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"Sie war die Einzige in der Familie, die nicht bei Scientology sein wollte"

Von Andreas Raabe

Aktualisiert am 06.07.2022Lesedauer: 5 Min.
Vermisste Yolanda Klug in Leipzig: Ihr rätselhaftes Verschwinden war Thema in "Aktenzeichen XY".
Vermisste Yolanda Klug in Leipzig: Ihr rätselhaftes Verschwinden war Thema bei "Aktenzeichen XY". (Quelle: Polizei Sachsen)
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Nachdem der Fall der seit fast drei Jahren vermissten Studentin Yolanda Klug (23) Thema bei "Aktenzeichen XY" war, zeigen Recherchen: Yolandas Mutter war führendes Scientology-Mitglied. Auch sie ist verschwunden.

Mitte der Woche war der Fall der seit fast drei Jahren vermissten jungen Leipziger Studentin Yolanda Klug Thema in der Sendung "Aktenzeichen XY". Am 25. September 2019 war die junge Frau spurlos verschwunden, nachdem sie mit dem Bus zum Möbelhaus Ikea zwischen Leipzig und Halle gefahren war. Yolanda war damals 23 Jahre alt. Umfangreiche Suchaktionen brachten kein Ergebnis.

Nun kommt Bewegung in den seit langem offenen Fall. Eine Spur führt zu Scientology. Das bestätigte auch die Polizei Leipzig in der Sendung "Aktenzeichen XY": Dort sagte Polizeisprecherin Dorothea Benndorf: "Wir haben auch die Rolle des Glaubens von Yolanda in unseren Ermittlungen einbezogen, insbesondere auch ihren Austritt bei Scientology. Im Ergebnis davon können wir sagen, dass wir einen Zusammenhang damit bis heute nicht ausschließen können."

Leipzig: Vater räumt Scientology-Verbindung ein

Yolandas Vater, Peter Klug, räumte in der ZDF-Sendung ein, Yolanda habe tatsächlich "einen kleinen Kurs" bei Scientology gemacht. Der "Leipziger Volkszeitung" sagte er am Tag nach der Sendung, dass er sich nicht weiter zu seiner eigenen möglichen Mitgliedschaft bei Scientology äußern wolle, Religion und Glauben seien Privatsache.

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Die "Freien Anti Scientology Aktivisten" aus der Schweiz sehen das anders, zumindest wenn es um Scientology geht. Sie schreiben in einem Blogeintrag, dass Yolandas "Mutter, Vater und Stiefvater Scientologen seien (zum Teil in leitenden Positionen unter anderem in Basel, Schweiz)."

Auch Recherchen von t-online zufolge war Yolandas Mutter ein führendes Mitglied bei Scientology in der Schweiz, wie ein Bekannter der Familie sagt. Und ähnlich wie Yolanda ist sie vor einigen Jahren plötzlich von der Bildfläche verschwunden. Ihre Spur verliert sich in Südafrika.

Yolandas Mutter war Pressesprecherin bei Scientology in Basel

Yolandas Mutter, Annette Margarete Löffler, geboren am 24. August 1966, war jahrelang Pressesprecherin der Scientology-Kirche in Basel. Sie trägt den Nachnamen Löffler, seit sie von Yolandas Vater, Peter Klug, getrennt lebt. Einige Jahre zuvor, 2007, noch mit dem Nachnamen Klug, war sie am Aufbau eines Scientology-Ablegers in Freiburg beteiligt.

Als Vorsitzende der Scientology-Gemeinde Freiburg, die laut "Badischer Zeitung" von der Scientology-Kirche Basel unterhalten wurde, empfahl sie Scientology-Kritikern, "genau hinzuschauen. Vieles ist Angstmacherei und nicht an den Fakten orientiert."

In beiden Funktionen, in Freiburg und später auch am deutlich größeren Stützpunkt in Basel trat sie offen als Sprachrohr von Scientology in den Medien auf, Zeitungsberichte dokumentieren dies.

Letzte bekannte Adresse: Zwischen Pretoria und Johannesburg

Nach ihrer Trennung soll sie sich mit ihrem neuen Partner, auch er angeblich Scientologe, entschieden haben, Europa zu verlassen, um im Ausland für Scientology zu arbeiten. Das berichtet ein ehemaliger Freund der Familie.

Es kam offenbar zum Bruch in der Familie: Mutter Annette ging mit ihrem neuen Partner und der jüngeren Schwester Elisa nach Südafrika. Ihre letzte bekannte Adresse liegt in einem Gewerbegebiet bei Midrand zwischen Pretoria und Johannesburg.

Gedenkstelle für die vermisste Yolanda am Südplatz in Leipzig: Sie habe sich eher dem Christentum zugewandt als Scientology.
Gedenkstelle für die vermisste Yolanda am Südplatz in Leipzig: Sie habe sich eher dem Christentum zugewandt als Scientology. (Quelle: ArcheoPix/imago-images-bilder)

Elisa, eine begabte Geigerin, die zusammen mit der vermissten Yolanda einst einen Preis bei "Jugend forscht" gewann, soll demnach Mitglied der "Sea Org" geworden sein. "Sea Org" ist ein militanter Arm der Scientology-Organisation. Mitglieder treten bewaffnet in Uniformen auf, die den Paradeanzügen des US-amerikanischen Marine Corps nachempfunden sind.

Sektenexperten bezeichnen "Sea Org" auch als interne Polizeitruppe von Scientology, sogar von der Existenz eines Straflagers in Kalifornien wird berichtet, wo abtrünnige Mitglieder angeblich bestraft und diszipliniert werden sollen.

Seit 2019 vermisst: Yolanda wandte sich Freikirche zu

Während Mutter und Yolandas zwei Jahre jüngere Schwester Elisa ins Ausland gehen, bleibt der Vater Peter Klug zunächst in Steinen, dem Wohnort der Familie in Baden, auf halber Strecke zwischen Basel und Freiburg. Die gemeinsame Familienwohnung wird verkauft.

Yolanda jedoch geht zum Studieren nach Leipzig. An der Technischen Hochschule der Stadt schreibt sie sich für Architektur ein. Sie macht ein Auslandsemester in Amman, Jordanien. Und sie schließt sich in Leipzig einer poppigen Freikirche an, der frisch gegründeten Zeal Church.

Schaut man sich die aufwendigen Bühnenshows der Zeal Church an, erinnert vieles an den Selbstoptimierungswahn, den man auch Scientology zuschreibt. Allerdings berufen sich die Prediger der Zeal Church auf das Christentum und die Bibel und nicht auf die Lehren des Scientology-Gründers Ron Hubbart.

"Yolanda war schon sehr speziell"

"Yolanda ist die Einzige in der Familie, die nicht bei Scientology mitmachen wollte", sagt Benjamin D., ein ehemaliger Lehrer von Yolanda zu t-online. Sie sei durchaus spirituell gewesen, habe sich aber stets eher dem Christentum zugewandt.

"Yolanda war schon sehr speziell", sagt D.. Er erzählt von einem Zeltlager mit den Schülern, bei dem er als Lehrer dabei war: "Da ist Yolanda auch schon mal verschwunden." Das sei im Jahr 2015 passiert.

Sie sei noch am Abend mithilfe einer Hundestaffel der Polizei gesucht worden. Doch sie konnte nicht gefunden werden. Erst am nächsten Tag tauchte Yolanda wieder auf. "Sie war die ganze Nacht allein im Wald", sagt D.

Ehemaliger Lehrer wendet sich an Scientology-Aussteiger

Er erinnert an die Aussage des Vaters, dass Yolanda manchmal unerklärliche Ohnmachtsanfälle habe. "Vielleicht hing es damit zusammen", überlegt D. Als der Lehrer von Yolandas Verschwinden in Leipzig hörte, war er sofort aktiviert. Und er habe gleich die Verbindung zum Scientology-Engagement der Eltern in Verdacht, sagt er. Er recherchierte daraufhin zum Thema, hörte sich bei Yolandas Freunden und Bekannten um.

Per Twitter bat er die amerikanischen Anti-Scientology-Aktivisten Leah Remini und Mike Rinder um Hilfe. Beide sind sehr prominente Scientology-Aussteiger. Remini wurde bekannt als Schauspielerin in der Serie "King of Queens" und Mike Rinder, ein Moderator, bekleidete früher eine hohe Führungsposition bei Scientology.

"One of my friends, Yolanda Klug, has gone missing", schreibt D. im August 2020. "Her mum, Annette Löffler, is fairly high up in scientology. We don't know if her disappearance is linked to scientology, but she’s the only family member who isn’t a scientologist. Can you help?"

Die beiden hätten sich jedoch nie zurückgemeldet, sagt D. Er recherchierte weiter zu Scientology und was er hörte, vor allem im Podcast von Remini und Rinder, machte ihm Angst. "Tatsächlich ist es wohl so, dass es oft ein Problem für Scientology ist, wenn Angehörige von hohen Mitgliedern nicht dabei sind", meint er.

Vermisste Yolanda: Mysteriöse Signale bei Telegram

D. erzählt auch, dass er Yolanda nach ihrem Verschwinden am 25. September 2019 versuchte, über den Messengerdienst Telegram zu kontaktieren. Er bekam zwar keine Antwort, aber, so sagt er, zwei Wochen nach Yolandas Verschwinden habe sich ihr Aktivitätsstatus bei Telegram geändert auf "Kürzlich gesehen".

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"Das bedeutet, dass sie online gegangen ist – oder zumindest irgendjemand mit ihrem Handy", sagt D. Er habe die Beobachtung der Polizei gemeldet, sagt er. Doch es habe in der Sache keine weiteren Rückmeldungen gegeben. Er schrieb weiter an Yolanda auf Telegram, doch eine Antwort bekam der Lehrer nie.

"Natürlich kann ich nicht beweisen, dass Yolandas Verschwinden etwas mit Scientology zu tun hat", sagt D. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass Yolanda freiwillig ihrer Mutter und Schwester ins Ausland gefolgt sei.

"Sie war immer sehr offen, ist gern getrampt", erzählt D. "Vielleicht", sagt er traurig, "vielleicht war es auch nur ein ganz normales Verbrechen."

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Von Pia Siemer
Ein Kommentar von Andreas Raabe, Leipzig
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