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Corona-Krise in München: Schwierige Zeiten für Prostituierte

Verdienstausfall wegen Corona  

Schwierige Zeiten für Prostituierte in München

18.03.2020, 09:42 Uhr | dpa

Corona-Krise in München: Schwierige Zeiten für Prostituierte. Das Bordell Leierkasten in München: Wegen der Corona-Krise verdienen viele Prostituierte nun kaum noch oder gar kein Geld mehr. (Quelle: imago images/joko)

Das Bordell Leierkasten in München: Wegen der Corona-Krise verdienen viele Prostituierte nun kaum noch oder gar kein Geld mehr. (Quelle: joko/imago images)

Die käufliche Liebe hat es schwer in den Zeiten des Coronavirus. Bordelle müssen schließen. Besonders dramatisch ist die Situation für die Prostituierte. So auch in München.

Prostituierte in MünchenNürnberg und anderen Städten in Bayern und Deutschland stellt die Corona-Krise vor finanzielle Schwierigkeiten. "Die Frauen verdienen kein Geld mehr", sagte Hedwig Christ von der Nürnberger Beratungsstelle Kassandra.

Seit Anfang der Woche riefen dort ständig verunsicherte Frauen an, die nicht mehr wüssten, wie es weiter gehen soll. Viele der Prostituierten wohnen auch in den Bordellen und können jetzt keine Miete mehr bezahlen.

Rund 32.800 gemeldete Prostituierte arbeiteten Ende 2018 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland, davon fast 6.400 in Bayern. Etwa 90 bis 95 Prozent der Frauen stammten aus dem Ausland, der Großteil davon aus Osteuropa, sagte Christ. Wegen der Corona-Krise könnten viele von ihnen nicht in ihre Heimat zurückkehren. "Wir befürchten, dass die Frauen auf der Straße landen", sagte Christ. "Momentan können wir aber noch nicht abschätzen, wie dramatisch es wird."

Weniger Kunden im Münchner Leierkasten

Einige Bordellbesitzer lassen die Frauen weiterhin in den Zimmern wohnen. Im Münchner Leierkasten leben zurzeit 26 Prostituierte, 19 Zimmer stehen leer. "Wir können die Frauen ja nicht auf die Straße setzen. Sie wären sonst aufgeschmissen", sagte Besitzer Deniz Müller.

Seit zwei Wochen kämen weniger Kunden in sein Haus. "Wir haben Einbußen von 50 bis 60 Prozent – und jetzt 100 Prozent Ausfall." Am Montag hatten Bund und Länder entschieden, die Bordelle zu schließen, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen.

Zur Sexarbeit – egal, ob im Bordell oder im Escort-Service – gehört viel Körperkontakt. Deshalb sind Prostituierte und deren Kunden besonders gefährdet, sich anzustecken. Die Angst davor bekommt auch die Agentur Royale Escort in München zu spüren. Seit Anfang März gebe es nur noch wenig Buchungen. "Geschäftsreisen werden abgesagt, dadurch kommen auch keine Buchungen zustande", sagte Inhaberin Susanne Horn. Inzwischen hat sie die Vermittlung komplett eingestellt – aus Sorge um die Gesundheit der Damen und der Klienten.

Rotlichtviertel in Nürnberg verlassen

Das Rotlichtviertel rund um das Nürnberger Frauentor wirkt dieser Tage wie verlassen. Die Stühle direkt am Fenster, auf denen sich die Damen sonst leicht bekleidet der Kundschaft präsentieren, sind leer. Einige Bordelle haben die Rollläden runtergelassen, die Leuchtreklamen sind abgeschaltet. "Es ist wie in einer Geisterstadt hier", sagte Alfred Kern, der zwei Bordelle in der Straße betreibt. 32 Frauen arbeiten dort. Einige seien ausgezogen. Die verbliebenen 19 lasse er mietfrei in den Zimmern wohnen.

Unbelebtes Rotlichtviertel rund um das Nürnberger Frauentor: Wegen der Corona-Krise wurde der Publikumsverkehr in ein Einrichtungen verboten. (Quelle: dpa/Karmann)Unbelebtes Rotlichtviertel rund um das Nürnberger Frauentor: Wegen der Corona-Krise wurde der Publikumsverkehr in ein Einrichtungen verboten.

Die Erotikseite xHamster verzeichnet hingegen eigenen Angaben nach jetzt schon mehr Interesse an den Videos. "Wir erwarten definitiv auch weiterhin mehr Zugriffe, je länger diese Ausnahmesituation anhält", sagte Sprecher Walter Hasenclever.

"Man muss aber auch bedenken, dass Personen, die mit ihren Familien in Quarantäne sind, nicht mehr die Möglichkeit haben, online zu gehen, wann immer sie möchten."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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