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Opfer häuslicher Gewalt im ersten Halbjahr unverändert

Mainz  

Opfer häuslicher Gewalt im ersten Halbjahr unverändert

12.07.2020, 08:42 Uhr | dpa

Opfer häuslicher Gewalt im ersten Halbjahr unverändert. Häusliche Gewalt

Die Arme eines Mannes (r) halten mit Gewalt die Arme einer Frau fest (gestellte Szene). Foto: Maurizio Gambarini/dpa/Illustration (Quelle: dpa)

4843 Opfer häuslicher Gewalt hat die Polizeiliche Kriminalstatistik für das erste Halbjahr 2020 in Rheinland-Pfalz erfasst. Das waren 16 Erwachsene und Kinder mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres und 41 weniger als in den ersten sechs Monaten 2018, wie Innenministeriumssprecherin Sonja Bräuer der Deutschen Presse-Agentur in Mainz sagte.

Eine Zunahme der Gewalt während des Lockdowns in der Corona-Zeit hat es danach nicht gegeben. Experten hielten aber eine zeitversetzte Zunahme für möglich, sagte ein Sprecher des Familienministeriums.

Von den 4843 Opfern häuslicher Gewalt im ersten Halbjahr waren die meisten (3640) Frauen und Mädchen. Fast drei Viertel waren Opfer von Körperverletzung. In 12 Prozent der Fälle ging es um Bedrohung und bei 172 Opfern (3,6 Prozent) um die sexuelle Selbstbestimmung.

In den allermeisten Fällen (4121) war die Partnerin oder der Partner das Opfer der Gewalt. 689 Mal richtete der Tatverdächtige die Gewalt gegen sein Kind, die meisten von ihnen (305) waren jünger als 14 Jahre - 33 Mal war ein Enkelkind das Opfer.

Frauen- und Familienministerin Anne Spiegel (Grüne) betonte: "Niemand muss Gewalt ertragen." Es gebt immer Auswege und Unterstützung. "Ich setze mich dafür ein, dass jede Frau, die mit ihren Kindern oder allein Hilfe sucht, diese bekommt."

"Die Frauenunterstützungseinrichtungen verzeichnen seit zwei bis drei Wochen einen deutlichen Anstieg der Beratungs- und Unterstützungsanfragen im Vergleich zu der Zeit von März bis Mai", sagte der Sprecher des Familienministeriums, Dietmar Brück. Der Beratungsbedarf liege damit vielerorts wieder in etwa auf Vorjahresniveau. Vereinzelt meldeten Einrichtungen auch einen deutlichen Anstieg. Die Situation müsse genau beobachtet werden.

Die Anfragen bei den Frauennotrufen seien gestiegen, sagt Sylvia Fink, Geschäftsführerin der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Rheinland-Pfalz. Der Beratungsbedarf sei genauso wie bei den Kinderschutzdiensten höher. Das habe aber auch daran gelegen, dass einige Jugendämter schlechter erreichbar gewesen seien.

Die Familien, die sich sowieso gerne entziehen, waren plötzlich weg", berichtete Melanie Müller von Klingspor, Sprecherin des Caritasverbandes Speyer über den Shutdown. Weder Lehrer noch Erzieher hätten die Kinder zu Gesicht bekommen. Man gehe davon aus, dass nach dem Wiederhochfahren aller Angebote die Zahlen der Kinder, die Gewalt ausgesetzt waren, sprunghaft ansteigen werden. "Bisher hat sich das noch nicht bewahrheitet, wahrscheinlich dauert es noch etwas."

Möglicherweise ist der erwartete deutliche Anstieg häuslicher Gewalt - wie in anderen Ländern - aber wirklich ausgeblieben. Strikte Ausgangssperren wie etwa in China oder Spanien habe es ja nicht gegeben, sagte Brück. Bundes- und Landesregierung hätten zudem mit Hilfspaketen für eine gewisse finanzielle Absicherung und damit Milderung von Existenzängsten gesorgt. "Wir beobachten die Entwicklung genau, um gegebenenfalls reagieren zu können."

Die Auslastung der Frauenhäuser sei ebenfalls wieder auf dem Niveau wie vor der Corona-Pandemie, sagte Brück. "Damit können momentan nicht alle Frauen, die um Aufnahme bitten, aufgenommen werden. Momentan behalten sich einige Frauenhäuser noch vor, ein Zimmer für Quarantänefälle frei zu halten." In Andernach soll noch in diesem Jahr ein Frauenhaus für elf Frauen plus Kindern eröffnet werden.

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