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Austausch über Gedenken und Versöhnung mit Israel und Ruanda

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Austausch über Gedenken und Versöhnung mit Israel und Ruanda

25.11.2020, 03:01 Uhr | dpa

Austausch über Gedenken und Versöhnung mit Israel und Ruanda. Landtagspräsident Hendrik Hering

Hendrik Hering (SPD), Präsident des Landtages in Rheinland-Pfalz, sitzt im Plenarsaal. Foto: Andreas Arnold/dpa (Quelle: dpa)

Erinnern ist immer subjektiv, aber kollektive Erinnerung ist wichtig für Demokratie und Frieden - beide Seiten hat am Mittwoch eine Online-Konferenz des Landtags Rheinland-Pfalz über das Völkermord-Gedenken in Deutschland, Israel und Rheinland-Pfalz betrachtet. Auf die Frage nach der für immer bleibenden Bedeutung von Erinnerungskultur gab Noa Mkayton von der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem die Antwort mit Blick auf die NS-Verbrechen: "Neben dem Genozid planten sie auch den Memozid, den Gedächtnismord."

In einer Zeit von zunehmendem Antisemitismus, Rechtsextremismus, Menschenfeindlichkeit und Rassismus sei es besonders aktuell, aktiv daran zu erinnern, wozu Hass in der Vergangenheit geführt habe, sagte Innenminister Roger Lewentz (SPD). Es sei entsetzlich, wenn bei den jüngsten Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen Teilnehmer mit einem Davidstern erschienen seien. Dazu stellte Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD) zu Beginn der Tagung die Frage: "Haben wir genug gemacht, haben wir genügend Menschen angesprochen oder hat zu viel in exklusiven Veranstaltungen stattgefunden?"

Dem Eindruck, dass das Holocaust-Gedenken zu einer Pflichtübung elitärer Kreise geworden sei, widersprach Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD): Schülerinnen und Schüler seien nach einem Gespräch mit Zeitzeugen des Massenmords an den Juden zutiefst berührt. Hubig sprach sich dafür aus, neue Formate des Gedenkens zu entwickeln. Erinnerungsarbeit müsse über Buchwissen hinausgehen und in lebensnahen Projekten gestaltet werden. In den Schulen gebe es dafür bereits viele Ansätze und Formate wie Gespräche mit Zeitzeugen und die Beschäftigung mit Stolpersteinen zur Erinnerung an Opfer vor Ort.

Jede Generation enwickle ihre eigene kollektive Erinnerung, und diese könne auch politisch instrumentalisiert werden, gab der der israelische Historiker Moshe Zimmermann zu bedenken. So hätten Palästinenser und Araber in Israel ein Problem mit der Geschichte der Shoa, des Massenmords an den Juden, und sie stellten aufgrund eigener Erfahrungen im Staat Israel die Frage: "Wieso sind wir die Opfer der Opfer der Shoa?" Die an der Internationalen Schule für Holocaust-Studien von Yad Vashem tätige Wissenschaftlerin Noa Mkayton sagte dazu, Instrumentalisierung von Gedenken sei immer möglich. "Aber es gibt auch eine breite Gesellschaft, die sich dagegen verwahrt."

In einem bewegenden Vortrag zum Völkermord von 1994 in Ruanda zeigte die in Düsseldorf lebende ruandische Soziologin Esther Mujawayo-Keiner Fotos von Opfern in ihrer eigenen Familie. "Das sind keine Zahlen, es sind Menschen." Auch seien die Täter keine Verrückten, keine Barbaren gewesen. Das Erinnern habe die Aufgabe, frühzeitig darauf zu achten, dass sich solche Gewalt nie wiederholen dürfe.

Lewentz würdigte es als beispielhaft, dass in Ruanda gleich nach dem Völkermord an Angehörigen der ethnischen Gruppe der Tutsi in jedem Dorf damit begonnen worden sei zu fragen: Was ist passiert, wer sind die Verantwortlichen, wie finden wir einen Weg zur Aussöhnung? Hingegen habe es in Deutschland nach 1945 Jahrzehnte gedauert, bis in der breiten Öffentlichkeit über den Holocaust gesprochen worden sei.

Übereinstimmend machten der Realschullehrer Christof Pies und ruandische Tagungsteilnehmer deutlich, dass die Täter "ganz normale Menschen" gewesen seien, "treu sorgende Familienväter, denen man diese monströsen Verbrechen nie zugetraut hätte". Es sei ein langwieriger Prozess, sagte die französisch-ruandische Autorin Assumpta Mugiraneza, "all das aufzuarbeiten, was zum Tode geführt hat". Am Schluss bleibe die Einsicht: "Nichts kann mehr so sein wie früher."

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