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Kalte Kirchen: Gotteshäuser im Winter schwierig zu heizen

Speyer  

Kalte Kirchen: Gotteshäuser im Winter schwierig zu heizen

10.01.2020, 06:17 Uhr | dpa

Kalte Kirchen: Gotteshäuser im Winter schwierig zu heizen. Heizungsschacht in katholischer Kirche

Das Gitter eines Heizungsschachts ist einer Kirche vor Kirchenbänken zu sehen. Foto: Uwe Anspach/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Wer im Januar in die Kirche geht, dem wird oft nur warm ums Herz - der Rest des Körpers bleibt kühl. Werden Gotteshäuser zu wenig geheizt? Dieser Eindruck verfestigt sich bei vielen Gläubigen in der kalten Jahreszeit - zum Beispiel in Weihnachtsmessen. "Verglichen mit Wohnräumen, ist es in Kirchen immer kalt - was im Sommer durchaus als wohltuend empfunden wird", sagt Friederike Walter vom Domkapitel Speyer. Das liege zum einen an den Dimensionen der Gebäude, zum anderen an den Materialien und grundsätzlich an der Bestimmung von Kirchen.

"Die Architektur ist mehrheitlich darauf ausgerichtet, Gott zu ehren, in dem man ihm ein repräsentatives Haus baut - einen Dom eben", meint Walter. Dabei gehe es um Größe und Schönheit - nicht um Praktikabilität und Gemütlichkeit. "Und der Eindruck von Erhabenheit lässt sich eben am besten mit hohen Gewölben erzeugen."

Ähnlich sieht es Simone Bastreri von der Bischöflichen Pressestelle Trier. "Die meisten Besucherinnen und Besucher wissen, dass in Kirchen nicht die gleiche Temperatur herrscht wie etwa im Wohnhaus", sagt sie. Eine warme Jacke oder ein Mantel seien empfehlenswert.

Auch die Ausgaben für Energie spielen eine große Rolle. "Die Kosten für Heizung und Lüftung bilden den größten Anteil der Betriebskosten und sind damit ein wesentlicher Ausgabenfaktor der Pfarreien", sagt Tobias Blum vom Bistum Mainz. So ist es auch in Speyer. "Kosten spielen natürlich eine Rolle", betont Walter. Damit seien neben dem finanziellen Aufwand die Umweltkosten gemeint.

"Der Verzicht auf ein Aufheizen des Doms hat auch etwas mit Nachhaltigkeit und Umwelt- beziehungsweise Klimaschutz zu tun. Den Dom um ein Grad zu erwärmen, dauert einen Tag und kostet nahezu 1000 Euro", schildert sie. Damit sei das Unesco-geschützte Gotteshaus sicher ein Extrem. "Aber die sehr hohen Deckengewölbe sind vielen Kirchen gemeinsam. Und dass warme Luft nach oben steigt, weiß jeder, der schon mal einen Altbau bewohnt hat", sagt Walter in Speyer.

Die Sakralgebäude spüren auch den Klimawandel - etwa in Mainz. "In den vergangenen Jahren werden zunehmend Feuchteschäden wahrgenommen. Dies ist sicher auf eine höhere Sensibilität, geänderte Heiz- und Lüftungssituationen, womöglich aber auch auf geändertes Wetter zurückzuführen", meint Blum von der Bischöflichen Pressestelle.

"Der Klimawandel wirkt sich auch auf die Kirchengebäude aus", bestätigt Simone Bastreri aus Trier. Einerseits könnten sich die Zunahme von Extremwetterereignissen auswirken - etwa, wenn durch Sturm oder Starkregen Dächer beschädigt werden oder Wasser durch undichte Fenster und Türschwellen eindringt. "In feuchteren Kirchen können sich auch vermehrt Schimmelsporen vermehren. Es ist in den vergangenen Jahren zunehmend festzustellen, dass gerade die Orgeln mit einer verstärkten Schimmelbildung zu kämpfen haben." Dies gelte mehr oder weniger für die Hälfte der Orgeln im Bistum.

"Die Wahrnehmung der Klimaerwärmung und ihrer Auswirkungen auf den Kirchenraum steht im Bewusstsein und Erforschung eher am Anfang", meint Friederike Walter. Speyer werde seine Beobachtungen beim Dom intensivieren und auch internationale Fachleute zurate ziehen.

Könnten nicht Heizstrahler für stellenweise mehr Wärme sorgen? Doch, sagt Tobias Blum vom Bistum Mainz. Bevor eine ganze Kirche geheizt werde, könne eine punktuelle Wärmequelle für die Nutzer sowie fürdie Wirtschaftlichkeit eine sehr sinnvolle Lösung sein.

Ähnlich sieht es Walter vom Domkapitel Speyer. "Einen kleinen Heizkörper im Dom haben wir an der Kasse am Eingang zur Krypta, wo eine Person sich über einige Stunde sitzend aufhält. Das wäre ohne Heizung im Winter unmöglich." Auch für den Organisten gebe es eine Wärmequelle. "Für den Beichtstuhl wurde bereits nach Möglichkeiten gesucht", sagt sie. Eine Lösung sei aber noch nicht gefunden worden. Erst müsse der Brandschutz gewahrt werden - auch im Beichtstuhl.

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