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Kölner Filmemacher zwischen Überlebenskampf und Hip Hop

Kino in der Krise  

Kölner Filmemacher setzen auf Crowdfunding und Unabhängigkeit

Von Peter Hesse

22.02.2021, 07:13 Uhr
Kölner Filmemacher zwischen Überlebenskampf und Hip Hop. Pahel, Aphroe und Mr. Wiz bei den Dreharbeiten zu "We Almost Lost Bochum" (Quelle: Mindjazz Pictures)

Pahel, Aphroe und Mr. Wiz bei den Dreharbeiten zu "We Almost Lost Bochum" (Quelle: Mindjazz Pictures)

Zwei Kölner Filmemacher wollen der Krise trotzen: Sie haben einen Film über die Ruhrgebiets-Rapper RAG gedreht und wollen ihn mithilfe einer Spendenkampagne ins Heimkino bringen. 

Die Filmbranche hat im Speziellen unter Corona zu leiden: Die Kinos sind geschlossen, Dreharbeiten können nur schwer umgesetzt werden und der Alltag wird für Filmemacher zum wirtschaftlichen Überlebenskampf. Wie Mut und Originalität in Krisenzeiten helfen kann, zeigen die Macher der Dokumentation "We Almost Lost Bochum". In diesem Film wird die Hip-Hop-Gruppe RAG porträtiert, umgesetzt von den Kölner Filmemachern Julian Brimmers und Benjamin Westermann.

Der Startschuss fiel im Oktober 2019. Damals lief "We Almost Lost Bochum" auf den Hofer Filmtagen und danach sollte die Doku im Kino laufen. "Dann kam der erste Lockdown und hat unsere Pläne komplett durchkreuzt", erklärt Julian Brimmers den steinigen Weg mit seiner Doku. Für den Sommer wurden ein paar Vorstellungen in Autokinos organisiert, aber der Traum, im Kino zu laufen, konnte erst im Herbst umgesetzt werden. "Wir haben so ein paar Open Air-Aktionen gemacht, wo der Film dann lief – in Köln alleine viermal", sagt Brimmers.

Julian Brimmers (links) und Benjamin Westermann sind die Regisseure von "We Almost Lost Bochum" (Quelle: David Eckes)Julian Brimmers (links) und Benjamin Westermann sind die Regisseure von "We Almost Lost Bochum" (Quelle: David Eckes)

Eindringliches Porträt über das Innenleben einer Band 

Ihr Film porträtiert die Ruhrgebiets-Rapper RAG, die in den 1990er-Jahren auf dem Sprung waren, eine große Band zu werden. Prominente Kollegen wie Jan Delay, Materia, Curse oder Kool Savas loben vor der Kamera ihre Art zu rappen – und das musikalische Können von RAG. Dazu geben die Bandmitglieder einen tiefen Einblick in ihre Gefühlswelt.

Rapper Pahel wohnt mittlerweile in Washington D.C., die Kamera begleitet Mr. Wiz bei einem Familienbesuch in New York und Karsten Stieneke (alias Aphroe) zeigt wichtige Orte der Bandgeschichte. Besonders dramatisch wird es gegen Ende des Films, der den Tod ihres vierten Bandmitglieds Galla thematisiert, der vereinsamt und mittellos im Jahr 2011 starb.

Pahel (links) und Aphroe (rechts) live auf der Bühne. (Quelle: Mindjazz Pictures)Pahel (links) und Aphroe (rechts) live auf der Bühne. (Quelle: Mindjazz Pictures)

Der Kinostart für die Doku wurde im vergangenen September vom zweiten Lockdown erheblich erschwert. Es gab zwar sehr gute Kritiken, aber nur geringe Einspielergebnisse. Um aus dieser Misere herauszukommen, haben die Filmemacher nun eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um eine Blue-Ray-Edition produzieren zu können.

Nach wenigen Tagen hatten sie bereits über 30.000 Euro gesammelt, das eigentliche Ziel lag viel tiefer. "Wir sind total erschlagen von diesem Zuspruch", sagt Julian Brimmers. Doch ausgesorgt hat er damit nicht: “Wir haben den Film neben unserer Arbeit gemacht. Es ging uns auch nie darum, uns für die Produktion ein Honorar auszahlen zu können. Das ist und war immer ein Liebhaberprojekt.”

Dass die Kölner mit diesem Projekt ins Plus kommen, ist nicht wahrscheinlich, wie Brimmers erklärt: "Wenn etwas übrig bleibt, geht das direkt wieder in die Produktion. Ein paar Dinge gilt es noch zu refinanzieren."

"Starker Zusammenhalt in der Rap-Community" 

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass kein Weg an Streaming-Anbietern wie Netflix oder Amazon Prime vorbeiführt. Auch "We Almost Lost Bochum" soll bald per Streaming zu sehen sein. Aber laut Brimmers sei  "noch nichts spruchreif“. Der Kölner Filmemacher und sein Kompagnon Westermann haben für ihre Dokumentation alles auf eine Karte gesetzt.

Gerrit Starczewski – der Filmemacher vom Niederrhein (dritter von links im Bild, in Bomberjacke mit kaputter Brille) – während der Dreharbeiten zu seinem neuen Film "Glanz, Gesocks und Gloria". (Quelle: Dominik Asbach)Gerrit Starczewski, der Filmemacher vom Niederrhein (Dritter von links im Bild, in Bomberjacke mit kaputter Brille), während der Dreharbeiten zu seinem neuen Film "Glanz, Gesocks und Gloria". (Quelle: Dominik Asbach)

"In der Rap-Community gibt es einen starken Zusammenhalt – und wenn Geschichten gut erzählt sind, sollen die natürlich auch ihr Publikum finden", sagt der vom Niederrhein stammende Filmemacher Gerrit Starczewski zu t-online. Er wurde einst mit filmischen Dokumentationen über skurrile Fußballfans ("Pottoriginale") bekannt.

Starczewski selbst hat auch unter der Corona-Krise zu leiden, sein neues Epos "Glanz, Gesocks und Gloria" ist nun zum vierten Mal auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Starczewski: "Spannend werden Filme doch erst dann, wenn man wirklich mutig und unabhängig ist. Und man nachts nicht mehr schlafen kann."

Verwendete Quellen:
  • Gespräche mit Julian Brimmers und Gerrit Starczewski
  • Eigene Recherche
  • Crowdfunding-Kampagne
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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