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Wenn tierische Neuzugänge zum Problem für Ökosystem werden

Mainz  

Wenn tierische Neuzugänge zum Problem für Ökosystem werden

03.08.2019, 09:26 Uhr | dpa

Wenn tierische Neuzugänge zum Problem für Ökosystem werden. Kalikokrebs

Ein Kalikokrebs, aufgenommen an einem See. Foto: Karsten Grabow/Archivbild (Quelle: dpa)

Ob als Schmuckobjekt, zum Jagen oder aus Versehen eingeschleppt: Tiere können auf unterschiedlichen Wegen in Gebieten Fuß fassen, in denen sie eigentlich nicht heimisch sind. Zwar sorgt nur ein Bruchteil der sogenannten Neozoen für Probleme - dafür können die Folgen aber massiv sein.

Zu den Arten, die besonders viel Schaden auch in Rheinland-Pfalz hinterlassen, gehört der nordamerikanische Kalikokrebs. "Der Kalikokrebs frisst alles leer", sagt die Biologin Anne Schrimpf von der Universität Koblenz-Landau. Der Kalikokrebs sei vermutlich vor Jahrzehnten als Angelköder bei Baden-Baden in den Rhein gelangt und habe sich dann von dort aus verbreitet. "Der wandert den ganzen Rhein hoch, der wird wahrscheinlich bis in die Niederlande hochwandern." In Rheinland-Pfalz ist die Art vor allem in der Pfalz zu finden - das geht aus Daten des Landesamts für Umwelt mit Sitz in Mainz hervor.

Für die heimische Flora und Fauna ist der Kalikokrebs eine Katastrophe: Zur Speisekarte des Krebses gehörten Fisch- und Froscheier sowie Insekten, erklärt Schrimpf. "Das heißt die Amphibien und Fische können sich eigentlich nicht vermehren, weil die Brut weggefressen wird." Außerdem fresse der Kalikokrebs Pflanzen weg, die für eine gute Wasserqualität notwendig seien. Loswerden könne man die gefräßige Art vermutlich nicht mehr. "Aus dem Rhein kriegt man den nicht mehr raus."

Nicht heimische Tier- und Pflanzenarten, die im heimischen Ökosystem Schaden anrichten, werden als invasive Arten bezeichnet. Seien diese erst mal verbreitet, sei es schwer, sie zu bekämpfen, erklärte eine Sprecherin des Umweltministeriums in Mainz. Einen allgemeinen Maßnahmenkatalog gebe es nicht, denn dafür seien die Arten zu unterschiedlich. "Es muss jeweils nach Einzelfall über zu treffende Maßnahmen entschieden werden." Das könne beispielsweise eine Abschlusserlaubnis bei bestimmten Tieren sein.

Ein Problem-Art ist der Biologin Schrimpf zufolge aus der aus Nordamerika stammende Signalkrebs. Inzwischen sei die Art unter anderem "sehr massiv in Rheinland-Pfalz vertreten" und einer der Überträger der sogenannten Krebspest. Der Signalkrebs selbst sei gegenüber der Krankheit resistent; die in Europa heimischen Krebsarten allerdings nicht.

"Da reicht eigentlich ein Signalkrebs aus - wenn man den in ein Gewässer mit europäischen Flusskrebsen bringt, kommt es meist zum Massensterben", sagt die Biologin. Die Krebspest sei schon im 19. Jahrhundert durch ausgesetzte Signalkrebse nach Europa gelangt und noch immer ein Thema - zumal noch andere Arten die Krankheit ebenfalls übertragen. "Die europäischen Flusskrebse haben eigentlich kaum noch eine Chance." Der Signalkrebs ist in Rheinland-Pfalz unter anderem in der Pfalz und in der Nahe-Region zu finden, wie eine Übersicht des Bundesamts für Naturschutz zeigt.

Nicht nur im Wasser tummeln sich hierzulande längst Tiere, die eigentlich aus anderen Erdteilen stammen. Zu den Neozoen gehören zum Beispiel auch die Mandarinente und der Halsbandsittich. Unter den vielen fremden Vogelarten seien inzwischen acht Arten in Rheinland-Pfalz etabliert, sagt der Biologe Christian Dietzen von der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie (GNOR) in Mainz. "Das sind Arten, die sich inzwischen in freier Wildbahn selbstständig halten." Und alle anderen? "Die verschwinden dann wieder, oder halten sich nur eine relativ kurze Zeit."

Wenn Tiere in nicht heimischen Gebieten Fuß fassen, ist dafür nach Einschätzung von Dietzen in der Regel der Mensch der entscheidende Faktor. Zu Kolonialzeiten beispielsweise seien viele Arten nach Europa eingeschleppt worden wie die Kanadagans. "Um sich an dem schönen Anblick zu erfreuen." Pelztierzüchter hätten Anfang des 20. Jahrhunderts den Waschbären angesiedelt, um sein Fell nutzen zu können. Einige Muschelarten seien indirekt über die Schifffahrt in neue Gewässer gelangt.

Dietzen sieht das Einbringen von nicht heimischen Arten in neuen Gebieten kritisch. "Das ist immer ein Spiel mit dem Feuer, weil man nie weiß, wie es sich entwickeln wird." Bei etwa 90 Prozent der Neozoen seien bislang keine negativen Folgen für das heimische Ökosystem bekannt. Das könne sich jedoch zum Beispiel durch den Klimawandel noch ändern. "Denkbar ist, dass manche Neozoen mit einem veränderten Klima besser zurecht kommen und es dann zu Verdrängungseffekten kommt." Denn einige Arten würden sich beispielsweise bei höheren Temperaturen stärker vermehren als andere.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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