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"Putin hat den Genozid in der Ukraine begonnen"

Greta Spieker

24.04.2022Lesedauer: 4 Min.
Iwan Fedorow, der Bürgermeister der ukrainischen Stadt Melitopol, besuchte am Samstag gemeinsam mit einer Delegation die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker.
Iwan Fedorow, der Bürgermeister der ukrainischen Stadt Melitopol, besuchte am Samstag gemeinsam mit einer Delegation die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. (Quelle: Greta Spieker/T-Online-bilder)
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Iwan Federow zu Gast in Köln: Der Bürgermeister der ukrainischen Stadt Melitopol ist mit einer Delegation am Wochenende nach Köln gereist. Dort sprach er mit der Kölner Oberbürgermeisterin über die dramatische Lage in der Ukraine.

Iwan Fedorow, der Bürgermeister der ukrainischen Stadt Melitopol, besuchte am Samstag die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen Maria Mezentseva und Olena Khomenko, beide Abgeordnete im ukrainischen Parlament, bereist er zurzeit Europa, um für Unterstützung im Krieg gegen Russland zu werben.

Die ukrainische Delegation reist mit klaren Forderungen im Gepäck: Lieferung schwerer Waffen, ein Gasembargo und die vollständige Aufarbeitung der russischen Kriegsverbrechen. Die Lage in ihrem Land ist dramatisch.

"Jeder Euro für russisches Gas bedeutet den Tod für die ukrainische Bevölkerung"

Der müde und gleichzeitig messerscharfe Blick des ukrainischen Politikers durchstreift den Saal im Kölner Rathaus. Vor Kurzem erst konnte er im Rahmen eines Gefangenenaustauschs aus russischer Haft befreit werden. Er gegen neun russische Soldaten, alle Jahrgang 2002 und 2003.

Maria Mezentseva ergreift als Erste das Wort. In der Nacht von Freitag auf Samstag sei ihre Heimatstadt Charkiw 50-mal bombardiert worden, erzählt sie.

Politikerin Maria Mezentseva, Abgeordnete im ukrainischen Parlament beim Besuch in Köln.
Politikerin Maria Mezentseva, Abgeordnete im ukrainischen Parlament, beim Besuch in Köln. (Quelle: Horst Galuschka/imago-images-bilder)
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Die Abgeordnete des ukrainischen Parlaments macht deutlich, wozu die Reise dient: Man wolle das wahre Gesicht des Krieges zeigen. Abseits von russischer Propaganda. Dazu betont sie, dass der Krieg nicht erst am 24. Februar 2022 begonnen habe. Der Überfall Russlands auf die Ukraine habe bereits 2014 angefangen. Im Februar sei der Krieg in eine zweite Phase übergegangen.

Ihr Appell könnte nicht deutlicher und dringlicher sein: "Unsere größte Hoffnung ist es, die deutschen Politikerinnen und Politiker in einer Sache zu vereinen: der Lieferung von schweren Waffen an die Ukraine. Wir wissen, ihr habt Marder, wir wissen, dass ihr sie liefern könnt. Diese Waffen können den Verlauf des Krieges zugunsten der Ukraine entscheiden. Das ist kein Krieg zwischen der Ukraine und Russland, das ist ein Krieg zwischen Russland und der gesamten zivilisierten Welt."

Ruhig, aber standfest macht die junge Frau den Anwesenden klar, was auf dem Spiel steht. Auch das Thema Gas spricht sie an und mahnt: "Jeder Euro, der für russisches Gas gezahlt wird, bedeutet den Tod für die ukrainische Bevölkerung."

"Putin hat den Genozid in der Ukraine begonnen"

Die Stadt Melitopol liegt im Süden des Landes zwischen Odessa und Mariupol und wurde von russischen Soldaten besetzt. Der 34-jährige Federow findet eindringliche Worte, um die Lage seines Landes an die Welt zu tragen. Es sei vielleicht schwer vorstellbar, dass diese Dinge im 21. Jahrhundert passierten, aber es sei die Lebensrealität der Ukrainer.

Putin wolle ukrainische Städte nicht retten oder besetzen, sondern schlichtweg auslöschen – inklusive der Bevölkerung: "Putin hat den Genozid in der Ukraine begonnen. Er will die gesamte ukrainische Nation ermorden." Die besetzten Städte seien vollständig abgeschottet. Es sei nicht mehr möglich, Essen, Medikamente oder Ähnliches an die Bevölkerung in den besetzten Gebieten zu liefern.

Die Worte des ukrainischen Bürgermeisters werden noch härter, der Blick eindringlicher. Seine Augen durchbohren die Gesichter der Anwesenden. Gepaart mit seinem unmissverständlichen Appell fühlt es sich für einen kurzen Moment an, als würde die Zeit im Rathaus stillstehen. Das Gelächter von draußen klingt fast höhnisch im Angesicht der Worte des Politikers.

Iwan Fedorow, Bürgermeister von Melitopol beim Besuch der ukrainischen Delegation im Kölner Rathaus.
Iwan Fedorow, Bürgermeister von Melitopol, beim Besuch der ukrainischen Delegation im Kölner Rathaus. (Quelle: Horst Galuschka/imago-images-bilder)

Mit jedem seiner Worte scharen sich die Anwesenden näher um ihn herum: Vor drei Tagen wurde die ukrainische Stadt Lwiw erstmals bombardiert. Sie liegt im äußersten Westen der Ukraine, direkt an der Grenze zu Polen: "Putin beginnt an der europäischen Grenze zu schießen. Wenn jemand in der EU glaubt, Putin ginge es um Sicherheit – das stimmt nicht."

Es gibt nur einen Weg für den Bürgermeister: "Wir alle müssen vereint mit der Ukraine stehen. Wir brauchen Unterstützung. Keine Reden über Unterstützung, sondern richtige Unterstützung und die schon gestern. Heute reicht es noch, aber morgen wird es zu spät sein. Jeder muss eine Entscheidung treffen, auf welcher Seite man steht: mit einer starken Ukraine oder mit dem Mörder Putin."

"Wir brauchen ein Nürnberg 2.0"

Abschließend wenden sich noch einmal seine Kolleginnen Maria Mezentseva und Olena Khomenko an die Anwesenden. Sie nutzen die Gelegenheit, um explizit auf die Kriegsverbrechen der russischen Soldaten einzugehen: "Wir erleben Vergewaltigungen, Kriegsverbrechen und Gräueltaten, wie sie die Welt nicht mal während des Zweiten Weltkriegs gesehen hat. Das passiert genau jetzt in der Ukraine."

Es ist ein großes Anliegen der ukrainischen Delegation, dass diese Verbrechen aufgearbeitet werden. Man habe bereits mehr als 7.000 Fälle von Kriegsverbrechen registriert und arbeite gemeinsam mit Polen und Litauen an deren Aufarbeitung. Auch Deutschland unterstützt die Ukraine dabei.

Um eine angemessene Verurteilung der Verbrecher zu gewährleisten, müsse ein "Nürnberg 2.0" stattfinden, fordern sie. Bei den Nürnberger Prozessen wurden zwischen 1945 und 1946 die Hauptkriegsverbrecher des Dritten Reiches angeklagt.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die sich für die Freilassung von Iwan Fedorow eingesetzt hatte, nennt die Unterstützung der Ukraine in ihrem Kampf gegen die russische Invasion einen "Akt der Humanität". "Die Ukrainer sind unsere Nachbarn mit den gleichen demokratischen Werten". Zu helfen sei eine Selbstverständlichkeit.

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