen Standards einhalte. "Damit ist sie faktisch nicht Teil der akademischen Fach-Community", so Gestwa.

Wie reagiert ihr Buchverlag?

Der Verlag C. H. Beck, in dem Gabriele Krone-Schmalz' Bücher "Russland verstehen" von 2015 und "Eiszeit" von 2017 erschienen sind, hatte bereits im Frühjahr entschieden, die Werke nicht mehr nachzudrucken. "Die Titel könnten Gefühle verletzen und zynisch wirken", hieß es unter anderem in einer Stellungnahme des Verlags. Eine inhaltliche Überarbeitung sei nicht möglich gewesen.

Gabriele Krone-Schmalz hat eine Interview-Anfrage von t-online am 1. November schriftlich abgelehnt.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Twitter-Kommentare zu Krone-Schmalz
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