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Nürnberg: OB-Kandidat Marcus König will "mit Bürgern chatten"

INTERVIEWNürnberg-Wahl 2020  

OB-Kandidat Marcus König will "mit Bürgern chatten"

Von Michael Bächle

17.02.2020, 16:35 Uhr
Nürnberg: OB-Kandidat Marcus König will "mit Bürgern chatten". OB-Kandidaten in Bayern: Marcus König (Nürnberg) Kristina Frank (München), Astrid Freudenstein (Regensburg) und Eva Weber (Augsburg) machen ein Selfie.  (Quelle: imago images/Archivbild/Sven Simon)

OB-Kandidaten in Bayern: Marcus König (Nürnberg) Kristina Frank (München), Astrid Freudenstein (Regensburg) und Eva Weber (Augsburg) machen ein Selfie. (Quelle: Archivbild/Sven Simon/imago images)

Bei der Oberbürgermeisterwahl in Nürnberg geht Marcus König für die CSU ins Rennen. Bisher hatte seine Partei kaum eine Chance. Im t-online.de-Interview erzählt er, was er anders machen will. 

In Nürnberg finden am 15. März Kommunalwahlen statt. Dann wird auch ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Die CSU hatte in den vergangenen 18 Jahren gegen Ulrich Maly kaum eine Chance. Jetzt will Marcus König als zweiter CSU-Politiker OB von Nürnberg werden. Die Chancen stehen nach Malys Rückzug nicht schlecht.

t-online.de: Herr König, Nürnberg erwartet die engste OB-Wahl seit langer Zeit. Wagen Sie eine Prognose: Was wird für den Wähler am Ende den Ausschlag geben?

Marcus König: Stimmungsbilder. Ich hoffe natürlich, dass die Menschen, die zur Wahl stehen, ausschlaggebend sind und nicht Stimmungen aus dem Bund und aus Europa, die nichts mit Nürnberg zu tun haben. Da erfahren wir in der Kommunalpolitik eine sehr geringe Wahrnehmung. Man kommt nur bedingt vor und Stimmungen werden oftmals woanders erzeugt.

In Thüringen zum Beispiel.

Das kann natürlich auch Einfluss auf unsere Kommunalwahl haben. Wir als Union haben da kein gutes Bild abgegeben und dazu beigetragen, dass die Leute das Vertrauen in die Politik verlieren. Wenn wir klar formulieren, dass wir Zusammenarbeiten ausschließen und es in Thüringen doch machen, dann verlieren wir an Glaubwürdigkeit. Die Entscheidung, die jetzt getroffen wurde, ist ein Zeichen.

Befürworten Sie den Rückzug von Annegret Kramp-Karrenbauer?

Ich glaube, dass es für die CDU jetzt an der Zeit ist, einen klassischen Neuanfang zu wagen. Das würde der Partei gut tun.

Zurück zur anstehenden Kommunalwahl. Privat laufen Sie Marathon, Ihr Wahlkampf gleicht nun aber eher einem intensiven Sprint. Im Vergleich zur SPD sind Sie recht spät in den Wahlkampf gestartet. Ein Nachteil?

Wenn man den Wahlkampf an den Plakaten bemisst, dann hat Thorsten Brehm (Kandidat der SPD, d.Red.) tatsächlich schon im Juni angefangen, aufzuhängen. Diese finanziellen Ressourcen haben wir nicht, die SPD hat in Nürnberg mehr Geld. Ich habe im Oktober die erste Kampagne gefahren und im Januar mein Wahlprogramm vorgestellt. Wieso haben wir das so spät gemacht?

Das lag daran, dass wir das Wahlprogramm nicht alleine geschrieben haben, sondern von September bis Dezember Workshops mit Bürgern gemacht haben. Wir sind in die Stadthallen rausgefahren, haben eingeladen und dort die Leute befragt, weil ich den Weg anders gehen wollte. Bisher hat man sich zurückgezogen und die Anträge genommen, die man bisher im Rathaus gestellt hat und daraus ein Wahlprogramm entwickelt. Ich wollte aber die Leute einbeziehen, die die Stadt am besten kennen.

Sie bezeichnen sich selbst als kritikfähig. Was sind denn Kritikpunkte, mit denen Sie auf diesen Workshops oder aktuell im Wahlkampf konfrontiert werden?

Ich habe seit meiner Kandidatur zum Fraktionsvorsitzenden 2017 unsere Haltung der CSU geändert, mehr Geld zugunsten der Fahrradmobilität auszugeben. In der Amtszeit habe ich den Etat von 1,5 Millionen auf 10 Millionen hochgeschraubt, um das Rad zu stärken. Da kam Kritik auf, dass wir auch die anderen Dinge im Blick behalten sollen: den ÖPNV, den Fußgänger und auch das Auto. Deswegen haben wir auch formuliert, dass wir vier Verkehrsteilnehmer haben und wir wollen diese Verkehrsteilnehmer weiterhin berücksichtigen.

Sie befürworten eine Annäherung von SPD, CSU und Grünen in Nürnberg. Einige Beobachter sprechen gerade zwischen CSU und SPD von einem "Kuschelkurs".

Das hat mit Kuscheln nichts zu tun, sondern damit, dass wir seit 25 Jahren Verantwortung tragen für diese Stadt und in dieser Zeit vieles Gutes entstanden ist. Wieso sollte man jetzt in einen Kampf einsteigen, der persönlich wird? Wieso sollte man nur um des Kampfes Willen einen Streit hervorrufen? Das bin nicht ich und das sind auch meine Kollegen nicht. Wir fordern ähnliche Dinge, das ist so. Letztendlich entscheidet: Welcher Person traut man es zu, diese Themen richtig anzugehen? Am Ende ist es eine Persönlichkeitswahl. Darum geht’s.

Da scheint eine Fortsetzung der Kooperation mit der SPD im Stadtrat ja fast programmiert.

Wir sind nicht schlecht gefahren mit einer Zusammenarbeit. Auch die Grünen stellen ja seit zwölf Jahren den Umweltreferenten. Da gab es also auch eine Kooperation, die für Nürnberg nie schlecht war. Es geht um Ideen, um Themen, die wir besprechen. Dafür brauchen wir Mehrheiten, damit es nicht so wird wie in Thüringen, dass Anträge nur durchgehen, wenn die Ränder – ob links oder rechts – das Zünglein an der Waage sind. Deshalb: Ja, es wird wieder eine Zusammenarbeit geben.

Was genau soll denn mit Marcus König als OB anders werden?

Anders wird werden, dass wir noch enger auf Bürger zugehen. Wir müssen digitaler werden. Auch ein Oberbürgermeister muss digitaler werden.

Was bedeutet das konkret?

Das heißt, dass wir Bürgersprechstunden digital mit dem Bürgermeister einrichten. Jetzt im Wahlkampf machen wir ja auch beispielsweise "WhatsApp mit Marcus". Da kann ich mir gut vorstellen, dass ich das als OB weitermache, um den Menschen die Nähe zu ihrem Oberbürgermeister zu geben. Ich will nicht abstrakt sein, Politik aus einer Amtsstube heraus machen. Herr Maly (scheidender Oberbürgermeister, d. Red.) macht regelmäßig Fahrradtouren mit den Bürgern, das werde ich auch so machen. Ich möchte aber auch digital für die Menschen da sein zu Zeiten, wo sie selbst auch zu Hause und nicht auf der Arbeit sind.

Klimaschutz und Nachhaltigkeit könnten in der Kommunalwahl zum entscheidenden Thema werden. Was wird die erste Maßnahme sein, die Sie als Oberbürgermeister ergreifen?

Meine Forderung, mit der ich sofort beginnen werde: Pro Kind, das in Nürnberg geboren wird, wird ein Baum gepflanzt. Das sind rund 5.400 Bäume jedes Jahr, das steht uns gut zu Gesicht. Ich bin derjenige, der sagt: Wachstum wird seine Grenzen haben. Da grenze ich mich auch von den anderen Mitbewerbern ab. Wir können nicht alle Flächen, die wir noch zur Verfügung haben, für Wohnbebauung aufgeben. Deswegen dürfen wir nicht die Stadt in die Natur tragen, sondern müssen die Natur in die Stadt tragen.

Wenn wir nur noch bauen, dann ist der Platz, den wir in unseren Grünflächen zum Leben haben, zum Genießen haben, nicht mehr gegeben. Wir sollten eher schauen, dass wir den ein oder anderen Stock in die Höhe gehen und nicht in die Fläche.

In einem Satz: Was würden die Nürnbergerinnen und Nürnberger über den Oberbürgermeister Marcus König am Ende seiner Amtszeit sagen?

Er hat nicht nur verwaltet, sondern man hat gespürt, dass er gestaltet. 

Vielen Dank für das Gespräch!

Verwendete Quellen:
  • Interview mit Marcus König

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