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"Ausnahmesituation": Kliniken sollen enger zusammenarbeiten

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"Ausnahmesituation": Kliniken sollen enger zusammenarbeiten

26.03.2020, 15:11 Uhr | dpa

"Ausnahmesituation": Kliniken sollen enger zusammenarbeiten. Sabine Bätzing-Lichtenthäler

Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) sitzt im Landtag. Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Mit neuen Netzwerken und einem Frühwarnsystem soll die Versorgung der weiter steigenden Zahl an Corona-Patienten in Rheinland-Pfalz flächendeckend sichergestellt werden. Das kündigte Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) am Donnerstag in Mainz an. Fünf große Kliniken - Maximalversorger genannt - sollen die Betreuung von an der Lungenkrankheit Covid-19 leidenden Patienten, aber auch Patienten mit anderen Krankheiten in ihrer jeweiligen Region koordinieren. "Wir befinden und in einer Ausnahmesituation", betonte die Ministerin.

Als Koordinatoren wurden das Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein im Norden, die Unimedizin Mainz, das Klinikum Ludwigshafen, das Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern und das Trierer Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen auserkoren. In Absprache mit anderen Kliniken in den Regionen sollen sie Kapazitäten planen, Krankheitsverläufe verfolgen sowie Medikamente oder Material austauschen. Im Rahmen eines Frühwarnsystems soll ein Alarm ausgelöst werden, wenn in einer Region 80 Prozent aller Intensivbetten belegt sind. So könne rechtzeitig geschaut werden, wo vor Ort weitere Kapazitäten geschaffen oder in welche andere Region Patienten gebracht werden könnten, erklärte die Ministerin.

Bätzing-Lichtenthäler sagte, es sei in der aktuellen Krise am besten, auf bestehende Strukturen zurückzugreifen. Es werde derzeit keine Notwendigkeit für Not- oder Behelfskrankenhäuser gesehen. Patienten sollten auch nicht in Turnhallen oder Feldbetten behandelt werden.

FALLZAHLEN: Es sind erneut deutlich mehr bestätigte Corona-Fälle in Rheinland-Pfalz geworden. Die Gesundheitsämter meldeten am Donnerstag zum Stand 10.00 Uhr 1873 Infektionen, damit kamen binnen 24 Stunden 236 neue Fälle hinzu, nach einem Zuwachs um 157 Fälle am Vortag. Bislang starben acht Menschen im Land an der durch das Virus verursachten Krankheit Covid-19. Laut der Ministerin werden 153 Patienten stationär behandelt, davon wurden am Mittwochabend 46 intensivmedizinisch betreut. Bei 28 Menschen entwickelte sich die Lungenkrankheit so schwer, dass sie künstlich beatmet wurden. Aus der besonders stark betroffenen französischen Region Grand Est werden aktuell fünf Patienten in Kliniken in Rheinland-Pfalz behandelt.

GEFÄNGNISSE: Auch in rheinland-pfälzischen Gefängnissen soll Platz geschaffen werden - für den Fall, dass Häftlinge an Covid-19 erkranken und Quarantänezonen nötig werden. Dafür wird laut Justizministerium bei Ersatzfreiheitsstrafen ein Aufschub gewährt - also Freiheitsstrafen, die abgesessen werden, weil die Betroffenen verhängte Geldstrafen nicht zahlen können. Auch Unterbrechungen von Ersatzfreiheitsstrafen sind möglich und seit kurzem auch Unterbrechungen von normalen Freiheitsstrafen - in aller Regel aber nicht nach schweren Delikten wie Raub, Totschlag, Mord oder Körperverletzung, Sexualstraftaten oder Brandstiftung.

GASTGEWERBE: Am Freitag wird im Landtag in Mainz voraussichtlich der milliardenschwere Nachtragshaushalt verabschiedet. Vorab kommt Kritik vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga im Land. Die angekündigten Maßnahmen reichten nicht aus. Präsident Gereon Haumann forderte die Schließung auch aller Hotels - unter anderem, um Platz zu schaffen für die Unterbringung von Hilfs- und Einsatzkräften sowie für Erkrankte mit Quarantäne-Auflagen. Haumann plädierte auch für finanzielle Zuschüsse statt der bislang vorgesehenen Darlehen.

FLÜCHTLINGE: Wegen der weiteren Ausbreitung der Corona-Pandemie fordern Flüchtlingshelfer die Auflösung von Sammelunterkünften für Asylbewerber. "Aufgrund der engen Belegung und der meist gemeinschaftlichen Nutzung von Bädern, Küchen und anderen Flächen sind die in den Sammelunterkünften untergebrachten Menschen besonders gefährdet, sich mit dem Coronavirus zu infizieren", heißt es in einem Appell der Landesflüchtlingsräte und weiterer Organisationen.

BANKEN: Banken berichten von einer steigenden Zahl von Abhebungen hoher Geldbeträge. Daraufhin betonte Innenminister Roger Lewentz (SPD): "Mir liegen keinerlei Informationen vor, dass das Bargeld knapp werden könnte." Hohe Abhebungen könnten ganz unterschiedliche Gründe haben, es sei aber denkbar, dass Betrüger inmitten der Corona-Pandemie am Werk seien und sich etwa als Polizisten oder Mitarbeiter eines Gesundheitsamtes ausgäben und Geld verlangten.

KLASSENFAHRTEN: Der Schulbetrieb ruht schon länger, nun wird es bis zum Ende dieses Schuljahres wegen der Corona-Pandemie keine Klassenfahrten mehr geben. Das Land übernimmt dem Bildungsministerium zufolge die Kosten für die Stornierung bereits gebuchter Reisen. Auf die Buchung und Planung von Klassen-, Kurs- und Studienfahrten für dieses Schuljahr sei bis auf weiteres zu verzichten.

STREIT UM SÜSSES: Der "Corona-Osterhase" eines Herstellers von Schokoartikeln sorgt für heftige Reaktionen im Internet. Während die einen die mit Mundschutz und Toilettenpapier ausgestattete Figur als gelungenen Scherz in der Krise feierten, kritisierten andere die Idee als geschmacklos. Das Unternehmen Wawi aus Pirmasens zeigte sich erschrocken über die Polarisierung. "Das war als humorvolle Aktion gedacht - um den Menschen, in dieser Zeit, ein kleines Lächeln ins Gesicht zu zaubern", sagte ein Firmensprecher. "Zu keiner Zeit war gedacht, das Ausmaß der Corona-Krise zu verharmlosen."

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