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Außen hui, innen pfui: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk zerstört sich selbst


Der öffentlich-rechtliche Rundfunk zerstört sich selbst

Von Jennifer Lichnau

Aktualisiert am 13.08.2022Lesedauer: 3 Min.
Meinung
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Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Links: BR-Technik-Direktorin Birgit Spanner-Ulmer, rechts: ehemalige RBB-Intendantin Patricia Schlesinger.
BR-Technikdirektorin Birgit Spanner-Ulmer (l.) und die Ex-RBB-Intendantin Patricia Schlesinger: Von einer Dekadenz zur nächsten. (Quelle: Mike Schmidt / Volker Danzer/imago images)
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Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat ein Problem. Denn die Schlesinger-Affäre spielt in die Hände aller "Zwangsgebühren"-Schreier. Selbst schuld.

In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass die nun ehemalige RBB-Intendantin Patricia Schlesinger sich systematisch bei Gebührengeldern bedient haben soll. Unter anderem mittels einer Erhöhung des eigenen Gehalts um 16 Prozent. Wo gibt es denn so was? Die Antwort lautet dieser Tage: beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

  • Rücktritt von Schlesinger: An Dreistigkeit kaum zu überbieten

Der Aufschrei über Schlesinger ist noch nicht verhallt, da berichtet die "Bild"-Zeitung von der nächsten öffentlich-rechtlichen Dekadenz: Die Technikchefin des Bayerischen Rundfunks hat nicht einen, sondern zwei Dienstwagen und dazu dann auch gleich zwei eigene Fahrer. Auf Anfrage von t-online bestätigte der BR die Informationen.

Dienstwagen von Spanner-Ulmer: Ausnahmeregelung aus altem Vertrag

Das stößt eine längst überfällige Diskussion an. Und nein, nicht die, ob wir überhaupt einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk brauchen. Alle "Zwangsgebühren"-Schreier können an dieser Stelle aufhören zu lesen. Das hier wird kein Abgesang auf die ARD.

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Auf die Frage von t-online an den BR, warum die Technikdirektorin Birgit Spanner-Ulmer zwei Dienstwagen habe, antwortete der Sender mit einer interessanten Begründung: Diese Ausnahmeregelung stamme noch aus ihrem Dienstvertrag aus dem Jahr 2012 und sei seitdem unverändert. Alle jüngeren Verträge sähen anders aus.

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Riesige Behörde mit verstaubten Angestellten

Und da ist der Knackpunkt der Debatte. Die Öffentlich-Rechtlichen sind riesige Behörden, bevölkert mit zumeist verstaubten Angestellten, die wohlgefällig auf alten Verträgen und satten Gehältern sitzen, während der journalistische Nachwuchs bei den gleichen Sendern in unsicheren und wesentlich schlechter bezahlten Arbeitsverhältnissen feststeckt. Gleichzeitig wird Innovation, Social Media, also die ganze Sache mit diesem Internet, auf die jungen Kollegen abgewälzt.

Eine Mitarbeiterin des BR, die anonym bleiben möchte, sagt: "Die Frustration bei den jungen Mitarbeitern ist sehr hoch." Das liegt auch an der Haltung der Öffentlich-Rechtlichen, es sei ein Privileg, unter ihrem Dach zu arbeiten. Und das sieht auch eine junge Mitarbeiterin so, die mit t-online gesprochen hat. Sie steht hinter dem öffentlich-rechtlichen Gedanken, frei von staatlichem Einfluss und privatwirtschaftlichen Zwängen zu berichten.

RBB-Affäre: "Ein Schlag ins Gesicht"

Allerdings, so sagt sie, wird von den jungen Mitarbeitern erwartet, dass sie sich "ein Bein ausreißen", während die älteren Kollegen auf ihren "Uralt-Verträgen" säßen. "Die Jungen kommen einfach immer zu kurz." Befristete Verträge, Überstunden und hohe Arbeitsbelastung – das ist der Alltag für junge Journalisten beim Bayerischen Rundfunk und bei der ganzen ARD. Es verwundert nicht, dass "Funk", die junge Sparte der ARD, als Reaktion auf die aktuellen Skandale mit einer Stellungnahme reagiert hat, die es in sich hat.

"Sollte es sich bestätigen, dass eine Intendantin ihre Position ausnutzt und sich Privilegien gönnt, die ihr nicht zustehen, wäre das ein Schlag ins Gesicht für alle jungen Menschen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk", heißt es da. Die meisten der jungen Leute seien nur noch freiberuflich und befristet angestellt und müssten gleichzeitig immer mehr leisten.

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Öffentlich-rechtliche Inhalte sind dazu da, die Demokratie zu stärken. Deswegen werden sie durch öffentliche Gelder finanziert. Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in Deutschland wurden nach dem Zweiten Weltkrieg nach dem britischen Vorbild gegründet. Sie sollen bis heute unabhängig informieren und berichten, bilden und unterhalten.

Die ARD spart an den falschen Ecken

"Wenn die Chefetage dieses System ausnutzt, geht das gar nicht", heißt es in dem Instagram-Post von "Funk". Sollten die Vorwürfe alle zutreffen, ist das ein Schlag ins Gesicht aller Gebührenzahler. Noch viel mehr ist es ein Schlag ins Gesicht all jener Journalisten, die trotz befristeter Verträge und teilweise prekärer Arbeitsbedingungen täglich das Programm der Öffentlich-Rechtlichen auf die Beine stellen.

Die Schlesinger-Affäre und die zwei Dienstwagen von Spanner-Ulmer könnten also eine längst überfällige Debatte anstoßen und ein Umdenken bei der ARD bewirken. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss aufhören, an der falschen Ecke zu sparen: dem journalistischen Nachwuchs. Er ist die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Programms.

Fällt der Nachwuchs weg, oder bricht er unter der hohen Belastung zusammen, dann leidet entweder die Qualität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks oder die Vielfalt. Und dann, dann können wir wirklich darüber diskutieren, ob man den Rundfunkbeitrag nicht doch abschaffen sollte.

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Verwendete Quellen
  • Gespräch mit einer BR-Journalistin, der Name ist der Redaktion bekannt
  • Eigene Recherchen
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