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Start-up "Mainz liefert" – vom Lieferdienst zum digitalen Marktplatz

Start-up-Idee in der Pandemie  

"Mainz liefert" – vom Lieferdienst zum digitalen Marktplatz

Von Henrik Rampe

16.04.2021, 14:28 Uhr
Start-up "Mainz liefert" – vom Lieferdienst zum digitalen Marktplatz. "Mainz liefert": Mehr als 25.000 Bestellungen sind bereits ausgeliefert worden. (Quelle: Philipp Quint)

"Mainz liefert": Mehr als 25.000 Bestellungen sind bereits ausgeliefert worden. (Quelle: Philipp Quint)

Ohne Startkapital, dafür mit vielen Ideen. Vier Studenten gründen einen Lieferdienst, der sich zu einem digitalen Marktplatz für Mainz entwickeln soll. Kann das Konzept aufgehen?

Mainz hat oft zur gleichen Zeit Hunger. Diese Lektion hat Adrian Koch in den Anfangstagen seiner Start-up-Idee auf schmerzhafte Weise gelernt. Heute kann der 24-Jährige über die Samstagabende lachen, als die Flut an Essensbestellungen einfach nicht abreißen wollte, er aber viel zu wenig Fahrer eingeplant hatte und überstürzt selbst aufs Rad stieg, um Burger, Sushi, Pizza und Co in Mainz auszuliefern.

Die mehr als 25.000 Bestellungen, die der Lieferservice "Mainz liefert" seit Beginn der Pandemie ausgefahren hat, sprechen dafür, dass die Startschwierigkeiten überwunden sind. Bei Wind und Wetter ist eine Fahrradflotte mit blauen Rucksäcken und aufgedrucktem Papierflieger-Logo unterwegs, um den Mainzerinnen und Mainzern ihre Lieblingsgerichte aus ihren Stammlokalen direkt vor die Haustür zu liefern.

Keine Angst vor Platzhirschen und Lieferdienst-Konkurrenz

Unverhofft viel Zeit und unternehmerischer Wagemut seien die ausschlaggebenden Gründe gewesen, weshalb der BWL-Student Adrian Koch gemeinsam mit seinen drei Mainzer Freunden Philip Ditt, Sahand Sabri und Anh Duc Vu den Lieferdienst gründete. Einen Lieferdienst? Ist der Markt nicht längst besetzt von übermächtigen Konkurrenten mit Wärmeboxen in orange und magenta?

"Tja, genau das haben wir uns auch gefragt", sagt Koch. Von befreundeten Gastronomen wussten die jungen Unternehmensgründer aber auch, dass sich viele Mainzer Restaurantbetreiber dagegen sträubten, von den Lieferdienstriesen gelistet zu werden. Zu unrentabel erschien vielen alteingesessenen Gastronomen das Geschäftsmodell.

Adrian Koch, Sahand Sabri, Anh Duc Vu (v.l.n.r.): Gemeinsam mit Freund Philip Ditt gründeten sie "Mainz liefert". (Quelle: Philip Ditt)Adrian Koch, Sahand Sabri, Anh Duc Vu (v.l.n.r.): Gemeinsam mit Freund Philip Ditt gründeten sie "Mainz liefert". (Quelle: Philip Ditt)

Mehr als 30 lokale Gastronomen sind dabei

Fastfoodketten oder Ghost-Kitchen sucht man auf der Plattform von "Mainz liefert" vergeblich. Auf der Onlineplattform des jungen Lieferdienstes sind mehr als 30, ausschließlich inhabergeführte Gastronomiebetriebe gelistet. "Wir diskutieren fast täglich darüber, welche Lokale und Restaurants wir aufnehmen. Unser Ziel ist es, diejenigen zu unterstützen, die schon lange und eng mit der Stadt verwurzelt sind", sagt Koch.

In dem einen Jahr haben die vier Start-up-Gründer viel gelernt – über Unternehmensführung, aber auch über sich. Abschalten fällt schwer, ist beispielsweise so eine Erkenntnis. Wenn sieben Tage die Woche über die Onlinebestellmaske Essen geordert werden kann, dann drehen sich auch sieben Tage die Woche die Gedanken um das eigene Unternehmen. Jeder gelistete Gastronom auf der Seite wird von den vieren mit Kurzbeschreibung, Öffnungszeiten und Adresse einzeln eingepflegt. Die Website programmierte Anh Duc Vu, der Informatikstudent und IT-Experte im Team. Bis der erste Gewinn eingefahren wurde, lieferten die Gründer zusammen mit ihren Freunden das Essen aus.

Nach sechs Wochen konnten sie den ersten Fahrer anstellen, nach sechs Monaten zehn E-Räder anmieten. Innerhalb von einem Jahr ist das Unternehmen so weit gewachsen, dass sie auf rund 100 Fahrer zurückgreifen können. Um noch schneller auf den Straßen unterwegs zu sein, wurde jüngst in drei E-Roller investiert.

Mit Kooperationspartnern soll ein digitaler Marktplatz entstehen

Doch die Expansionspläne haben auch Grenzen. "Wir können uns derzeit nicht vorstellen, das Angebot auf andere Städte auszuweiten. Da fehlt uns vieren schlicht die Zeit, die Energie und das Kapital", meint Unternehmensgründer Koch. So erfreulich die Entwicklung auch ist, die Doppelbelastung als Student und CEO sei durchaus kräftezehrend. "Das Studium leidet darunter, aber für das Projekt bin ich auch gerne bereit, ein oder zwei Semester länger zu studieren."

An neuen Ideen mangelt es den vier Pionieren aus Mainz nicht. Linsen, Zahnbürsten oder Mozzarella – seit wenigen Wochen werden auch Lebensmittel ausgeliefert. Zudem wird an Kooperationen mit lokalen Bäckereien und anderen Lieferanten gearbeitet. Das Kalkül dahinter: "Wir wollen unsere Infrastruktur nutzen und mehr und mehr zu einem digitalen Marktplatz in der Stadt werden", so Koch.

Das Ende der Pandemie soll nicht das Ende von "Mainz liefert" sein. Auch wenn wieder eine Zeit anbricht, in der sich Restaurantterrassen und Kneipen wieder füllen, soll die Lieferdienst-Option bestehen bleiben. Vielleicht nicht an Wochenenden, wenn sowieso schon alle Herdplatten der Gastronomen belegt sind, aber als Ergänzung zu Randzeiten unter der Woche, sehen die Unternehmen durchaus eine Perspektive. "Wichtig ist uns aber erst mal, dass es in den nächsten Wochen für alle Mainzer Gastronomen weitergeht", meint Koch.

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Gründern von "Mainz liefert"

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