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Reker, Woelki, Klimakrise: Das war Köln im Jahr 2020

Jahresrückblick  

Corona, Millionen-Vergleich, Woelki-Kritik: Das war Köln im Jahr 2020

Von Stefan Rahmann

29.12.2020, 08:27 Uhr
Reker, Woelki, Klimakrise: Das war Köln im Jahr 2020. Ein überlebensgroßes Konterfei von Henriette Reker am Severinsplatz: Ein Verehrer der Oberbürgermeisterin ließ es auf diese Hauswand malen. (Quelle: Stefan Rahmann)

Ein überlebensgroßes Konterfei von Henriette Reker am Severinsplatz: Ein Verehrer der Oberbürgermeisterin ließ es auf diese Hauswand malen. (Quelle: Stefan Rahmann)

Es gibt genügend Gründe, um mit dem Jahr 2020 zu hadern. Aber im Schatten des Doms darf man sagen: Die Kölnerinnen und Kölner haben im ablaufenden Jahr auch Glück gehabt.

Natürlich hat auch in der Millionenstadt am Rhein das Coronavirus für Schlagzeilen gesorgt. Aber das ablaufende Jahr hatte auch gute Momente. Der Vergleich über die Kosten für den Archiveinsturz wurde geschlossen. Karneval war kein Superspreader-Event. Und die Nord-Süd-Fahrt hat jetzt an vielen Stellen Radspuren. Wir blicken zurück.

Kölns Karneval in Zeiten von Corona

Nicht auszudenken, das Virus hätte sich während der tollen Tage ähnlich intensiv verbreitet wie im nicht allzu weit entfernten Heinsberg. Während dort ab Mitte Februar die Zahl der Infizierten nach einer Karnevalssitzung sprunghaft stieg, feierten die kölschen Jecken beim Rosenmontagszug am 24. Februar so ausgelassen wie immer. 

Ernst wurde es sechs Wochen später. Während der ersten Welle waren Anfang April 886 Kölnerinnen und Kölner infiziert, 3.000 waren es Ende Oktober zur Hochzeit der zweiten Welle. Danach sank die Zahl auf 2.128 am 27. Dezember. Insgesamt haben sich rund 25.000 Kölnerinnen und Kölner mit dem Virus infiziert. Die Gefahr einer Überlastung des Gesundheitswesens bestand nicht. Es wurden sogar Patienten aus Italien und Frankreich auf Kölner Intensivstationen behandelt.

In Sachen Karneval ist derzeit Schluss mit lustig. Der Elfte im Elften, sonst Auftakt der fünften Jahreszeit, war ein Tag wie jeder andere. Der Appell von Stadtverwaltung und Festkomitee Kölner Karneval war eindeutig: "Bleibt zu Hause". Und die Kölnerinnen und Kölner folgten der Aufforderung. Schweren Herzens. Und es wird erst einmal so bleiben: Sitzungen der Karnevalsgesellschaften, Weiberfastnacht und der Rosenmontagszug sind allesamt abgesagt.

Und zum Jahresende gab es eine schöne Premiere: Die 92-jährige Gertrud Vogel bekam als erste Kölnerin die Corona-Schutzimpfung. Ihr Kommentar: "Das ist eine tolle Sache."

Gertrud Vogel bekommt eine Spritze: Die 92-jährige Pflegeheimbewohnerin ist die erste Kölnerin, die die Corona-Impfung bekommt. (Quelle: dpa/Henning Kaiser)Gertrud Vogel bekommt eine Spritze: Die 92-jährige Pflegeheimbewohnerin ist die erste Kölnerin, die die Corona-Impfung bekommt. (Quelle: Henning Kaiser/dpa)

Das Bistum im Fokus

Turbulent war das Jahr 2020 für den Kölner Erzbischof. Die Kritik am Umgang mit den Missbrauchsfällen im Bistum endete damit, dass der Betroffenensprecher Matthias Katsch den Rücktritt von Rainer Maria Kardinal Woelki forderte. Der Erzbischof hatte zunächst schonungslos offene Aufklärung aller Missbrauchsfälle im Bistum mit Namensnennung der Täter gefordert und bei der Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl ein entsprechendes Gutachten in Auftrag gegeben.

Das hält Woelki jedoch wegen "durchgreifender methodischer Mängel", wie er sagt, unter Verschluss. Stattdessen soll der Kölner Strafrechtsexperte Björn Gercke bis März 2021 ein neues Gutachten erstellen. Dem Kardinal wird von seinen Kritikern insbesondere vorgehalten, dass er den Fall eines Pfarrers, der ein Kind missbraucht hatte, nicht beim Heiligen Stuhl in Rom gemeldet hat.

Für Irritationen sorgte Woelki dann am Jahresende während der Christmette mit einer Entschuldigung. Er entschuldigte sich allerdings nicht für eigenes Fehlverhalten, sondern dafür, dass die Gläubigen aushalten müssten, dass ihr Oberhirte kritisiert werde. Jetzt wartet die Öffentlichkeit auf das Gercke-Gutachten. Und den Umgang des Erzbischofs damit.

Rainer Maria Kardinal Woelki bei einem Gottesdienst (Archivbild): Er steht seit Wochen wegen einer Gutachten-Krise in der Kritik. (Quelle: imago images/FutureImage)Rainer Maria Kardinal Woelki bei einem Gottesdienst (Archivbild): Er steht seit Wochen wegen einer Gutachten-Krise in der Kritik. (Quelle: FutureImage/imago images)

Reker sticht

Fest im Sattel sitzt die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker nach ihrem Sieg bei der Stichwahl Ende September. Mit 59 Prozent der Stimmen distanzierte sie ihren Konkurrenten Andreas Kossiski von der SPD deutlich. Der kam auf knapp 41 Prozent. Reker wird von einem Bündnis aus CDU und Grünen unterstützt. Die Grünen wurden bei der Kommunalwahl am 13. September erstmals stärkste Partei in Köln. Sie erreichten 28,5 Prozent der Stimmen. CDU und SPD kamen auf jeweils 21,5 Prozent. Damit besetzen Grüne und CDU 45 der 90 Ratssitze und hätten mit der Stimme der Oberbürgermeisterin eine hauchdünne Mehrheit.

Henriette Reker: Kölns Oberbürgermeisterin bei der ersten Pressekonferenz nach ihrer Wiederwahl. (Quelle: Stefan Rahmann)Henriette Reker: Kölns Oberbürgermeisterin bei der ersten Pressekonferenz nach ihrer Wiederwahl. (Quelle: Stefan Rahmann)

Zurzeit verhandeln Vertreterinnen und Vertreter beider Parteien über eine Zusammenarbeit. Auch die Partei Volt, die vier Sitze im Rat errang, ist mit im Boot. Mit einem Ergebnis der Verhandlungen wird nicht vor Februar gerechnet. In der vorherigen Ratsperiode waren die Grünen der kleinere Partner in einem schwarz-grünen Bündnis. Das hat sich gedreht. Die Aufsichtsratsposten in den städtischen Gesellschaften hat man den neuen Mehrheitsverhältnissen im Rat entsprechend bereits verteilt.

Causa Stadtarchiv endet mit 600 Millionen-Euro-Vergleich 

Es tut sich was an der Einsturzstelle des Stadtarchivs. Die Erleichterung auf dem Podium war mit Händen zu greifen, als Oberbürgermeisterin Henriette Reker im Juni bei einer Pressekonferenz den Vergleich vorstellte, den die Stadt mit der Arge Los-Süd ausgehandelt hatte. 600 Millionen Euro bekommt die Stadt von den in der Arge zusammengeschlossenen Firmen, die am Bau des Gleiswechsel-Bauwerks am Waidmarkt und damit am Einsturz des Stadtarchivs beteiligt waren.

In Trümmern lag das Kölner Stadtarchiv nach dem Einsturz im März 2009. (Quelle: Stefan Rahmann)Ein Haufen Schutt: Das Kölner Stadtarchiv lag nach dem Einsturz im März 2009 in Trümmern. (Quelle: Stefan Rahmann)

Der Rat hat den Vergleich mit großer Mehrheit gebilligt. Henriette Reker hatte am Tag davor den Vertrag unterzeichnet. "Die Kämmerin noch nicht. Die muss erst die richtige Kontonummer raussuchen. So viel Geld bekommen wir ja auch nicht oft." Mit dem Vergleich sei der Weg frei für den Weiterbau der Nord-Süd-Bahn. "Damit vermeiden wir ein jahrelanges Ringen vor Gericht und wir müssen kein Risiko eingehen. Denn wie die Gerichte entscheiden, weiß man ja vorher nicht."

Über 90 Prozent der Archivalien habe man retten können. Zwölf Millionen Euro jährlich werden für die Restaurierung ausgegeben. Mehr geht nicht, weil es nicht genügend Menschen gibt, die professionell restaurieren können. Das neue Stadtarchiv am Eifelwall wird in Kürze den Betrieb aufnehmen.

Aus Parkplätzen wurden Radwege

Köln hat 2020 Fortschritte gemacht auf dem Weg zu einer fahrradfreundlicheren Stadt. Auf zwei zentralen Verkehrsachsen, der Nord-Süd-Fahrt und den Ringen, wurden Autospuren zu Radwegen umgewidmet. In der Altstadt wurden Autoparkplätze in Abstellflächen für Fahrräder und E-Scooter umgewandelt. Bis 2030 will die Stadt ihren CO2-Ausstoß halbieren.

Opfer ist der städtische Energieversorger Rheinenergie. Da er nicht das wirtschaftlichste Angebot machte, wurde der Auftrag für die Versorgung städtischer Gebäude an den Ökostromanbieter "Lichtblick" aus Hamburg vergeben. Verlangt waren von Seiten der Stadt 100 Prozent Ökostrom.

Mehr Platz für Scooter und Räder: In der Kölner Altstadt wurden zahlreiche Parkplätze für Autos zu Stellflächen für Fahrräder umgewandelt. (Quelle: Stefan Rahmann)Mehr Platz für Scooter und Räder: In der Kölner Altstadt wurden zahlreiche Parkplätze für Autos zu Stellflächen für Fahrräder umgewandelt. (Quelle: Stefan Rahmann)

Pachtvertrag des 1. FC ohne Mehrheit

Und auch der 1. FC Köln ist Opfer des Klimawandels. Eigentlich wollte man im denkmalgeschützten Grüngürtel eine große Wiese in Trainingsplätze umwandeln. Zwar hat der Rat vor der Wahl das Baurecht dafür geschaffen. Aber der FC hat es versäumt, vorher einen Pachtvertrag mit der Stadt für das Grundstück abzuschließen. Diesen Vertrag müsste der Rat absegnen. Dafür gibt es nach der Kommunalwahl keine Mehrheit mehr.

Aus für die letzte Hundetoilette

Köln bereitet sich aber auch mit ungewöhnlichen Maßnahmen auf den Klimawandel vor. Beispielsweise wird das letzte Hundeklo der Stadt abgebaut. Die entsprechende Wiese wird zur öffentlichen Grünfläche.

Die Verwaltung teilt dazu mit: "In den immer heißer werdenden Sommermonaten häufen sich mittlerweile die Beschwerden der Anwohner, weil der auftretende Gestank durch Hundekot unerträglich ist."

 Dieses Bild wird bald der Vergangenheit angehören. Das letzte Hundeklo Kölns schließt. (Quelle: Stefan Rahmann)Dieses Bild wird bald der Vergangenheit angehören. Das letzte Hundeklo Kölns schließt. (Quelle: Stefan Rahmann)

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen sowie Anwesenheit bei Pressekonferenzen mit OB Reker am 29.06.2020 und 13.09.2020

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