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Köln: Zehntausende feiern in Ehrenfeld beim "Tag des guten Lebens"

Beim "Tag des guten Lebens"  

Zehntausende Kölner feiern in Ehrenfeld eine autofreie Stadt

Von Dierk Himstedt

16.09.2019, 17:48 Uhr
Köln: Zehntausende feiern in Ehrenfeld beim "Tag des guten Lebens". Menschen lauschen einer Musikerin in Köln: Beim "Tag des guten Lebens" kamen viele Kölner zusammen und feierten das Beisammensein. (Quelle: Dierk Himstedt)

Menschen lauschen einer Musikerin in Köln: Beim "Tag des guten Lebens" kamen viele Kölner zusammen und feierten das Beisammensein. (Quelle: Dierk Himstedt)

Ein Stadtteilfest auf autofreien Straßen, von den Anwohnern selbst gestaltet: Der "Tag des guten Lebens" bot am Sonntag in Köln wieder viele Anregungen und Unterhaltung für Groß und Klein. Und das bei spätsommerlichem Sonnenschein.

Am Sonntag haben in Köln wieder Tausende Menschen beim "Tag des guten Lebens" ihre Nachbarschaft gefeiert. Dafür waren einen ganzen Nachmittag lang Teile des Stadtteils Ehrenfeld weitgehend von fahrenden und parkenden Autos befreit worden. So eröffneten sich ganz neue Räume für Musik, Essen, Infostände und Spielecken. Viele Kinder hatten ihre Freude auf dem Fest, aber auch die Erwachsenen genossen die ungewöhnliche Sicht auf ihre Wohnstraßen.

"Wir haben uns heute vor unserem Haus an diesem großen Tisch zum Essen und Klönen verabredet. Das ist ja sonst wegen der Autos nicht möglich. Wir genießen das heute, vor allem bei dem schönen Wetter", erzählte zum Beispiel die 72-jährige Hilke. Sie liebe zwar auch ihr Auto, aber an diesem Tag gehöre es nicht in die Lessingstraße, wie sie lachend ergänzte.

Eine Gruppe sitzt um einen gedeckten Tisch in einer Straße: Die Lessingstraße in Köln war am Sonntag autofrei. (Quelle: Dierk Himstedt)Eine Gruppe sitzt um einen gedeckten Tisch in einer Straße: Die Lessingstraße in Köln war am Sonntag autofrei. (Quelle: Dierk Himstedt)

Standort diesmal bewusst "stadtauswärts"

Das von der Initiative Agora organisierte autofreie Viertelfest zog am Sonntag wieder mehr als 100.000 Besucher nach Ehrenfeld. Der beliebte und aufstrebende Stadtteil ist schon zum dritten Mal Austragungsort des "Tag des guten Lebens" gewesen. Bereits zum Start der Veranstaltung 2013 und im Jahr darauf konnten die Anwohner ihrer Kreativität freien Lauf lassen, wie sie die freien Flächen ihrer Straßen für das Fest nutzen wollen.

Anders als bei den ersten beiden Malen fand die Festmeile aber nicht zwischen der Inneren Kanalstraße und dem Gürtel statt, sondern stadtauswärts, jenseits des Ehrenfeldgürtels. "Wir sind dieses Mal bewusst hierher gegangen. Dieser Bereich Ehrenfelds ist sehr im Wandel. Zudem wird hier ein interessanter Kulturmix in den Straßen gelebt. Das wollten wir für unsere Veranstaltung nutzen", erklärte Martin Herrndorf von Agora.

20 Straßen für Autos gesperrt

Insgesamt 20 Straßen rund um die Venloer Straße waren am Sonntag von 11 bis 20 Uhr für den Verkehr gesperrt. Finanziert wurde die Veranstaltung über Spenden. "Wir veranstalten gar nichts selbst. Alles, was man hier sieht, machen die Anwohner selbst. Wir wollen ein Fest, das ohne Kommerz auskommt und sich einfach, kreativ und ausgelassen präsentiert", erläuterte Herrndorf das Konzept der Veranstaltung.

Drei junge Männer diskutieren miteinander auf einer Straße in Köln: Henrik, Michel und Tobias Pastoors sprechen vorm Kulturraum 405 über Nachhaltigkeit. (Quelle: Dierk Himstedt)Drei junge Männer diskutieren miteinander auf einer Straße in Köln: Henrik, Michel und Tobias Pastoors sprechen vorm Kulturraum 405 über Nachhaltigkeit. (Quelle: Dierk Himstedt)

Auch Diskussionen gehörten dazu. Der 27-Jährige Tobias Pastoors forderte mit einem Schild, auf dem "Diskutier mit uns" stand, Besucher auf, spontan über Themen wie Flugscham oder Fridays for Future zu reden.

Diskussionen über Nachhaltigkeit

Michel und Henrik, beide 16 Jahre alt, gesellten sich zu Tobias und diskutierten mit ihm über Klimaschutz. "Ich finde Fridays for Future gut, kenne aber auch Leute, die zu den Demos gehen, aber keine Ahnung haben, worum es eigentlich geht", erzählt Michel. Henrik interessierte vor allem das Thema Reisen und wie man Alternativen zum Fliegen finden kann.

Der Kulturraum 405 veranstaltete zudem an diesem Tag eine Konzertreihe, die von den Besuchern auf der Festmeile gut angenommen wurde. Musik war ohnehin ein wichtiger Programmteil dieses Stadtteilfestes: DJs, die ihre selbst gebauten mobilen Boxen auf die Straße stellten und Reggae oder House spielten, Live-Bands aus der Nachbarschaft, die Jazz oder Chansons präsentierten, oder einfach ein Plattenspieler in der Leyendecker Straße, mit dem jeder seine selbst mitgebrachten LPs abspielen konnte. 

Zwei Musiker bei ihrem Auftritt in Köln: Das Duo Anni Yu & Jan Bankest spielten vor dem Kulturraum 405. (Quelle: Dierk Himstedt)Zwei Musiker bei ihrem Auftritt in Köln: Das Duo Anni Yu & Jan Bankest spielten vor dem Kulturraum 405. (Quelle: Dierk Himstedt)

Viele Informationen über nachhaltigeres Leben

Ein wichtiger Bereich des "Tag des guten Lebens" war das Info-Angebot auf der Festmeile, wo erklärt wurde, wie man nachhaltiger in der Stadt leben kann. "Wir haben unsere Themenbereiche dieses Mal fast alle von der Hauptmeile weg in die Seitenstraßen verlagert, um ein bisschen weniger Trubel in diesen Diskussionsbereichen zu haben", erläuterte Herrndorf.

Die Themen waren dieses Mal Energie und Umwelt, Demokratie und Bürgerbeteiligung, Alternative Mobilität und Ernährung. Zum Thema Globales Engagement & Fairer Handel in der Hospeltstraße boten die dort vertretenen Initiativen verschiedene Mitmachaktionen an. Kinder konnten auf am Boden liegenden weißen Stoffbahnen ihre Ideen zum Erhalt des Planeten malen.


Am Ende konnten Organisatoren, Anwohner und Besucher sagen: "Viele glückliche Menschen waren an diesem Sonntagnachmittag in Ehrenfeld unterwegs." Die Veranstaltung kam auch dieses Jahr wieder ohne Polizeipräsenz aus und lief friedlich und ohne größere Probleme ab.

Verwendete Quellen:
  • Gespräche auf der Festmeile
  • Gespräch mit Mitveranstalter Martin Herrndorf

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