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Straßenkarneval-Start: "Im Herzen bei Menschen von Hanau"

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Straßenkarneval-Start: "Im Herzen bei Menschen von Hanau"

20.02.2020, 11:20 Uhr | dpa

Straßenkarneval-Start: "Im Herzen bei Menschen von Hanau". Weiberfastnacht - Schweigeminute in Köln

Henriette Reker (parteilos, l), Oberbürgermeisterin von Köln, bei einer Schweigeminute für die Opfer von Hanau. Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Der mutmaßlich rechtsextremistische Anschlag von Hanau hat am Donnerstag den Auftakt des Straßenkarnevals in NRW überschattet. "Sicher haben wir ein Lächeln auf dem Gesicht. Aber im Herzen sind wir wirklich bei den Menschen von Hanau", sagte der Kölner Karnevalsprinz Christian II. der Deutschen Presse-Agentur. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) strich Karnevalsveranstaltungen in den Landesvertretungen in Berlin und Brüssel. Bei dem Verbrechen im hessischen Hanau hatte ein Deutscher neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen.

Der Anschlag soll sowohl im Düsseldorfer als auch im Kölner Rosenmontagszug aufgegriffen werden. "Es wird ein Wagen an Hanau angepasst werden", sagte die Sprecherin des Festkomitees Kölner Karneval, Tanja Holthaus. Der Düsseldorfer Bildhauer Jacques Tilly plant sogar einen eigenen Wagen dazu. "Es wird kein Wagen, über den man lachen kann, aber es wird ein Statement der Narren sein", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Wir sind nicht nur für Friede-Freude-Eierkuchen zuständig, wir haben ja einen politischen Karneval."

Rechtspopulismus und rechtsextreme Gegenkultur würden seit Jahren im Düsseldorfer Zug aufgespießt, sagte Tilly, dessen Wagen jedes Jahr international Aufmerksamkeit erregen. Anschläge in der Größenordnung wie in Hanau hätte er sich vor einigen Jahren noch nicht vorstellen können. "Das ist etwas, was sich wie ein Schatten über den Rosenmontagszug legt und über die Lebensfreude, die der Karneval eigentlich ausdrücken soll."

Der Kölner Karnevalspräsident Christoph Kuckelkorn, von Beruf Beerdigungsunternehmer, sagte: "Im Leben und vor allen Dingen im Karneval sind die Momente der überschäumenden Freude und des Feierns und die der Trauer und die stillen Momente immer nah beieinander. Heute, in den Stunden, überwiegt bei uns allen glaube ich die Fassungslosigkeit." Der Präsident des Comitees Düsseldorfer Karneval, Michael Laumen, sagte zum Start von Altweiber auf dem Rathausbalkon: "Wir sind bei den Opfern von Hanau. Unser Düsseldorfer Karneval ist multikulturell."

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die 2015 selbst von einem fremdenfeindlichen Attentäter lebensgefährlich verletzt worden war, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Dass solche schrecklichen Vorfälle sich häufen, ist ein Zeichen dafür, dass sich unsere Gesellschaft verändert. Und das dürfen wir auf keinen Fall zulassen."

Die SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans sagten wegen des Anschlags einen geplanten Besuch im Kölner Karneval ab. "Es ist furchtbar, und ich will den Jecken in Köln und anderswo den Spaß an d'r Freud nicht nehmen", sagte Walter-Borjans dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Erst recht nicht, wenn es darum geht, dass sie damit ein Bekenntnis zum Leben und leben lassen ablegen. Wir würden diese Überzeugung in anderen Teilen des Landes aber nur schwer vermitteln können." Die Deutsche Welle cancelte "aus Respekt vor den Opfern" ihren für Freitag geplanten Karnevalsempfang im Bonner Funkhaus.

Auch ganz normale Feiernde zeigten sich betroffen, machten aber gleichzeitig deutlich, dass sie sich den Karneval nicht kaputtmachen lassen wollten. "Was da passiert ist, ist ganz schlimm", sagte der extra aus Bayern nach Köln angereiste Florian Huber. "Wir wollen heute trotzdem Spaß haben. Es ist nicht so, dass man jetzt Angst hat." Der Kölner Rudolf Bong sagte: "Dass man Angst hat, das ist doch genau das, was Leute wie der Täter wollen. Die wollen unseren freien Lebensstil angreifen."

In vielen Städten im Rheinland stürmten die Frauen an Weiberfastnacht die Rathäuser. So nahmen in Düsseldorf die alten Möhnen den Bürgermeister gefangen. In Bonn, einem der Ursprungsorte der Weiberfastnacht, griffen die Waschweiber an. In Köln hatten sich schon am frühen Vormittag viele tausend Jecken in der Altstadt versammelt. Die Polizei war dort mit 1000 Beamten auf den Straßen. Gegen Abend wurde die Stimmung bei zunehmender Alkoholisierung aggressiver, und es kam nach Angaben einer Polizeisprecherin zu "kleineren Schlägereien".

Ein anderes aktuelles Thema war der Coronavirus. Nach Angaben des Festkomitees Kölner Karneval hat die Krankheit bisher keine Auswirkungen auf das närrische Treiben. Natürlich kämen sich die Menschen im Karneval näher als sonst, zum Beispiel beim Schunkeln. Ein paar einfache Hygieneregeln, die sowieso immer gelten sollten, sorgten aber schon für unbeschwertes Feiern. Oberbürgermeisterin Reker sagte der dpa: "Ich scheue das Bützen nicht. In meiner Jugend wurde auf den Mund gebützt. Das gibt es schon lange nicht mehr." Sie persönlich habe Karneval in ihrem Leben nur ein einziges Mal ausgelassen: mit 14 Jahren wegen einer schweren Grippe.

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