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Jüdischer Friedhof in Mainz erhält Besucherpavillon

Mainz  

Jüdischer Friedhof in Mainz erhält Besucherpavillon

19.09.2020, 08:41 Uhr | dpa

Jüdischer Friedhof in Mainz erhält Besucherpavillon. "Judensand"

Alte Grabsteine stehen auf dem Jüdischen Friedhof "Judensand". Foto: picture alliance / dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Rund 1000 Jahre nach den frühesten Beisetzungen auf dem "Judensand" in Mainz wird der mittelalterliche jüdische Friedhof erstmals für Besucher gestaltet. Als Teil des Konzepts für die Aufnahme der "Schum-Stätten" ins Unesco-Welterbe hat die Stadt Mainz jetzt einen Planungswettbewerb abgeschlossen. Der Name für die historischen Synagogen und Friedhöfe in Speyer, Worms und Mainz leitet sich von den hebräischen Anfangsbuchstaben der drei Städte ab.

Ziel des Wettbewerbs war die Konzeption eines Besucher-Pavillons sowie die landschaftsplanerische Aufwertung des gesamten Friedhofsbereichs. Der Besucher-Pavillon soll nach einem Vorschlag der Jüdischen Gemeinde Mainz in der an den Friedhof angrenzenden Paul-Denis-Straße im Mainzer Stadtteil Hartenberg-Münchfeld eingerichtet werden.

Der mit dem ersten Preis ausgezeichnete Entwurf "Sprechende Hülle" stammt von den Frankfurter Landschaftsarchitekten des Büros Sinai und den Berliner Architekten Holzer und Kobler. Das mit einer Holzbaukonstruktion geplante Besucherzentrum soll auch als Ort für Ausstellungen und Seminare dienen.

Der Entwurf sieht ein "erzählerisches Zugangsportal" zum Ort und seiner Geschichte vor. Vorgesehen ist eine Einfriedung mit einer doppelreihigen Eibenhecke mit schmalen Sichtfenstern. "Die freie Taktung der Fenster ermöglicht ein situatives Reagieren auf Blicke und Details auf dem Friedhof selbst", erklären die Architekten. Man könne auch über die 1,50 Meter hohe Hecke schauen, wenn man auf den Sockel davor steige. Die Gestaltung der Einfriedung lade damit aktiv zur Erkundung ein. Die Jüdische Gemeinde erklärte in einer Stellungnahme zu dem Entwurf: Durch die Hecke "bekommt der Ort der "Toten" eine Auffrischung durch das "Lebendige"".

Der "Judensand" am Rande der mittelalterlichen Stadt wurde vermutlich Anfang des 11. Jahrhunderts an einem Hang angelegt. Der älteste erhaltene Grabstein stammt aus dem Jahr 1049. Nach Ausweisung der Mainzer Juden im Jahr 1438 wurden die mittelalterlichen Grabmäler als Baumaterial missbraucht. Mehr als 240 dieser Steine wurden seit dem 19. Jahrhundert bei Bauarbeiten wiederentdeckt und 1926 von der jüdischen Gemeinde auf dem ursprünglichen Areal zu einem Denkmalfriedhof vereint. Dazu gehört auch ein Gedenkstein für den jüdischen Gelehrten Gerschom ben Jehuda, der in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts in Mainz starb. Der Friedhof vereint nun insgesamt fast 1800 historische Grabsteine, darunter mehr als 180 Grabsteine aus der Zeit der Blüte der Schum-Gemeinden vom 11. bis zum 13. Jahrhundert.

An dem Wettbewerb nahmen acht Büros teil. Nach einer Ausstellung der Entwürfe im Zentrum Baukultur im Brückenturm am Rathaus überreichte Oberbürgermeister Michael Ebling am Freitag drei Preise. Da es sich um einen Planungswettbewerb handelt, bedeutet die Preisverleihung noch keinen endgültigen Zuschlag. Die Stadt Mainz will aber ein Ergebnis aus dem Wettbewerb umzusetzen.

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