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Köln: Großmarkt-Händler fühlen sich im Stich gelassen

Diskussion über Verlegung  

Großmarkt-Händler fühlen sich im Stich gelassen

24.01.2020, 15:13 Uhr
Köln: Großmarkt-Händler fühlen sich im Stich gelassen. Eine Halle des Großmarktes: Um die Verlegung des Marktes in Köln gibt es Streit. (Quelle: Wächter)

Eine Halle des Großmarktes: Um die Verlegung des Marktes in Köln gibt es Streit. (Quelle: Wächter)

Köln plant mit der Parkstadt Süd eines der größten Entwicklungsgebiete. Herzstück ist das Großmarktgelände. Dazu muss der Markt verlagert werden. Doch das funktioniert offenbar noch nicht. 

Die Händler des Großmarktes in Köln sind sauer. Man muss ein paar Jahre zurückblicken, um den Ärger zu verstehen. Der Rat der Stadt beschloss im Juni 2007, den Großmarkt bis zum Jahr 2020 nach Marsdorf an den Stadtrand zu verlegen. Die Händler erhielten eine Standortgarantie bis zu diesem Zeitpunkt. Nachdem abzusehen war, dass dieses Datum nicht gehalten werden kann, beschloss der Rat im November 2018, dass der Betrieb des Großmarktes bis Ende 2023 verlängert wird.

Die Verlängerung gilt allerdings nur für das Kernmarktgelände. Wo sich dieses genau befindet, beschreibt die Stadtverwaltung nicht konkret, sagt auf Anfrage nur, dass dies mit dem Plan der Parkstadt Süd korrespondiere.

Parkstadt soll neuer Stadtteil werden

Neuerdings teilt die Stadt das Gelände in zwei Bereiche ein, einem südlichen und einem nördlichen. Die Händler, deren Unternehmen sich im südlich gelegenen Kernmarkt befinden, sollen auf dem Wege einer Miet- und Pachtvertragsverlängerung Planungssicherheit bis 2023 erhalten. Auf dem nördlich gelegenen, sogenannten ehemaligen Aurelis-Gelände, einer ehemaligen Bahntochter und Immobilienentwicklerin für alte Bahngelände, wird die Stadt hingegen die Planungen für die Parkstadt Süd weiterverfolgen. So steht es in einer Pressemitteilung der Stadt, nachdem die Händler mit der Oberbürgermeisterin Henriette Reker gesprochen haben. Aber das ist schon über ein Jahr her. Die Verwaltungsmühlen mahlen bekanntlich langsam.

Ein Modell des Großmarkt/Parkstadt Süd zeigt, wie das Gelände zukünftig aussehen könnte. (Quelle: Wächter)Ein Modell des Großmarkt/Parkstadt Süd zeigt, wie das Gelände zukünftig aussehen könnte. (Quelle: Wächter)

Die Unsicherheit der Händler ist bis heute geblieben, wie der Sprecher der Interessengemeinschaft Großmarkt, Michael Rieke, gegenüber t-online.de sagt. Die Stadt hat nämlich damit begonnen, einigen Händlern ihre Verträge nicht zu verlängern. Sie müssen schon bis Ende diesen Jahres weichen. Wie Rieke erklärt, wurden mindestens drei Unternehmern auf dem Großmarktgelände die Miet- und Erbpachtverträge nicht verlängert.

Händlern droht Aus

Da die IG nicht alle Händler des Großmarktes vertritt, könnten es möglicherweise noch mehr sein, die von dieser Regelung betroffen sind, wie Rieke sagt. Eigentlich sollten Einzelfalllösungen für die Händler gefunden werden. "Für diejenigen im Bereich des ehemaligen Aurelis-Geländes gibt es keine wirklichen Lösungen und vielen betroffenen Händlern droht hier das Aus", so Rieke. Auch kritisiert er die Einteilung in unterschiedliche Bereiche. Von Kernmarkt war früher nie die Rede. 

Ansicht auf den Großmarkt von der Straße aus. (Quelle: Wächter)Ansicht auf den Großmarkt von der Straße aus. (Quelle: Wächter)

Im sogenannten Kernmarkt seien Erbbaunehmer seitens der Stadtverwaltung zum Teil dazu genötigt worden, einerseits auf deren vertragliche Verlängerungsoption zweimal zehn Jahre zu verzichten und andererseits abseits jeglicher vertraglichen Regelung eine Kaution in Höhe der voraussichtlichen Abrisskosten in Form einer Bankbürgschaft oder ähnlichem zu stellen. Ein anderer Unternehmer soll überhaupt keine Verlängerung erhalten haben. Die Großmarkthändler empfinden das Prozedere als reine Willkür wie der Sprecher weiter berichtet.

Dilemma der Stadt

Die Stadt steckt in einem Dilemma. Auf der einen Seite ist ein Großmarkt Gegenstand der Daseinsfürsorge, also ein Ort, der erhalten werden muss, auf der anderen Seite verstoßen sie mit einer Verlagerung und einem Neubau gegen das EU-Beihilferecht. Und Beihilfen sind offenbar nötig, denn die Einnahmen aus dem Betrieb des Großmarktes würden nicht ausreichen, heißt es in einem Gutachten, um die Summe der Kosten für die Errichtung und den Betrieb eines Marktes an anderer Stelle zu decken.

Wie die Interessenvertretung Großmarkt mit dem Gutachten umgeht, kann abschließend noch nicht gesagt werden. "Unser Anwalt ist da dran", so Rieke, der bis dahin keine Einschätzung geben will. Auch die Stadt selbst äußert sich dazu noch nicht.

Erste Grundstücke werden veräußert

Zwischenzeitlich hat die Stadtverwaltung damit begonnen, verschiedenen Investoren Grundstücke am östlichen Rand im Großmarktgebiet "zuzuschanzen", wie Rieke es ausdrückt. Das stadteigene Immobilienunternehmen GAG ist nur einer davon. Dazu sollten die Bezirksvertreter in ihrer Januarsitzung ein Votum abgeben. Dabei geht es um die Aufstellung eines Bebauungsplans. Sie schoben es, weil niemand von der Stadtplanung zur Sitzung erschien.

Geplant sind dort etwa 220 Wohnungen. Stutzig macht hier allerdings der Planer. Denn ausgerechnet das Büro, das seinerzeit den Wettbewerb für die Grundlagenplanung der Parkstadt Süd gewonnen hat, plant nun den ersten Bauabschnitt der künftigen Parkstadt.

Ausgeschrieben wie normalerweise üblich wurde das Projekt nicht. Kölns Baudezernent Markus Greitemann bezeichnet dieses Vorgehen als "Reallabor" für die weitere Entwicklung des Areals. Man werde daraus lernen, was gut läuft und was nicht.

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit dem Sprecher der IG Großmarkt Michael Rieke
  • Unterlagen Bezirksvertretung Rodenkirchen, Ratsunterlagen
  • Gutachten Rechtsanwälte Aulinger
  • Presseamt der Stadt Köln
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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