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Mehr Apotheken schließen: E-Rezept als neue Herausforderung

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Mehr Apotheken schließen: E-Rezept als neue Herausforderung

26.01.2021, 05:41 Uhr | dpa

Mehr Apotheken schließen: E-Rezept als neue Herausforderung. Apotheke

Das Logo einer Apotheke. Foto: picture alliance / Uli Deck/dpa/Symbolbild (Quelle: dpa)

In Rheinland-Pfalz machen immer mehr Apotheken dicht. Und das schon seit Jahren. Von Ende 2010 bis Ende 2020 sei rund jede sechste Apotheke im Land vom Markt verschwunden, teilt der Apothekerverband Rheinland-Pfalz der Deutschen Presse-Agentur mit. 930 Apotheken standen zum Jahreswechsel noch in der Statistik - 34 weniger als ein Jahr zuvor. "Es ist ein kontinuierlicher Rückgang im 15. Jahr in Folge", sagt der Sprecher des Landesverbandes, Frank Eickmann. Klar sei: "Jede Apotheke, die schließt, ist ein Verlust an Versorgungsqualität für die dort lebenden Menschen."

Gründe für die Aufgaben gibt es viele. Unter anderem hat Apothekern die Konkurrenz durch den Online-Versandhandel mit Arzneimitteln das Leben schwer gemacht, der seit 2004 in Deutschland erlaubt ist. Jetzt steht eine neue digitale Herausforderung an: Die zum Januar 2022 geplante Einführung von elektronischen Rezepten (E-Rezepten). "Es besteht die Gefahr, dass der Online-Handel im Arzneimittelbereich zunehmend erstarkt und zu einer noch stärkeren Bedrohung für die persönlich beratende Vor-Ort-Apotheke wird", sagt Eickmann.

Warum? Weil der Patient sein Rezept dann nicht mehr auf einem Papierzettel vom Arzt bekommt, sondern in der Regel als QR-Code aufs Handy. Damit kann er in der Apotheke vor Ort das Medikament abholen, aber er kann den Code auch digital verschicken - und zwar auch an Versandapotheken. Und das geht dann schneller als bisher, weil der Postweg zum Verschicken des Rezeptes entfällt. Viele Apotheker sorgten sich, dass gerade Patienten mit chronischen Erkrankungen, die ihre Medikamente planen könnten und sie nicht akut von jetzt auf gleich bräuchten, somit "von der Fahne gehen" könnten.

Eine typische Apotheke in Deutschland mache mehr als 80 Prozent ihres Umsatzes mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, sagt der Sprecher. "Ich brauche also Ärzte, die diese Rezepte ausstellen, und ich brauche Patienten, die diese Rezepte in meine Apotheke bringen." Mit dem E-Rezept sei nicht auszuschließen, dass es zu einem größeren Rückgang von Apotheken komme. "Vor allem für die kleinen Apotheken wird es eine Herausforderung." Denn die größeren könnten sich leichter neu aufstellen - mit Angeboten wie Videosprechstunden, digitaler Bearbeitung und Bringservices.

Es müsse auch an die Menschen gedacht werden, die kein E-Rezept nutzen wollten oder könnten, sagt der Geschäftsführer der Apothekenkammer Rheinland-Pfalz, Tilman Scheinert. "Nicht jeder hat ein schickes Smartphone oder ein Tablet." Durch die Pandemie habe der Versandhandel von Arzneimitteln zugenommen. "Der zunehmende Versandhandel macht es den Vor-Ort-Apotheken nicht leichter und bildet damit auch einen Aspekt bei der Schließung von Apotheken."

Eickmann sagt: "Es sind absolut Wolken am Horizont. Dies sehen wir und die sind auch gewittrig. Und sie werden uns noch viel Arbeit machen." Die Apotheken hätten aber in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass sie flexibel seien.

Jüngst gerade erst in der Corona-Pandemie. Als im Frühjahr 2020 Desinfektionsmittel knapp waren, stellten viele Apotheken die Mittel in ihren Laboren her. Botendienste wurden hochgefahren, um Menschen in häuslicher Quarantäne zu versorgen. Allein im Dezember wurden bundesweit rund 80 Millionen FFP2-Masken über die Apotheken an Corona-Risikopersonen verteilt. Apotheker unterstützen in den Impfzentren und bieten teils auch Antigen-Schnelltests an.

Bei den Schließungen der Apotheken in den vergangenen Jahren gebe es keine regionalen Schwerpunkte, hieß es vom Landesverband. Es verteile sich über ganz Rheinland-Pfalz und betreffe sowohl den städtischen Bereich - da vor allem Stadtrandlagen - als auch ländliche Regionen. Oft spiele eine Rolle, dass Arztpraxen aufgegeben würden - von denen Apotheken ja abhängig seien.

"Jede Schließung einer Apotheke bereitet uns Sorge, zumal auch immer weniger neue Apotheken eröffnet werden", teilt die Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz mit. Vor allem im ländlichen Bereich bedeute eine Schließung, dass Patienten mitunter weitere Wege zur nächsten Apotheke zurücklegen müssten. Landesweit zählt die Branche knapp 7500 Beschäftigte (Stand 2020).

Hinzu komme ein Mangel an Fachpersonal und eine hohe Arbeitsbelastung: Denn ein Apotheke darf nur betrieben werden, wenn auch ein Apotheker anwesend ist. Nacht- und Notdienste, die immer mehr werden, könnten auch nur von approbiertem Personal geleistet werden. Und schließlich würden der Aufwand bei Abrechnungen und fachliche Anforderungen immer größer.

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