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Köln: Radstadion wird nach Albert Richter benannt

Ehre für Ausnahmetalent  

Kölner Radstadion wird offiziell nach Albert Richter benannt

Christopher Dröge

09.02.2021, 07:22 Uhr
Köln: Radstadion wird nach Albert Richter benannt. Das Kölner Radstadion "Albert-Richter-Bahn": Die Initiative von Reinhold Goss und Michael Hokkeler will erreichen, dass das gesamte Stadion nach Albert Richter benannt wird.  (Quelle: imago images/Horst Galuschka)

Das Kölner Radstadion "Albert-Richter-Bahn": Die Initiative von Reinhold Goss und Michael Hokkeler will erreichen, dass das gesamte Stadion nach Albert Richter benannt wird. (Quelle: Horst Galuschka/imago images)

Mitglieder der Kölner Radsport-Szene und Bezirkspolitiker setzen sich dafür ein, das Radstadion Köln offiziell in "Albert-Richter-Stadion" umzutaufen. Der Vorplatz soll künftig den Namen von Trainer Ernst Berliner tragen.

Der Kölner Volksmund nimmt manche Dinge nicht gar so genau. Darum ist das Radstadion in Müngersdorf schon lange als "Albert-Richter-Stadion" bekannt, obwohl es offiziell nur den schmucklosen Namen "Radstadion Köln" trägt – bislang ist allein die hölzerne Rennbahn innerhalb des Stadions nach der Kölner Radsport-Legende benannt.

Richter galt Anfang der 1930er Jahre im Radsport als Ausnahmetalent, schon mit 19 Jahren gelang ihm 1932 der Sprung vom Amateur zu Profisportler. Trotz seines Erfolgs ließ er nie Zweifel an seiner Gegnerschaft zum NS-Regime aufkommen, verweigerte etwa bei Siegerehrungen den Hitlergruß. Vor allem aber hielt Richter zu seinem jüdischen Trainer Ernst Berliner und ließ sich von diesem noch aus dem niederländischen Exil managen. 1940 wurde er an der Schweizer Grenze beim Versuch verhaftet, Geld für einen Freund zu schmuggeln – am 2. Januar starb er im Lörracher Gefängnis. Eine Ermordung durch die Gestapo gilt heute als sehr wahrscheinlich. Ernst Berliner emigrierte 1947 in die USA, kehrte jedoch 1966 nach Köln zurück, um die Erinnerung an den fast vergessenen Sportler wachzurufen.

Der Vorplatz des Stadions: Die Bezirksvertretung Lindenthal hat einen interfraktionellen Beschluss gefasst, den Platz in Ernst-Berliner-Platz umzutaufen. (Quelle: Christopher Dröge)Der Vorplatz des Stadions: Die Bezirksvertretung Lindenthal hat einen interfraktionellen Beschluss gefasst, den Platz in Ernst-Berliner-Platz umzutaufen. (Quelle: Christopher Dröge)

Einen ersten Versuch, das Radstadion in Gedenken an Richter umzubenennen, gab es in den 1990er Jahren. "Das ist leider krachend am Widerstand im Stadtrat gescheitert – so mancher hielt Richter damals für einen Kommunisten", erinnert sich Michael Hokkeler. "Die Benennung der Rennbahn war ein Kompromiss, auf den man sich einigen konnte", fügt Reinhold Goss hinzu.

Hokkeler und Goss sind maßgeblich an der neuen Initiative zur Umbenennung beteiligt und gut in der Kölner Radler-Szene vernetzt: Hokkeler ist Vorsitzender des Radsportvereins RTC Dasimmerdabei 04 e.V., Goss ist in der Bürgerinitiative "Ring Frei" aktiv, die sich für bessere Bedingungen für Radfahrer einsetzt.

Heute deutlich breitere Unterstützung

"Die Initialzündung für die Umbenennung entstand 2020, als in Ehrenfeld im Bumann & Sohn der Film 'Tigersprung' gezeigt wurde, der an Richters und Berliners Geschichte erinnert", erinnert sich Hokkeler. "Bei der anschließenden Diskussion kristallisierte sich heraus, dass es Zeit für einen neuen Versuch wird."

Anders als in den 90er Jahren ist die Unterstützung für eine Umbenennung heute deutlich breiter aufgestellt. "Von der Jungen Union bis zum Autonomen Zentrum signalisiert man uns Zustimmung", sagt Goss, "Auch aus dem Rat, quer durch alle Fraktionen."

Bereits Anfang Februar schloss sich die Bezirksvertretung Lindenthal, in deren Zuständigkeit der Vorplatz des Stadions fällt, dem Anliegen an: In einem gemeinsamen Antrag stimmten Grüne, CDU, SPD, FDP und Linke für die Benennung in Ernst-Richter-Platz. Über die Benennung des Stadions soll per Bürgerantrag im Rat entschieden werden – wann, ist jedoch nicht ganz sicher. "Wegen der Pandemie sind Sitzungen ausgefallen oder wurden verkürzt, deswegen ist unser Anliegen etwas nach hinten gerutscht", schätzt Goss.

Hokkeler jedenfalls rechnet nicht vor März damit, als Petent im Rat für das Anliegen werben zu können. "Bis dahin sammeln wir eben noch ein paar Unterschriften", fügt Hokkeler hinzu. Mit einer Online-Petition haben sie bislang gut 1.500 Unterstützer finden können. Sollte der Rat die Umbenennung vor dem Sommer beschließen, sollen beide Benennungen in einem Festakt zu Beginn der Deutschen Meisterschaft am 24. August enthüllt werden. 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen
  • Gespräche mit Michael Hokkeler und Reinhold Goss

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