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Geschichtslehrerverband sorgt sich um Stellung des Fachs

Mainz  

Geschichtslehrerverband sorgt sich um Stellung des Fachs

07.03.2021, 09:34 Uhr | dpa

Geschichtslehrerverband sorgt sich um Stellung des Fachs. Ralph Erbar

Der Vorsitzende des Geschichtslehrerverbands Rheinland-Pfalz, Ralph Erbar. Foto: Peter Zschunke/dpa (Quelle: dpa)

Nach 20 Jahren Vorsitz im Geschichtslehrerverband Rheinland-Pfalz hat Ralph Erbar eine insgesamt positive Bilanz gezogen, sorgt sich aber auch um die künftige Bedeutung des Schul- und Studienfachs. "Wer es in der Schule versäumt, historisches Bewusstsein anzubahnen, wird dies später kaum noch korrigieren können", sagt Erbar im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Eine Gesellschaft aber, die nicht die Fehler der Vergangenheit kennt, ist verdammt, diese zu wiederholen."

Kritisch sieht Erbar die Zusammenlegung der Fächer Erdkunde, Geschichte und Sozialkunde zum Fach Gesellschaftslehre an den Integrierten Gesamtschulen (IGS). "Das ist eine große Katastrophe, weil es für dieses Fach Gesellschaftslehre keine Ausbildung gibt, weder an den Universitäten noch im Referendariat." Geschichte werde damit auch als späteres Studienfach entwertet, weil die Schülerinnen und Schüler inhaltlich kaum noch einen persönlichen Zugang dazu entwickeln könnten. An den Realschulen plus gibt es die Möglichkeit, entweder die drei Einzelfächer oder Gesellschaftslehre zu unterrichten.

Der Geschichtsunterricht habe insgesamt an Stellenwert eingebüßt, sagt Erbar, der in Bingen an der Hildegardisschule des Bistums Mainz unterrichtet und am Studienseminar Bad Kreuznach Referendare ausbildet. "Auf der einen Seite beklagt man diese zunehmende Geschichtsvergessenheit, auf der anderen Seite tut man nichts dazu, den Geschichtsunterricht zu stärken." Einen Grund dafür sieht Erbar darin, dass die MINT-Fächer - also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - "seit Jahren im Auftrieb begriffen sind, weil sie scheinbar viel relevanter für die Wirtschaft sind".

Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) weist diesen Vorwurf des Verbands zurück. Auch der Unterricht in den MINT-Fächern trage zur Demokratiebildung bei. Gerade in den aktuellen Diskussionen über die Eindämmung der Corona-Pandemie komme es darauf an, naturwissenschaftliche Fakten richtig einschätzen zu können. "Es ist aber unser Ziel, auch die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer weiter zu stärken", sagt Hubig. In den Klassenstufen 5 bis 10 der Gymnasien umfasst der Unterricht sieben Stunden Geschichte in der Woche. Dies soll weiter so bleiben. Der Sozialkunde-Unterricht soll aber künftig von drei auf fünf Stunden aufgestockt werden.

Positiv sieht Erbar im Rückblick, "dass sich das Unterrichtsfach Geschichte in den letzten Jahren stark gewandelt hat vom ehemaligen Paukfach zu einem Denkfach". Das Auswendiglernen von Daten und Ereignissen sei längst passé. Das Eintauchen in die Vergangenheit bringe die Begegnung mit grundlegenden Fragen des Zusammenlebens und mit Lösungsansätzen. Diese könnten zwar nicht eins zu eins auf die Gegenwart übertragen werden. "Aber die Schülerinnen und Schüler werden geschärft in ihrem Denken, in ihrem kritischen Bewusstsein."

Zur Nachfolgerin an der Verbandsspitze wurde die Geschichtslehrerin Katharina Kaiser aus Nackenheim (Kreis Mainz-Bingen) gewählt, Stellvertreterin ist Anne Sophie Schumacher aus Speyer. Als wichtige Aufgabe nannte Kaiser neben der Digitalisierung der Verbandskultur auch die Förderung von Geschichtskultur im digitalen Raum. "In der Vermittlung von Geschichte kommt es darauf an, an der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler anzuknüpfen, an das, was sie direkt berührt." Den Verband mit seinen rund 300 Mitgliedern sieht die 33-jährige Lehrerin als ein Bindeglied zwischen Schule, Universität mit dem Studienfach Geschichte und Gesellschaft. "Dabei öffnen wir uns für die Zusammenarbeit mit anderen geschichtskulturellen Initiativen."

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