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"Traurig, bitter, aber erwartbar": Austrittszahlen gestiegen

Von dpa
Aktualisiert am 28.06.2022Lesedauer: 3 Min.
Türme des Münchner Doms
Die Sonne scheint auf die fast 100 Meter hohen Türme des Münchner Doms. (Quelle: Peter Kneffel/dpa/Archivbild/dpa-bilder)
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Es ist eine dramatische Entwicklung für die katholische Kirche: Die Zahl der Kirchenaustritte ist in Bayern massiv in die Höhe geschnellt. Im vergangenen Jahr kehrten 100.872 Katholiken allein im Freistaat ihrer Kirche den Rücken, wie die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) am Montag in Bonn mitteilte. Das sind deutlich mehr als 2020 (rund 66.300 Austritte) und 2019 (rund 78 300). Nur 1557 Menschen traten neu oder wieder in die Kirche ein, 49.095 Taufen verzeichnete die katholische Kirche in den sieben bayerischen Bistümern.

Bundesweit meldet die DBK einen neuen Negativrekord: 359.338 Katholiken kehrten ihrer Kirche allein 2021 den Rücken - so viele wie noch nie.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick bewertet die Statistik als "traurig und bitter, aber leider erwartbar". Franz Jung, der Bischof von Würzburg, findet deutlichere Worte: Er sei ebenso wie viele Katholikinnen und Katholiken verärgert und enttäuscht über "das problembeladene Bild, das wir als Kirche abgeben – in Deutschland, im Vatikan und in der Weltkirche", heißt es in einer Mitteilung seines Bistums. "Es darf niemanden verwundern, dass derzeit viele Menschen der Kirche das Vertrauen entziehen und auch unserem guten Tun die Zustimmung versagen."

Am stärksten betroffen sind das größte katholische Bistum im Freistaat, die Erzdiözese München und Freising, mit 35.323 Austritten, gefolgt von Augsburg (19.884), Regensburg (14.013) und Bamberg (10.261). Im Bistum Passau traten 5703 Katholiken aus der Kirche aus, im Bistum Eichstätt 5096. Insgesamt lag die Zahl der Katholiken im ehemals so katholischen Bayern Ende 2021 nur noch bei 6,02 Millionen - und von denen geht lediglich ein kleiner Bruchteil regelmäßig in die Kirche: Der Anteil der Gottesdienstteilnehmer lag in Bayern bei 5,9 Prozent und damit etwas über dem bundesweiten Schnitt von 4,3 Prozent.

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Die hohe Zahl der Kirchenaustritte sei "sehr schmerzhaft" und "nicht zu beschönigen", sagt der Münchner Generalvikar Christoph Klingan. Die Zahl der Austritte in seinem Bistum sei "die höchste Austrittszahl seit Einführung der Kirchlichen Statistik in den 1970er Jahren".

Und der Tiefpunkt dürfte damit noch nicht einmal erreicht sein, denn die nun vorgelegten Zahlen aus 2021 spiegeln noch nicht einmal die Erschütterung wieder, die die katholische Kirche in Deutschland nach dem Münchner Missbrauchsgutachten im Januar dieses Jahres erlebte. Die Auswirkungen der Studie, die weltweit Schlagzeilen machte, werden sich erst in der Kirchenstatistik niederschlagen, die im kommenden Jahr veröffentlicht wird.

Ein weiterer Negativrekord droht: "Wir hatten so viele Kirchenaustritte wie noch nie", sagt der Sprecher des Kreisverwaltungsreferates München, Johannes Mayer. Zwischen dem 1. Januar und dem 22. Juni dieses Jahres traten demnach allein in München 14.035 Menschen aus der Kirche aus - über alle Konfessionen hinweg. Im gleichen Zeitraum 2021 waren es 10.472 und 2019 mit 7556 noch deutlich weniger.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing sieht in den Zahlen ein Zeugnis einer "tiefgreifenden Krise, in der wir uns als katholische Kirche in Deutschland befinden", sagt er. "Die Skandale, die wir innerkirchlich zu beklagen und in erheblichem Maße selbst zu verantworten haben, zeigen sich in der Austrittszahl als Spiegelbild". Es sei "nichts schönzureden". Aus Sicht der Reformbewegung "Wir sind Kirche" zeigen die Zahlen, "wie schlecht es um das Vertrauen des Kirchenvolks in die Kirchenleitung bestellt ist".

Auch die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern hat im vergangenen Jahr deutlich mehr Mitglieder verloren als in den Vorjahren: 36.580 Austritte meldete das Landeskirchenamt im März für das gesamte Jahr 2021. Im Jahr 2020 waren es knapp 26.600 gewesen, 2019 fast 32.400.

Das katholische Bistum Regensburg startet aus gegebenem Anlass einmal mehr sein Austrittstelefon, um mit Katholiken, die aus der Kirche austreten wollen, ins Gespräch zu kommen. In den kommenden beiden Wochen bis zum 8. Juli ist es besetzt.

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