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Behörden: Kein Zusammenhang der Taten in Missbrauchsfällen

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Behörden: Kein Zusammenhang der Taten in Missbrauchsfällen

15.01.2020, 12:25 Uhr | dpa

Behörden: Kein Zusammenhang der Taten in Missbrauchsfällen. Ein Schild steht vor dem Sitz der Kölner Staatsanwaltschaft

Ein Schild steht vor dem Sitz der Kölner Staatsanwaltschaft. Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Die Kölner Staatsanwaltschaft und das NRW-Justizministerium haben nach eigenen Angaben keine Hinweise auf einen strafrechtlich bedeutsamen Zusammenhang zwischen den Missbrauchsfällen von Bergisch Gladbach und Lügde gefunden. "Wir haben keinerlei Erkenntnisse darüber gewonnen, dass Täter aus unserem Tatkomplex Bergisch Gladbach auch an den in Lügde begangenen Taten beteiligt gewesen sein könnten", sagte Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Später wiederholten Justizminister Peter Biesenbach und Innenminister Herbert Reul (beide CDU) am Rande des Rechtsausschusses diese Einschätzung.

Sicherheitskreise hatten der dpa am Dienstagabend bestätigt, dass die Ermittler bereits seit längerem mögliche Querverbindungen zwischen Verwandten des mutmaßlichen Haupttäters von Bergisch Gladbach und dem Campingplatz in Lügde prüfen. "Dabei haben sich aber keine Hinweise auf strafrechtlich relevante Sachverhalte ergeben", sagte Willuhn.

Innenminister Reul sagte am Mittwochmittag, dass die Polizei in Bielefeld bereits seit Anfang Dezember die möglichen "Schnittstellen" der Tatkomplexe Lügde und Bergisch-Gladbach überprüfe. Auch Reul sagte, dass nach aktuellem Ermittlungsstand kein Zusammenhang erkennbar sei. Es gebe aber verwandtschaftliche Verhältnisse. "Kölner Stadt-Anzeiger", WDR und RTL hatten zuvor berichtet, dass einer der Verwandten, der vorher bereits selbst wegen Missbrauchs verurteilt worden sei, in den 80er und 90er Jahren in Lügde einen Stellplatz gehabt habe.

Laut "Kölner Stadt-Anzeiger" bestreitet der Mann, die Täter von Lügde persönlich kennengelernt zu haben. Zudem soll den Medienberichten zufolge ein weiterer Verwandter den Campingwagen an einen der Haupttäter von Lügde verkauft haben. Reul sagte in seinem Statement, dass es sich um Zufälle handeln könnte: "Ungewöhnliche Zufälle - aber so ist es eben manchmal."

Nach einem WDR-Bericht sollen die Ermittler bei dem Verdächtigen aus Bergisch Gladbach zudem kinderpornografisches Material gefunden haben, das in Lügde entstanden sein soll. Dazu habe die Kölner Staatsanwaltschaft keine Erkenntnisse, sagte Willuhn.

Am Donnerstag wird sich auch der nordrhein-westfälische Landtag mit dem Thema befassen. Die SPD-Fraktion hat im Familienausschuss eine dringliche Anfrage gestellt, die Grünen im Innenausschuss.

Im Fall Lügde geht es um jahrelangen schweren Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in der Stadt im Kreis Lippe. Das Landgericht Detmold hatte im September zwei Angeklagte zu Freiheitsstrafen von 12 und 13 Jahren verurteilt. Ein weiterer Mann erhielt eine Bewährungsstrafe.

In dem anderen Fall stießen Ermittler ausgehend von Bergisch Gladbach auf ein bundesweites Netzwerk von Verdächtigen, die - teilweise ihre eigenen - Kinder missbraucht und Bilder der Taten getauscht haben sollen. Die Ermittler arbeiten sich derzeit durch riesige Datenmengen mit kinderpornografischem Material. Nach einem Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" (Donnerstag) soll die zuständige Ermittlungsgruppe dabei auf Chatforen gestoßen sein, in denen vor den Augen von Teilnehmern Kinder live missbraucht wurden. Die Kölner Staatsanwaltschaft machte dazu am Mittwochabend zunächst keine Angaben.

Die Zahl der identifizierten Opfer in dem Missbrauchsfall sei inzwischen auf bundesweit 36 gestiegen, gegen 51 Tatverdächtige in zwölf Bundesländern werde ermittelt, sagte Innenminister Reul. "Und das ist nicht das Ende", betonte der CDU-Politiker. "Wir sehen immer noch nur die Spitze des Eisberges." In NRW gibt es nach jüngsten Angaben der Polizei Köln in der Sache derzeit 21 Beschuldigte, von denen acht in Haft sind.

Lügde habe wie ein "Weckruf" für die Polizei und die gesamte Gesellschaft gewirkt, sagte Reul. Kindesmissbrauch sei ein Massenphänomen, bei dem in der Vergangenheit zu oft weggeschaut worden sei. "Ich bin inzwischen - auch wenn das Wort ganz komisch klingt - fast dankbar, dass es diesen Fall gab. Sonst würde diese Wegschauerei wahrscheinlich noch heute andauern."

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