Sie sind hier: Home > Regional > Köln >

Köln: Streit um Nutzung des Rather Sees geht weiter

Wasserskianlage geplant  

Streit um Nutzung des Rather Sees in Köln geht weiter

13.02.2020, 14:57 Uhr
Köln: Streit um Nutzung des Rather Sees geht weiter. Ufer des Rather Sees in Köln (Archivbild): Das Baden ist dort nicht erlaubt. (Quelle: Wächter)

Ufer des Rather Sees in Köln (Archivbild): Das Baden ist dort nicht erlaubt. (Quelle: Wächter)

Ein Badesee mit Sandstrand oder eine Wasserskianlage klingen toll. Doch viele Bürger wollen das am Rather See in Köln nicht. Denn baden können sie dort schon jetzt. Nur legal ist es nicht.

Es ist kalt. Der Wind pfeift. Die Äste der Bäume wiegen schwungvoll im Takt des Windes. Jetzt in den Wintermonaten ist nicht viel los an den Ufern des Neubrücker Baggerlochs, wie das Gewässer zwischen Neubrück, Brück und Rath früher immer hieß. Doch seit sich die Stadt Köln mit dem Bauantrag einer Wasserskianlage samt Badestrand beschäftigt, trägt er den besser klingenden Namen Rather See. Denn Neubrück gehört nicht zu den nobelsten Wohnorten. Rath schon.

"Vor etwa 15 Jahren hat die Diskussion begonnen, was aus dem See einmal wird, wenn nicht mehr ausgekiest wird", sagt Florian von Stein von der gleichnamigen Verwaltung dazu. Seiner Familie gehört zu großen Teilen das 45 Hektar große Seegelände. Er selbst verwaltet es. Für ihn ist eine kommerzielle Nutzung die einzige Möglichkeit, den See der Öffentlichkeit legal zur Verfügung zu stellen. Er liegt in einem Landschaftsschutzgebiet. Von Stein muss deshalb dafür sorgen, dass der See nicht betreten wird. Doch der Zaun rund um das Gewässer wird immer wieder zerstört. Die Einschlupflöcher sind bekannt.

Stacheldraht am Rather See in Köln: Da der See zum großen Teil Privatgelände ist, ist er eingezäunt. Doch das interessiert viele Besucher nicht. (Quelle: Wächter)Stacheldraht am Rather See in Köln: Da der See zum großen Teil Privatgelände ist, ist er eingezäunt. Doch das interessiert viele Besucher nicht. (Quelle: Wächter)

In den Sommermonaten finden dort nach Auskunft der Vorsitzenden des Neubrücker Bürgervereins, Silvia Schrage, regelmäßige Technopartys statt. "Bis tief in die Nacht, mehrere Tage hintereinander", wie sie sagt. So wie es bisher war, könne es nicht weitergehen, meint sie.

Rat schiebt das Thema vor sich her

Der Bauantrag für die Wasserskianlage, mit Parkplätzen, Gastronomie und Badestrand ploppte in den letzten Jahren immer wieder auf. Eigentlich sollten die politischen Gremien längst ihr Votum dazu abgegeben haben. Die zuständige Bezirksvertretung in Kalk hatte in ihrer letzten Sitzung mehrheitlich mit den Stimmen von SPD und CDU zugestimmt. Der Stadtentwicklungsausschuss schob die Entscheidung allerdings. Auch der Rat, der am 6. Februar tagte, stellte die Entscheidung über den Bebauungsplanentwurf zurück. Denn das Ratsgremium ist sich nicht ganz einig. Die CDU befürwortet den Bauantrag. Die Grünen sowie die Ratsgruppe GUT und die Linken lehnen das Vorhaben ab.

Eine Gruppe hält ein Plakat mit der Aufschrift "Keine Wasserskianlage am Rather See" hoch. (Quelle: Wächter)Eine Gruppe hält ein Plakat mit der Aufschrift "Keine Wasserskianlage am Rather See" hoch. (Quelle: Wächter)

Für die einige hundert Mitstreiter zählende Gruppe "#Rather See frei" um Ralf Kuzina und Marc Michalsky ist der Kampf um den See deshalb noch nicht verloren. "Im Rat gibt es offenbar noch keine richtige Mehrheit für die Wasserskianlage", vermutet Kuzina und denkt über weitere Aktionen vor der nächsten Ratssitzung im März nach. In der Vergangenheit demonstrierten sie häufiger. Am See, wenn die CDU dort ihr alljährliches Seefest feiert und vor den Sitzungen der Bezirkspolitiker, wenn das Thema auf der Agenda stand. Im März werden sie auch in der Innenstadt vor den Sitzungen auflaufen.

Soziale und ökologische Bedenken

Es gibt soziale, vor allem aber ökologische Bedenken, dort eine Wasserskianlage zu bauen. Den Eintrittspreis von etwa 4,50 Euro könne sich eine mehrköpfige Familie, die finanziell schwächer gestellt ist, nicht leisten. Und ökologisch sei die geplante Anlage "der größte Schwachsinn", wie es der Kalker Bezirksvertreter von den Grünen, Daniel Bauer-Dahm, in der Sitzung bezeichnete. Genauso denkt die Ratsfraktion.

Nicht zuletzt hat sich der BUND von Anfang an eingemischt. Mit einem Badestrand könne es funktionieren, nicht aber mit einer Wasserskianlage. "Eine Wasserskianlage ist unvereinbar mit der vorgeschriebenen landschaftsorientierten Erholung und dem Erhalt streng geschützter Lebensraumtypen", sagte Holger Sticht, Vorstandsmitglied des BUND Köln.

Wasserskibahn wäre einmalig in Köln

Sticht kritisierte das Vorhaben von Anfang an. So vermisst er etwa ein Umweltgutachten über die Unterwasserwelt des Sees. Gegen einen Badesee aber habe auch der BUND nichts einzuwenden. Das könne umweltverträglich funktionieren.

Der Rather See wäre Kölns erster See mit Wasserskibahn. Bislang gibt es solche Anlagen in Langenfeld und Brühl. Die Gegner der Bahn wollen, dass die Stadt den See kauft, um ihn für Schwimmer legal zu öffnen.

Verwendete Quellen:
  • Bezirksvertretungssitzung Kalk
  • Gespräch mit Holger Sticht und Florian von Stein 

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Media Markttchibo.deOTTOWeltbildbonprix.deLIDLBabistadouglas.deMadeleine

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: