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Illegale Ferienwohnungen in München und am Schliersee: Die Geschäfte mit der Wohnungsnot


Die Geschäfte mit der Wohnungsnot

Von Klaus Wiendl

04.10.2022Lesedauer: 3 Min.
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Dieses Miethaus am Tegernsee werden Ferienwohnungen angeboten. (Archivbilder) Das Problem: Auch am Alpenrand ist die Wohnungsnot groß – Ferienwohnungen fehlen aber ebenfalls.
In diesem Mietshaus am Tegernsee werden Ferienwohnungen angeboten. (Archivbilder) Das Problem: Auch am Alpenrand ist die Wohnungsnot groß – Ferienwohnungen fehlen aber ebenfalls. (Quelle: Klaus Wiendl / Sven Simon/imago-bilder)
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Großstadtprobleme auf dem Land: Nicht nur in München sind Wohnungen knapp. Auch am Alpenrand will man mit Immobilien Geld verdienen. Und es gibt noch ein weiteres Problem.

Im ganzen Landkreis Miesbach gibt es kaum bezahlbaren Wohnraum – es ist fast wie in München. Dennoch greift die ungenehmigte Vermietung von Ferienwohnungen immer mehr um sich. Deren Eigentümer wittern so ein besseres Geschäft als mit Dauermietern.

Immerhin klingt alles ganz unkompliziert: Über ein Vermietungsportal wie Airbnb bekommt ein Tourist einen Code für das gewünschte Objekt. Mit diesem checkt man bei der Ankunft "per Codeschloss selbst ein" und schon startet der Urlaub. So zumindest bewirbt eine Vermieterin in Bad Wiessee ihre "Premium Chalet Ferienwohnung mit Kamin in Seenähe". Ein gutes Geschäft für die Vermieterin und die Touristen? Ganz so einfach ist es nicht.

Für Oberbayern sind Touristen Problem und Geldquelle zugleich

Dass diese Zwei-Zimmer-Wohnung in der lebhaften Ortsmitte an der Bundesstraße liegt, steht nämlich nicht in der Anzeige. Es sollen lieber die Bilder von Innenansichten des Neubaus sprechen. In diesem wurde eine weitere Wohnung zum Feriendomizil umfunktioniert.

Zähneknirschend musste die Gemeinde diesem Entzug von Wohnraum zustimmen. Denn dieser alles beherrschende Neubau am Lindenplatz liegt im Mischgebiet und eine touristische Nutzung war zuvor schon durch ein abgerissenes Hotel gegeben. Anderswo im Ort sollen "klare Zeichen gesetzt" werden, hieß es zuletzt im Gemeinderat. Entsprechende Anträge der Zweckentfremdung zur Kurzzeit-Ferienwohnung in reinen Wohngebieten wurden abgeschmettert.

Ähnlich ist die Situation am benachbarten Schliersee. Und doch weitaus eklatanter: Es gab einen Aufschrei in der Heimatzeitung. Denn an die 40 ungenehmigte Ferienwohnungen entdeckten Mitarbeiter der gleichnamigen Marktgemeinde "bei Recherchen im Internet", das sind gut 20 Prozent der angebotenen 177 Ferienwohnungen. So schildert es Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) im Gespräch mit t-online.

Schliersee will gegen illegale Ferienwohnungen vorgehen

"Alle Eigentümer wurden von uns aufgefordert, die Nutzungsänderung zu beantragen", sagt er. "Etliche von ihnen haben geantwortet, sie würden die Ferienwohnung aufgeben und sie für die Kinder nutzen. Andere beantragen jetzt die Nutzungsänderung." Das arbeite die Gemeinde jetzt Zug um Zug ab. Etliche der Kontaktierten reagierten absolut problemlos, manche Fälle werde Schliersee aber "wohl nicht genehmigen". Vor allem jene in großen Wohnanlagen, dort störe die ständig wechselnde Belegung einer Ferienwohnung den Hausfrieden.

In München, wo die Wohnungsnot mit am größten ist – nirgendwo in Deutschland zahlt man so viel Miete wie in der Landeshauptstadt – wird knapper Wohnraum tausendfach dem Markt entzogen, indem Wohnungen an Touristen vermietet werden. Knapp 4.900 Wohnungen sind es derzeit, die dort über Airbnb inseriert sind. Nachzusehen ist das im Portal "Inside AirBnB", das regelmäßig die Anzeigen von Ferienwohnungen auswertet. Dort ist auch sichtbar, dass 63 Prozent der angebotenen Unterkünfte ganze Appartements sind.

Dies blieb auch der Stadt München nicht verborgen. Sie stellte klar: Hat der Besitzer für die Beherbergung von Touristen kein Gewerbe angemeldet, macht er sich strafbar. Wer in München eine Wohnung länger als acht Wochen im Jahr an Fremde untervermietet, verstößt gegen die Zweckentfremdungssatzung und muss mit Strafen von bis zu einer halben Million Euro rechnen. Um die illegalen Wohnungsvermieter ausfindig zu machen, hat die Stadt eigens eine Meldeplattform eingerichtet.

Wohnungsnot in Bayern – und zu wenig Ferienwohnungen

Am Schliersee wird das Problem dadurch komplexer, dass der Tourismusort eben auch Ferienwohnungen braucht. Die gleichzeitige Wohnungsnot schafft einen Konflikt. Mit ihrem Vorstoß hat die Gemeinde nun aber klargestellt, selbst entscheiden zu wollen, welche Wohnungen an Touristen und welche an Bewohner vermietet werden dürfen.

"Bei der Vermietung einer Eigentumswohnung haben wir die betroffenen Besitzer auf die steuerliche Problematik hingewiesen", sagt Schnitzenbaumer. Diese würden oft unterschätzt. Eine der wichtigsten erklärt Wirtschaftsprüfer Franz Kirschner: "Wenn ich mein Apartment nicht mehr langfristig, sondern kurzfristig vermiete und das im Internet bewerbe, handle ich gewerblich. Damit wechselt die Wohnung aus meinem Privatvermögen ins Betriebsvermögen. Wechselt sie irgendwann zurück, muss ich die Wertsteigerung versteuern. Für viele private Anbieter wird das sehr teuer." Und der damit erhoffte Gewinn möglicherweise deutlich geschmälert.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen
  • Gespräch mit Schlierseer Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer
  • Abendzeitung München: "Airbnb: Stadt wehrt sich gegen illegale Vermietungen"
  • merkur.de: "Umnutzung zur Ferienwohnung: Nicht jedem schmeckt das"
  • Inside Airbnb: Angebotene Ferienunterkünfte in München bei Airbnb
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