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Experte: Rechtsrock-Musiker weichen oft auf Ausland aus

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Experte: Rechtsrock-Musiker weichen oft auf Ausland aus

27.09.2019, 06:50 Uhr | dpa

Experte: Rechtsrock-Musiker weichen oft auf Ausland aus. Musikwissenschaftler Thorsten Hindrichs

Der Musikwissenschaftler Thorsten Hindrichs. Foto: Robinson Krause (Quelle: dpa)

Deutsche Rechtsrock-Musiker mit strafrechtlich relevanten Aussagen weichen mit ihren Privatkonzerten laut dem Mainzer Musikwissenschaftler Thorsten Hindrichs oft auf das benachbarte Ausland aus. "Ein Auftritt wird zum Beispiel im Großraum Kaiserslautern angekündigt und findet dann im Elsass statt. Von Nordrhein-Westfalen wird auch in die Niederlande ausgewichen und von Sachsen nach Polen und Tschechien", sagte der Experte der Deutschen Presse-Agentur vor einer heutigen Fachtagung zum Thema "Rechte Musik in rechten Lebenswelten" in Koblenz. "Das erschwert die Arbeit von Polizei und Verfassungsschutz."

Die Informationen über Konzerte mit rechtsextremen Aussagen würden über Messengerdienste wie Telegram verbreitet. "Dann wird man zuerst zum Beispiel zu einer Autobahnraststelle gelotst, wo ein paar kräftige Neonazis kontrollieren, ob man den Ort des Konzerts erfährt und hindarf", erklärte Hindrichs, Leiter eines der Workshops bei der Koblenzer Tagung.

Der promovierte Musikwissenschaftler hält Rechtsrock nicht für eine Einstiegsdroge für die Szene: "Ich höre drei Stunden diese Musik und dann werde ich automatisch zum Nazi, so läuft das nicht. Diese Prozesse sind viel langwieriger und haben viel mit Familie, Freunden und Umfeld zu tun." Auch sei der Text bei manchen Bands, etwa in der NS-Black-Metal-Musikszene, kaum verständlich.

"Rechtsrock hat unterschiedliche Funktionen nach außen und innen", erläuterte Hindrichs. "Nach außen ist es eine Machtdemonstration: Wir sind da und gefährlich." Die NPD sei zum Beispiel in den Nullerjahren mit ihren Schulhof-CDs überall in die Schlagzeilen gekommen und habe damit eine übergroße Bedeutung vorgespiegelt. "Nach innen geht es bei Rechtsrock um Selbstvergewisserung, die Bildung von Netzwerken und ums Geldverdienen", ergänzte der 50-jährige Wissenschaftler der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität.

Die Szene sei unübersichtlich mit oft wechselnden Bandbesetzungen, die Qualität der Musik manchmal erstaunlich gut. "Fast alle Musiker rechter Bands sind gleichzeitig auch politische Aktivisten in Parteien und Netzwerken, mit Ansprachen und Reden", sagte Hindrichs.

Natürlich könne Rechtsrock bei der Nachwuchsgewinnung für die Neonazi-Szene "begleitend wichtig" sein. Wirklich gefährlich seien aber seine Funktionen als Netzwerk und Geldquelle: "Ohne diese Qualitäten des Rechtsrock hätte der NSU-Terror nicht so viele Jahre funktionieren können", betonte der Experte. Die im Juli 2018 im Münchner NSU-Prozess verurteilten Mitangeklagten Ralf Wohlleben und André E. zum Beispiel seien "immer wieder bei Rechtsrock-Aktivitäten in allen möglichen Varianten" aufgetaucht.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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