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Zu wenig Helfer für Flüchtlinge: "Situation am Münchner Hauptbahnhof beschämend"


"Die Situation am Münchner Hauptbahnhof ist beschämend"

Von Christof Paulus

Aktualisiert am 10.03.2022Lesedauer: 4 Min.
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Mitarbeitende der Caritas und freiwillige Helfer warten am Hauptbahnhof auf ukrainische Flüchtlinge. Sie stehen derzeit unter Dauer-Stress.
Mitarbeitende der Caritas und freiwillige Helfer warten am Hauptbahnhof auf ukrainische Flüchtlinge. Sie stehen derzeit unter Dauerstress. (Quelle: Wolfgang Maria Weber/imago-images-bilder)
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Auch in München kommen inzwischen viele Flüchtlinge aus der Ukraine an. Während in Berlin schon in der Vorwoche regelrechte Empfangskommandos bereitstanden, sind am Münchner Hauptbahnhof nur wenige Helfer.

Tagsüber, da geht es. Zumindest meistens. Am Kopfende der Gleise des Münchner Hauptbahnhofs steht ein Stand der Caritas, seine rote Farbe sticht schnell ins Auge, mit einer ukrainischen Flagge ist er markiert. Dort arbeiten seit rund einer Woche die Ehren- und Hauptamtlichen der Caritas und empfangen Flüchtlinge aus dem Ukraine-Krieg. Hier stehen alle unter Dauerstress.

Was den Flüchtlingen so zu schaffen macht, nach Hunderten Kilometern Reise aus der Ukraine, liegt auf der Hand. Für die Ehrenamtlichen ist das Problem: Sie sind massiv in der Unterzahl. Einige wenige weisen Wege, übersetzen, geben Informationen. Die Stadt München hingegen stellt keine eigenen Helfer.

Wieder kommt ein Zug an, in dem Menschen aus der Ukraine sitzen. Aus dem Süden des Landes, über Budapest, Wien und Passau etwa, ist München die erste Großstadt, die die Menschen in Deutschland erreichen, einige von ihnen kommen auch über Prag hier her. Sie steuern schnell den Caritas-Stand an – und brauchen Hilfe.

Ukrainische Flüchtlinge kommen in München an

Vor allem gefragt sind die Ehrenamtliche Tetjana und die Kolleginnen und Kollegen, die mit den Ankommenden in ihrer Landessprache sprechen können. Englisch beherrschen nicht allzu viele, Deutsch noch weniger. Also brauchen sie die Hilfe von Tetjana und den anderen. Am Tag heißt das: Warten. Und nachts? Hoffen.

Einige der Flüchtlinge kommen spät abends an. Vor allem für sie wird zum Problem, dass nicht bloß zu wenige Helfer da sind, die übersetzen können – sondern womöglich gar keine mehr. Zumindest auf den Stand der Caritas trifft das zu, dieser ist nicht durchgängig besetzt. Inzwischen sind bis 24 Uhr die letzten Helfenden vor Ort, teilt die Stadt München mit. Zu Beginn der Aktion rückten die Ehrenamtlichen bereits früher ab – Anlass für Kritik am Management der Stadt.

Auf Twitter schreibt etwa eine Nutzerin, sie sei "wütend und beschämt" darüber, wie wenig Hilfe für die Flüchtlinge am Bahnhof angeboten werde. Die Stadt solle sich dafür einsetzen, dass dies besser werde. Rund um die Uhr erreichbar ist zwar die Bahnhofsmission – wer sich aber am Bahnhof nicht auskennt, tut sich schwer, diese hinter Gleis 11 am Rand der Bahnhofshalle zu finden.

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Kritik für die Unterbringung am Hauptbahnhof kommt indes vom Parlamentarischen Geschäftsführer der Freien Wähler im Landtag. "Es fehlt faktisch an allem: Vom Strom über Toiletten bis zur Schlafgelegenheit", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Dass Menschen, die vor dem Bombenhagel in ihrer Heimat fliehen mussten, in unserer Landeshauptstadt auf dem Bahnhofsboden schlafen müssen, ist beschämend und muss sich umgehend ändern."

Vor allem Hilfe auf Ukrainisch ist nötig

Teils ähneln die Bilder in München denen, die aus Berlin schon vergangene Woche durch Deutschland gingen. In der Hauptstadt kamen bereits früher viele Flüchtlinge aus der Ukraine an, die Welle traf Berlin schneller und härter. Auch hier berichteten viele Helfer davon, unter Stress zu stehen, überfordert zu sein. Nur die Zahl der Helfer, die wirkte bedeutend größer als am Münchner Hauptbahnhof.

Nach Angaben der Stadt München rechnet man aktuell mit rund 800 Geflüchteten aus der Ukraine, die pro Tag hier ankommen, die meisten davon am Hauptbahnhof. Der Infostand der Caritas am Bahnhof sei von der Stadt unterstützt und finanziert, schreibt die Sprecherin des städtischen Sozialreferats, Edith Petry.

"Sie haben eine lange Fahrt hinter sich", erzählt die ukrainische Übersetzerin Tetjana über die Geflüchteten. "Sie sind hungrig, ihnen ist kalt, sie haben keine Euro in der Tasche, nur ukrainische Hrywnia." Tetjana und ihre Kollegen wollen helfen. Um sie soll es aber nicht gehen, sagt sie. Daher will sie auch auf keinen Fall mit Nachnamen hier erscheinen, die Kollegen lieber ganz anonym bleiben.

Es ballt sich rund um den Stand, als die Flüchtlinge dort ankommen. Tetjana, die seit einigen Jahren in München lebt, und ihre Kolleginnen und Kollegen sind jetzt auf die Geduld der Menschen angewiesen. Drei oder vier Personen mit Sprachkenntnissen sind am Stand, sie müssen jetzt rund 50 Ukrainerinnen und Ukrainern helfen. Auch deshalb fragt Johanna Schleehuber immer zuerst, wenn jemand am Stand Hilfe anbietet: "Sprechen sie Ukrainisch?"

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Dolmetscher werden am Bahnhof in München gebraucht

Schleehuber ist eine der Koordinatorinnen des Stands, auch in der Arbeit mit den Geflüchteten unterstützt sie direkt – auch wenn sie sich nur auf Deutsch oder Englisch mit ihnen zu verständigen kann. "Wir wollen für die Leute hier eine Struktur schaffen, sie müssen ja wissen, wo es hingeht", sagt sie.

Johanna Schleehuber arbeitet am Helferstand für ukrainische Flüchtlinge. Sie und ihr Team hilft am Münchner Hauptbahnhof.
Johanna Schleehuber arbeitet am Helferstand für ukrainische Flüchtlinge. Sie und ihr Team helfen am Münchner Hauptbahnhof. (Quelle: Christof Paulus)

Städtische Unterkünfte für Flüchtlinge in München voll

Nach Angaben der Regierung von Oberbayern, die für die Unterbringung der Flüchtlinge in der Stadt und dem restlichen Regierungsbezirk zuständig ist, habe derzeit oberste Priorität, "dass alle Angekommenen eine Unterkunft finden". Viele kommen zunächst im sogenannten Ankunftszentrum in der Maria-Probst-Straße unter, werden dann im Anschluss auf die Unterkünfte des Regierungsbezirks, von privaten Initiativen, oder der Stadt verteilt.

Die städtischen Unterkünfte seien derzeit allerdings schon voll belegt, sagt Sozialreferatssprecherin Petry. München stelle deshalb "in Kürze weitere Unterkunftsmöglichkeiten zur Verfügung", sagt sie. Auch ob weitere Gebäude angemietet werden können, werde "aktuell mit Hochdruck geprüft". Es ist die nächste Baustelle der Stadt in dieser Flüchtlingssituation.

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Verwendete Quellen
  • Gespräche mit Helfern am Stand im Hauptbahnhof
  • Auskunft der Stadt München und der Regierung von Oberbayern
  • Nachrichtenagentur dpa
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Von Klaus Wiendl
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