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Expertin: Verlangen von Pflegebedürftigen nach Nähe achten

Mainz  

Expertin: Verlangen von Pflegebedürftigen nach Nähe achten

30.10.2020, 12:54 Uhr | dpa

Strikte Corona-Infektionsschutzmaßnahmen können sich nach Ansicht der Medizinsoziologin Kira Hower negativ auf das psychische Befinden von Pflegebedürftigen auswirken. Das treffe vor allem auf Demenzkranke zu, sagte sie am Freitag bei einer Sitzung der Enquetekommission des rheinland-pfälzischen Landtags zur Corona-Pandemie. Beim Infektionsschutz müsse auch das Verlangen der Pflegebedürftigen nach Nähe, sozialen Kontakten und einer selbstbestimmten Lebensführung berücksichtigt werden.

Um Kommunikationsbarrieren zu verringern, schlug die Kölner Wissenschaftlerin im Umgang mit Demenzkranken und Menschen mit Hörproblemen ein Abrücken von "starren Regeln" beim Tragen des Mund- und Nasenschutzes vor, damit die Gesprächspartner auch die Lippen ihres Gegenübers sehen könnten. Allerdings müsse der 1,5-Meter-Abstand gewahrt bleiben. Zudem sollten nur Menschen mit Erkältungssymptomen sowie Kontaktpersonen von Corona-Infizierten den Pflegebedürftigen beziehungsweise den Pflegeeinrichtungen fernbleiben müssen. Hower bezog sich auf eine Studie der Universität Köln von März und April 2020, an der sie beteiligt war.

Bei der Online-Sitzung der Enquetekommission hob der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die besondere Bedeutung von Frauen bei der Bewältigung der Corona-Krise hervor. Bei zahlreichen systemrelevanten Berufen gebe es einen Frauenanteil von 70 Prozent, sagte Marc Ferder vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). "Es sind die Frauen, die in der Corona-Pandemie die Gesellschaft am Laufen halten", betonte er. Die Frauen in den Gesundheitsberufen, im Lebensmittel- und Drogerie-Einzelhandel, in Erziehungs- und Sozialberufen, in der Verwaltung und in der Reinigungsbranche stünden oft in vorderster Linie und seien stark belastet.

Die Wertschätzung für diese Arbeit sollte sich regelmäßig zum Monatsende auf dem Gehaltszettel niederschlagen, forderte der Gewerkschafter. "Applaus von Balkonen und warme Dankesworte genügen nicht."

Andreas Zels, der Vorsitzende der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Rheinland-Pfalz, erklärte, die Corona-Krise habe viele Probleme im sozialen und im medizinischen Bereich offengelegt, die teils schon seit Jahren bestünden. "Die Systeme sind extrem angespannt", warnte Zels. "Die Corona-Krise nimmt gerade etwas den Schleier weg und zeigt, was los ist."

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