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Medikamentenmangel: An Kölner Kliniken fehlen 150 Medikamente – diese sind betroffen


An Kölner Kliniken fehlen 150 Medikamente

Von Tom Hoops

07.12.2022Lesedauer: 3 Min.
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Tabletten, Tropfen, Spritzen: Die Liste der derzeit nicht lieferbaren Medikamente ist lang. (Quelle: IMAGO/imageBROKER/Isai Hernandez)
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Viele Medikamente sind nicht lieferbar. Das sorgt für Überstunden in Kölner Apotheken und Krankenhäusern und ist vor allem für ältere Patienten ein Problem.

Von Antibiotika über Hustensaft für Kinder bis zu Brustkrebs- und Bluthochdruckmedikamenten: Wer zurzeit in NRW-Apotheken spezielle Arzneimittel kaufen möchte, könnte enttäuscht werden. Der Grund: Immer mehr Medikamente sind nicht lieferbar.

Apotheker und Patienten stehen vor der Herausforderung, altbekannte Medikamente durch vergleichbare Produkte ersetzen zu müssen. Zugleich berichten auch die städtischen Kliniken in Köln vom Mehraufwand, der durch die Lieferschwierigkeiten entsteht.

100.000 Überstunden pro Monat in NRW-Apotheken

Dass vielerorts Medikamente nicht mehr erhältlich seien, bestätigt Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein. Er besitzt selbst zwei Apotheken in Köln und weiß daher genau, wie sich die Lieferengpässe auf die Apotheker auswirken: "Dadurch entsteht in NRW ein Mehraufwand von 100.000 Überstunden pro Monat", erklärt er – eine Stunde täglich mehr, in jeder einzelnen der rund 4.000 NRW-Apotheken.

Eine Sprecherin der städtischen Kölner Krankenhäuser erläutert auf Anfrage von t-online, dass sich eine Kollegin mit qualifizierter Fachausbildung täglich etwa vier bis sechs Stunden damit befasse, Lieferengpässe zu bearbeiten. Zusätzlich würde sie Unterstützung vom Einkaufsverband erhalten. Zu den städtischen Kliniken gehören die Krankenhäuser in Holweide, in Merheim und die Kinderklinik an der Amsterdamer Straße.

Der erhöhte Aufwand setze sich aus mehreren Arbeiten zusammen: Dem Kontakthalten zu Großhändlern, um von ihnen Restmengen der Medikamente zu bekommen, und der zeitintensiven Konsultation mit Patienten und Ärzten. Die Umstellung auf alternative Arzneimittel müsse abgesprochen werden, darüber hinaus müssten die Änderungen für die Krankenkassen dokumentiert werden.

Auch ein Schlaganfall-Mittel schwer zu bekommen

Betroffen seien laut den städtischen Kliniken rund 150 Medikamente, für die täglich Ersatz beschafft werden müsse. Dazu zählten sowohl Wirkstoffe wie Ibuprofen, Oralpädon oder Elotrans als auch rein im Krankenhaus eingesetzte Arzneimittel wie Actilyse, ein Medikament, um akute Schlaganfälle zu behandeln. Eine ausführliche Liste der Mittel mit Lieferproblemen stellt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zur Verfügung.

"Teilweise werden identische Wirkstoffe von anderen Firmen eingesetzt, teilweise werden andere Arzneimittel verwendet", erklärte eine Sprecherin t-online. Und ergänzt: "Bisher konnten alle Patienten der Kliniken Köln umfänglich behandelt werden."

Apothekerverband warnt vor "Eskalation"

Auf Alternativmittel umzustellen, sei laut Thomas Preis vom Apothekerverband allerdings keine dauerhafte Lösung: Vor allem ältere Menschen könnten unter den Engpässen leiden. Bei ihnen ist die Umstellung auf andere Arzneimittel oft nicht ohne Probleme möglich, auch, weil die Qualität der Versorgung dadurch nicht immer gewährleistet ist.

Trotzdem betont der Vorsitzende des Apothekerverbandes, dass es durch die Lieferschwierigkeiten bisher nicht zu Versorgungsengpässen komme. Seine Prognose für die kommenden Jahre lautet allerdings: "Wir stehen wahrscheinlich erst am Anfang einer zunehmenden Eskalation".

Das bereite ihm große Sorgen. Auch die Kölner Krankenhäuser rechnen 2023 nicht mit einer Besserung: "Die zugrunde liegenden Probleme sind nicht kurzfristig behebbar", heißt es. Zudem stelle man inzwischen einige Arzneimittel selbst her und portioniere Engpassmedikamente, um die Versorgung zu sichern.

Abhängigkeit von China und Indien

Die Lage steht nicht zwangsläufig in Verbindung mit fehlenden Wirkstoffen: Oft fehlt das Material für die Verpackung, die Kartonage oder schlichtweg die Beipackzettel. Auf die Frage, was die Ursache der Engpässe sei, antwortet Thomas Preis: "Die Ursache ist, dass Deutschland einmal die Apotheke der Welt war, die jetzt allerdings in Indien und China liegt".

Es könne nicht sein, dass Deutschland bei den Medikamenten von weit entfernten Ländern abhängig sei, sagt Preis. Konkret fordert er, die Produktionsstandorte wieder in die Nähe zu verlegen: "Wir müssen wieder hier in Deutschland und Europa produzieren und dafür auch mehr Geld in die Hand nehmen."

Insbesondere am Beispiel von Antibiotika zeigt sich laut Preis die Abhängigkeit: Die einzige Produktionsstätte von Penicillin in Europa liegt in Österreich. Davon abgesehen, müssen die Wirkstoffe von anderen Kontinenten importiert werden. "Eine optimale Versorgung im Land kann so langfristig nicht gewährleistet werden", fasst Thomas Preis zusammen.

Das gelte für NRW, aber auch für die gesamte Bundesrepublik. Um Sicherheit in die Arzneimittelversorgung zu bringen, sei nun vornehmlich die Politik gefragt. Sollte sich nichts ändern, bleibe die bittere Erkenntnis: "Verlierer ist am Ende immer der Patient".

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Thomas Preis
  • Anfrage bei den städtischen Kliniken Köln
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