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Champagner-Partys am Tegernsee: Empörung über Helikopter-Flüge


"Gewinnmaximierer in wertvoller Bergwelt"
Streit um Heli-Schampus-Partys am Tegernsee


Aktualisiert am 04.11.2022Lesedauer: 3 Min.
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Helikopter auf einer Wiese am Tegernsee (Archivbild): Um sie und Champagner-Partys in den Bergen gibt es im Urlausidyll nun heiße Debatten.Vergrößern des Bildes
Helikopter auf einer Wiese am Tegernsee (Quelle: Thomas Plettenberg)

Mit dem Helikopter zur Party am Tegernsee: Findige Gastronomen und Investoren in Oberbayern fliegen gut zahlende Gäste ein. Doch nun regt sich Protest.

Der sogenannte "Overtourism" scheint inzwischen keine Grenzen mehr zu kennen. Rund um den Tegernsee am nördlichen Alpenrand ist dies zurzeit besonders gut zu beobachten: Der Champagner fließt für betuchte Gäste, ob im beschaulichen Bad Wiessee oder oben auf der Alm. Findige Gastronomen und Investoren reizen die gesteckten Grenzen bis ans Äußerste aus. Kaum jemand stellt sich ihnen mehr in den Weg.

Kompromiss bei umstrittenem Berggasthof von Manuel Neuer

Groß war der Aufschrei bei der Gemeinde Schliersee, dem Landratsamt Miesbach und von Natur- und Umweltschutzverbänden, als FC-Bayern- und Nationaltorwart Manuel Neuer mit seinem Geschäftspartner Johannes Rabl verkündete, aus dem verfallenen Forsthaus Valepp hinter dem Spitzingsee wieder einen publikumsträchtigen Berggasthof zu machen.

Schnell machten Begriffe wie Partytourismus, Störung des Wildes im Winter und Ende einer Idylle die Runde. Der Protest wirkte: Neuer und Rabl lenkten ein; mit ihrem Kompromiss, den Betrieb im Winter ruhen zu lassen, können inzwischen alle beteiligten Parteien leben. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

In Bad Wiessee, das direkt am Ufer des Tegernsees liegt, sieht es hingegen noch anders aus. Hier feiern Partys am See und am Berg fröhliche Urständ. Und der "Rubel rollt". Das gilt auch für den CSU-Gemeinderat Christoph von Preysing, im Hauptberuf Fischermeister, der direkt am See im Ortsteil Abwinkl ein Fischbistro am Süßwassseraquarium "Aquadome" betreibt. Doch lieber als Laufkundschaft sind ihm Events, die er ausrichten kann.

Der Partykönig vom Tegernsee, wie ihn das Heimatblatt charakterisiert, profitiert von seinem Reichtum an Ideen, wie zahlungskräftiges Publikum an seinen Sehnsuchtsort zu bringen wäre. Dafür darf es auch mal der Hubschrauber sein. So geschehen vor vier Wochen, was für viel Wirbel im Tegernseer Tal sorgte.

Hubschrauberflüge sorgen für Wirbel am Tegernsee

Der Gastronom Preysing wollte zunächst nur die Hubschrauberflüge im Rahmen eines exklusiven Bentley-Events in seinem Fischbistro am See einräumen. Doch auf Instagram verriet er sich. Auf der Saurüsselalm, dessen Eigentümer Franz Josef Haslberger ist, ging es weiter. Dort hatte Preysing ordentlich Schampus und Fisch aufgetischt. Die Auffahrt ins Bergidyll erledigte ein exklusiver Van-Service. Es sollte an nichts fehlen.

"15 Partys sind vertraglich vereinbart", sagt Bürgermeister Robert Kühn (SPD) im Gespräch mit t-online. Deshalb finde er nichts Verwerfliches dabei. "Wir als Gemeinde stellen keine Fahrgenehmigung aus." Zudem gebe es auf der Saurüsselalm "auch Brotzeiten für Wanderer unter zehn Euro".

Ziel: Das angestaubte Siebzigerjahre-Image loswerden

Kühn und CSU-Rat Preysing bilden sozusagen eine Allianz, wenn es um die lukrative Vermarktung des Kurortes für jüngeres Publikum geht. Sie wollen das angestaubte Siebzigerjahre-Image loswerden. Sperrstunden spielen dabei ebenso wenig noch eine Rolle wie die Kurruhe zur Mittagszeit. Sehr zum Ärger von Pensionsbetreibern, die um das Wohl ihrer Gäste fürchten. Doch ihre Klagen finden kaum Gehör, wenn auf der anderen Seite der Champagner in Strömen fließt.

Da drückt der Rathauschef schon mal beide Augen zu, denn er will es sich mit Investor Haslberger, den die "Süddeutsche Zeitung" einen "bayerischen Oligarchen" nennt, nicht verderben. Schließlich ist der Fertigmörtel-Unternehmer Großgrundbesitzer in Bad Wiessee und darüber hinaus. Nicht nur ganze Bergrücken mit hohem Wildbestand nennt der passionierte Jäger und Gebirgsschütze sein Eigen, sondern auch bald vier gastronomische Betriebe.

Ein ums andere Mal schlägt er zu, wenn in Wiessee eine Immobilie zum Verkauf steht. Die Gemeinde hängt quasi auch am Tropf von Haslbergers Gewerbesteuer-Betrieben.

"Gewinnmaximierer verlagern sich auf unsere wertvolle Bergwelt"

Das wissen sowohl Haslberger als auch Rathauschef Kühn. Derzeit gießt der Baustoffunternehmer seine dritte Location in Beton, die immens vergrößerte Söllbachklause. Sehr zum Missfallen der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal. Deren Vorsitzende Angela Brogsitter-Finck beklagt grundsätzlich, dass "Gewinnmaximierer sich vom vielfach versiegelten Tal auf unsere wertvolle Bergwelt verlagern". Und weiter: "Hier ist unsere verstärkte Aufmerksamkeit gefordert."

Bei Neuers Forsthaus Valepp hatten die Naturschützer damit Erfolg. Ob ihnen dies auch bei der Saurüsselalm gelingt, der "exklusiven Luxus-Destination mitten im Landschaftsschutzgebiet", darüber entscheidet demnächst der Bayerische Verwaltungsgerichtshof.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
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