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Landesmuseum Mainz: Von unsichtbarer Hand – Arbeiten in Restaurierungswerkstätten

Landesmuseum Mainz  

Von unsichtbarer Hand – Arbeiten in Restaurierungswerkstätten

Von Sophia Allenstein

02.03.2021, 11:44 Uhr
Landesmuseum Mainz: Von unsichtbarer Hand – Arbeiten in Restaurierungswerkstätten. Landesmuseum Mainz: Im Verborgenen arbeiten Kunstrestauratoren. (Quelle: imago images/brennweiteffm)

Landesmuseum Mainz: Im Verborgenen arbeiten Kunstrestauratoren. (Quelle: brennweiteffm/imago images)

Kunstrestauratoren arbeiten im Verborgenen. Und doch: Ohne ihre Retusche, Konservierung und Rekonstruktion wären moderne Museumsausstellungen undenkbar. Ein Besuch hinter den Kulissen.

In einem von außen unscheinbaren Haus ohne Beschilderung lagern sie. Tausende Gemälde, Keramiken, Skulpturen. Hier schlummern die Exponate, die das Landesmuseum Mainz nicht in Dauer- und Sonderausstellungen zeigt. Und hier passiert, unter den geschickten Händen von vier Restauratoren, ein klein wenig Magie. Vom Staub der Jahrzehnte verdunkelte Malereien leuchten wieder in ursprünglichen Farben auf, Löcher verschwinden aus Leinwänden und Rost von metallischen Artefakten.

Während das Landesmuseum selbst noch geschlossen hat, geht die Arbeit in den Restaurierungswerkstätten für Gemälde und Skulpturen, Metall und Holz sowie Graphiken und Keramiken weiter. Derzeit zu Gast auf dem metallenen Werktisch der Gemäldewerkstatt: ein etwa zwei Meter breites Ölgemälde des österreichischen Malers Franz Roubal, gefertigt 1931.

Restauratorin Eva Brachert: Sie reinigt ein Ölgemälde von einer Staubschicht. (Quelle: Allenstein)Restauratorin Eva Brachert: Sie reinigt ein Ölgemälde von einer Staubschicht. (Quelle: Allenstein)

Auf der Leinwand rekonstruiert ein großzügiger Pinselduktus (Anm. d. Red.: Strichführung in der Malerei) eine steinzeitliche Steppenszene in gedeckten Tönen: Wildpferde auf Rast an einer Wasserstelle, ein lauernder Löwe im Gebüsch, in der Ferne eine vorbeiziehende Horde Mammuts vor den sanft ansteigenden Kurven eines Berges. Ort des Geschehens: die Wildnis nahe des rheinhessischen Wallertheim. Dort stießen Forscher in den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts auf Säugetierknochen. Ein Anstoß für das Naturhistorische Museum in Mainz, um die Forschungsergebnisse von Roubal als Auftragsarbeit umsetzen zu lassen.

Über die Herkunft und Geschichte eines Objektes im Bilde zu sein, ist für Restauratoren wie die Gemäldespezialistin Eva Brachert unerlässlich, um für Konservierung, Restaurierung und Präsentation die richtigen Entscheidungen zu treffen. "Jedes Bild hat eine ganz bestimmte Lebenswelt, das muss man im Hinterkopf behalten", sagt Brachert, die zugleich stellvertretende Leiterin des Landesmuseums ist.

Das Ölgemälde "Steppenbild mit Sumpf und Tierwelt" von Franz Roubal vor und nach der Behandlung mit dem seifigen Lösungsmittel. (Quelle: Allenstein)Das Ölgemälde "Steppenbild mit Sumpf und Tierwelt" von Franz Roubal vor und nach der Behandlung mit dem seifigen Lösungsmittel. (Quelle: Allenstein)

Vergleichbar mit einem atmenden Wesen stellen die Kunstwerke spezifische Ansprüche an ihre Umwelt, an Lichtverhältnisse, Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Und selbst Objekte, die Materialart und Epoche miteinander teilen, können unterschiedlich auf Behandlungsmethoden und chemische Substanzen reagieren. So gilt es, sich vorsichtig heranzutasten, Säuberungen etwa mit einem möglichst schwachen Lösungsmittel vorzunehmen und die Verträglichkeit von Substanzen auf kleinen Stellen anzutesten.

Schäden entgegenwirken

Mit Seifentiegelchen, Wattebausch und pinken Handschuhen ausgestattet, reinigt die Restauratorin auch den Roubal von Staubablagerungen und trägt den schmutzigen Grauschleier in kreisförmigen Bewegungen ab. Verschmutzungen dieser Art gehören zum normalen Alterungsprozess der Gemälde, sagt Brachert, ebenso wie die für Öl typischen "Entspannungsrisse", sogenannte Craquelées. Sie entstehen, wenn sich die Leinwand aufgrund von Temperaturschwankungen ausdehnt und wieder zusammenzieht, und die im Laufe der Jahre verhärtete Ölfarbe diesen Bewegungen nicht ohne Weiteres folgen kann. "Die Malschicht springt leicht auf, erst einmal im Mikrobereich. Das ist aber noch kein Schaden", erklärt Brachert. "Es kann aber ein Schaden werden, wenn mehrere dieser Risse aufeinandertreffen."

Lager- und Ausstellungsbedingungen überwachen, Zustandsberichte schreiben und Leihgaben für ihre Reise in andere Museen vorbereiten: Der Job der Restauratoren ist vielseitig. Vor den Augen der Besucher verborgen, verrichten sie ihre Arbeit im Hintergrund. Immer montags, wenn das Landesmuseum auch in nicht-pandemischen Zeiten geschlossen bleibt, wandern die Restauratoren durch die Gänge, überprüfen die Exponate akribisch auf neue Schäden. Langweilig wird ihnen auch während des Lockdowns nicht. So bietet die Zeit ohne Besucher Gelegenheit, Lichtverhältnisse anzupassen, Texttafeln zu überarbeiten oder schlicht Datenbanken zu pflegen. 

Verwendete Quellen:
  • Besuch vor Ort
  • Gespräch mit Eva Brachert

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