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Kunstschnee in Skigebieten in Bayern – und das trotz Energiekrise


Trotz Krise – Pistengaudi um jeden Preis

Von Klaus Wiendl

09.12.2022Lesedauer: 3 Min.
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Eine Schneekanone im Skigebiet am am Spitzingsee: Trotz Energiekrise nutzen die Liftbetreiber Kunstschnee, um ihre Pisten betreiben zu können.
Eine Schneekanone im Skigebiet am Spitzingsee: Trotz Energiekrise nutzen die Liftbetreiber Kunstschnee, um ihre Pisten betreiben zu können. (Quelle: Klaus Wiendl)
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In den Bergen geht nichts mehr ohne Maschinenschnee, auch in Zeiten knapper Ressourcen. Mit Wucherpreisen abkassiert werden auch die, die gar nicht Ski fahren.

Im Spitzing-Skigebiet schneit es derzeit aus allen Kanonen, auch tagsüber – Energiekrise hin, Umwelt her. Nichts geht mehr in den Wintersportorten ohne Schneekanonen, Pumpenhäuser und Speicherseen. Da die Winter milder und die Schneedecken immer dünner werden, kommt die weiße Pracht seit 1. Dezember wieder aus unzähligen Maschinen. Manche fordern nun: Damit soll Schluss sein.

Kurz vor dem dritten Adventswochenende ist es ruhig im Mangfallgebirge, eine gute Autostunde von München entfernt. Auf Höhe der Skigebiete Sudelfeld und Spitzingsee ist es weiß, der Winter hat schon Einzug gehalten. Für die Liftbetreiber aber noch nicht genug: Fünf bis zehn Zentimeter ist die Schneedecke dick, zu wenig für Skibetrieb, die Lifte stehen still. Das soll sich aber bald ändern – mithilfe der Schneekanonen.

Naturschützer in Bayern nennen Schneekanonen "unmoralisch"

Für den Bund Naturschutz in Bayern (BN) und die Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag sind der enorme Ressourcenverbrauch und die Umweltschäden durch die Beschneiungsanlagen währenddessen nicht weiter tragbar. Deshalb appellieren sie an die gesellschaftliche Verantwortung der Skigebietsbetreiber, auf den Einsatz von Schneekanonen in diesem Winter zu verzichten.

"Sie sollten sich in der derzeitigen Energiemangellage solidarisch zeigen und freiwillig auf den Einsatz von Schneekanonen verzichten. Sie verbrauchen Unmengen an Strom und haben nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung einen fragwürdigen Nutzen", erklärt der BN-Vorsitzende Richard Mergner. "Schneekanonen waren aufgrund ihrer schlechten Ökobilanz schon immer problematisch, in der derzeitigen Krisensituation sind sie schlicht unmoralisch. Ein Verzicht auf Beschneiung kann in einem Winter 16 Millionen Kilowattstunden Strom in Bayern sparen, zudem Millionen Liter Wasser."

Eine andere Rechnung macht Antonia Asenstorfer auf. Sie ist Leiterin Kommunikation und Marketing der Alpen Plus Partner Sudelfeld, Spitzing, Wallberg und Brauneck bei Lenggries. "Wenn wir vernünftigen Skibetrieb anbieten wollen, müssen wir zusätzlich beschneien. Dies findet möglichst effizient bei niedrigen Temperaturen statt, um das Maximum herausholen zu können. Wenn wir weiterhin unser Angebot aufrechterhalten und unsere Arbeitsplätze sichern wollen, dann geht es nicht ohne Beschneiung."

Kaum Energieverbrauch durch Skigebiete, sagen die Betreiber

Natürlich bekomme sie auch Kritik zu hören, doch dann verweist sie auf die Position des Verbands Deutscher Seilbahnen (VDS). Dieser habe ein externes Institut mit einer Studie zur Klarstellung beauftragt. Demnach habe die Beschneiung in Bayern einen Anteil von 0,002 Prozent des gesamtdeutschen Stromverbrauchs. "Insgesamt erfordern Liftbetrieb und Kunstschnee auf allen deutschen Skigebiete 0,42 Prozent von der Strommenge, die allein die Standby-Geräte in ganz Deutschland verbrauchen", so Asenstorfer.

Im Winter würden im Alpenraum 0,8 Prozent der gesamten Fläche als Pisten benutzt. Davon wiederum seien nur etwa 30 Prozent künstlich beschneit, erklärt Asenstorfer. "Wenn man dies in Relation zum Gesamtstromverbrauch setzt, dann ist die Energiemenge, die wir verbrauchen, wirklich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Deshalb werden wir nicht auf Kunstschnee verzichten."

Verzicht üben muss so mancher Wintersportler, wenn er einen Parkplatz im Münchner Oberland an einer Liftstation am Sudelfeld- oder im Spitzing-Skigebiet sucht. Hat er nicht die Absicht, Lifte zu nutzen, wird's richtig teuer. 15 Euro sind als Parkplatzgebühr von demjenigen zu berappen, der keine Liftkarte löst. Wer sie kauft, zahlt indes – anders als im Vorjahr – nichts mehr. Diese 15 Euro sollen Tourengeher abschrecken, die nichts zu den Einnahmen der Liftbetreiber beitragen würden.

Skitourengeher bringen den Liftbetreibern kein Geld

Eine Gängelung für die Schneewanderer also? "Hätten wir eine konzertierte Aktion im Sinn gehabt, hätten wir das Brauneck bei Lenggries auch mit einbeziehen müssen", rechtfertigt Asenstorfer den Premium-Preis. "Das Problem ist, dass wir am Sudelfeld und am Spitzing einfach wenige Parkplätze zur Verfügung haben. Dies sind natürlich vorrangig Kundenparkplätze, die wir vorhalten müssen."

Doch nicht nur der Tourengeher wird dort mit 15 Euro zur Kasse gebeten, auch Spaziergänger, Rodler und Schneeschuhwanderer. "Es betrifft alle Nichtkunden unseres Skigebietes", sagt Asenstorfer. "Anders können wir uns nicht mehr behelfen, denn schon morgens waren unsere Parkplätze von Tourengehern belegt. Wir leben aber von unseren Skifahrern. Am Brauneck ist das Problem noch nicht so brennend, dort können wir noch viele Parkplätze anbieten."

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Verwendete Quellen
  • Eigene Beobachtungen
  • Gespräch mit Antonia Asenstorfer (Alpen Plus Partner)
  • Bund Naturschutz: Pressemitteilung vom 30. November
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