Sie sind hier: Home > Regional > Köln >

Köln: Geistersiedlung in Porz-Wahn steht seit fast einem Jahr leer

Neu errichtet und leer geblieben  

Geistersiedlung in Köln-Wahn steht seit fast einem Jahr leer

27.12.2019, 10:35 Uhr
Köln: Geistersiedlung in Porz-Wahn steht seit fast einem Jahr leer. Blick auf die Geistersiedlung an der Nachtigallenstraße: Die Wohnhäuser in Porz-Wahn stehen komplett leer. (Quelle: Dierk Himstedt)

Blick auf die Geistersiedlung an der Nachtigallenstraße: Die Wohnhäuser in Porz-Wahn stehen komplett leer. (Quelle: Dierk Himstedt)

Seit bald einem Jahr wohnt in der Geistersiedlung an der Nachtigallenstraße im Wahner Norden weit und breit niemand. Und das, obwohl so dringend Wohnungen benötigt werden. t-online.de-Autor Dierk Himstedt war vor Ort.

Rund 120 neue Wohnungen stehen auf einem Gelände an der Nachtigallenstraße in Porz-Wahn komplett leer – und das seit fast einem vollen Jahr. Wie ist das möglich, wo Köln doch dringend Wohnraum benötigt?

"Die Verwaltung verhält sich unserer Auffassung nach viel zu zögerlich und zurückhaltend. Man muss in so einem gravierenden Fall seitens der Stadtregierung energisch agieren und die an dem Bauprojekt beteiligten Unternehmen aus der Komfortzone holen, indem man regelmäßig Details zum Sachstand nachfragt und Kontrolltreffen organisiert, um Druck auszuüben", kritisiert Oppositionsführer und SPD-Fraktionschef im Kölner Stadtrat, Christian Joisten, gegenüber t-online. Es könne nicht sein, dass man ein so wichtiges Projekt wie die Siedlung an der Nachtigallenstraße mit insgesamt 123 neuen Wohnungen einfach nur als Zuschauer begleite, legt Joisten nach.

Der SPD-Politiker hatte sich Ende November im Rahmen einer Veranstaltung seiner Partei zum Thema "Wohnen bezahlbar machen" den Fragen der Bürger vor Ort am Rande des fast fertiggestellten Bauprojektes im Wahner Norden gestellt. "Die Sache ist bei den Wahnern im Gespräch. Von außen sehen die Wohnungen ja auch wie fertig aus. Ich konnte auf die berechtigten Fragen allerdings auch nur die aktuellen Fakten zum Staus Quo weitergeben", so Joisten.

Ein Rechtsstreit verhindert den Bezug

Woran hapert es also? Die Stadt hat dazu in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung (BV) Porz offiziell mitgeteilt, dass die Wohnungen des Neubauprojekts "Nachtigallenhof", südlich des Wahner Golfplatzes, noch immer nicht bezugsfertig seien und damit auch noch nicht für Wohnungssuchende zur Verfügung stehen. Der Grund sei: Zwischen dem Projektentwickler "Inter Doga", der die Wohngebäude des "Nachtigallenhofs" fertigstellen sollte, und einem Investor (Käufer) sei es bezüglich der Bauleistungen zu Unstimmigkeiten gekommen, sodass die ganze Sache nun vor Gericht gelandet sei. Daher seien der Verwaltung bis zur gerichtlichen Klärung auch die Hände gebunden.

Die Stadt führt in der Mitteilung an die BV Porz weiter aus, dass grundsätzlich mögliche städtische Sanktionen gegen verantwortlich Beteiligte bei Leerstand in diesem Fall auch nicht greifen würden. Denn die Wohnungsaufsicht der Stadt könnte beispielsweise die Regeln der sogenannten Wohnraumschutzsatzung nicht anwenden, die sogar Bußgelder von bis zu 50.000 Euro je Wohneinheit vorsieht. Denn so lange die neu gebauten Wohnungen nicht bezugsfertig seien, bestehe auch kein geschützter Wohnraum. Und das sei "bei einem Großteil der Wohnungen des Nachtigallenhof-Projektes der Fall", so die städtische Begründung weiter. Zudem werde das Objekt an einen bereits gefundenen Käufer veräußert, sodass auch eine Wohnraumzweckentfremdung gemäß der Satzung ebenfalls nicht vorliege. Man verfolge aber den weiteren Verlauf des Projektes intensiv, um sofort "einzugreifen, wenn die Wohnraumschutzsatzung es zulässt", so die Stadt abschließend.

Christian Joisten ist diese Einschätzung der Lage seitens der Stadt zu wenig. Der Investor könnte beispielsweise Ersatzmaßnahmen mit einem anderen Bauentwickler zur endgültigen Fertigstellung einleiten und die Kosten dem bisherigen Projektentwickler in Rechnung stellen. "Dieses Verhalten der Beteiligten über einen so langen Zeitraum ist untypisch und lässt eine bewusste Immobilienspekulation nicht ausschließen", ärgert sich Joisten. Da die Preise für Wohnraum auch in Porz weiter steigen, könne man bei diesem Bauprojekt zu dem bitteren Schluss kommen, dass Wahn aktuell keine neuen Wohnungen habe, eines der beteiligten Unternehmen aber womöglich daran noch verdiene. "Damit darf man sich nicht zufrieden geben", so Joisten.

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden im Kölner Stadtrat
  • offizielle Mitteilung der Stadt an die Bezirksvertretung Porz zum Bauprojekt "Nachtigallenhof"

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal