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Wahlforscher zu Baden-Württemberg: Die Messe ist gelesen

Mannheim  

Wahlforscher zu Baden-Württemberg: Die Messe ist gelesen

01.03.2021, 05:13 Uhr | dpa

Der Chef der Forschungsgruppe Wahlen, Matthias Jung, rechnet mit einem Sieg der Grünen um Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg. "Nach dem aktuellen Meinungsbild ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Grünen stärkste Partei bleiben", sagte der Wahlforscher aus Mannheim der Deutschen Presse-Agentur. Dafür sprächen vor allem zwei Gründe: "Kretschmann füllt wie kein anderer Ministerpräsident in Deutschland die Rolle des Landesvaters aus", erklärte Jung mit Blick auf dessen Beliebtheitswerte. Und: "Die CDU macht es Kretschmann besonders leicht, ihr die bürgerlichen Wählerinnen und Wähler abspenstig zu machen."

Nach den jüngsten Umfragen verschiedener Forschungsinstitute liegen die Grünen zwischen 3 und 7 Punkten vor den Christdemokraten von Spitzenkandidatin und Kultusministerin Susanne Eisenmann. Laut den Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen führen die Grünen mit 34 Prozent vor der CDU, die nur auf 28 Prozent kommt.

"Die CDU hat sich in den vergangenen Jahren nur widerwillig den gesellschaftlichen Veränderungen angenommen und sich so immer mehr ins Aus manövriert", erläuterte Jung. Weder CDU-Landeschef Thomas Strobl noch Eisenmann seien dafür bekannt, "sich für eine Modernisierung der CDU stark gemacht zu haben". Kretschmann habe sich da von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) etwas abgeschaut: "Von Merkel lernen heißt Siegen lernen: Kretschmann repräsentiert die Mitte, die eigentlich die CDU besetzen müsste."

Jung verwies auch darauf, dass Eisenmann von den Baden-Württembergern äußerst schlecht bewertet werde. Hinzu komme, dass sogar die CDU-Anhänger lieber Kretschmann als Ministerpräsident behalten möchten. "65 Prozent der CDU-Anhänger wollen Kretschmann als Ministerpräsident und nur 22 Prozent der eigenen Anhänger wollen Eisenmann. Auch das ist ein wichtiger Grund, warum die Landes-CDU deutlich schlechter dasteht als die Bundes-CDU."

Der Wahlforscher machte deutlich, dass Eisenmann als Kultusministerin einen schweren Stand habe, weil in dem Amt nur wenig Pluspunkte zu sammeln seien. "In der aktuellen Corona-Situation ist das ein Himmelfahrtskommando. Wenn man die Schulen öffnet, ist es zu riskant, wenn man sie geschlossen lässt, finden es viele auch nicht gut."

Jung geht nicht davon aus, dass sich an den Umfragewerten bis zur Wahl noch viel ändern wird. "Es haben schon so viele Briefwahl gemacht, dass die Messe zum Teil schon gelesen ist." Zudem sei das Interesse an einer Landtagswahl nicht so groß, dass aktuelle Themen den Trend noch stark verändern könnten. Die CDU habe höchstens noch die Möglichkeit, stärker gegen eine denkbare Ampel-Koalition aus Grünen, SPD und FDP mobil zu machen und für eine Fortsetzung von Grün-Schwarz zu werben. Doch dafür müsse die Union offen eingestehen, dass sie nicht mehr mit einem Sieg rechne.

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