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Wahl in Nürnberg: Was OB-Kandidat Thorsten Brehm vor hat

INTERVIEWOB-Wahl  

Thorsten Brehm – "Ich vertrete die junge Generation"

Von Michael Bächle

19.02.2020, 15:55 Uhr
Wahl in Nürnberg: Was OB-Kandidat Thorsten Brehm vor hat. Thorsten Brehm: Der 35-Jährige kandidiert für die SPD in Nürnberg. (Quelle: SPD Nürnberg)

Thorsten Brehm: Der 35-Jährige kandidiert für die SPD in Nürnberg. (Quelle: SPD Nürnberg)

Thorsten Brehm möchte seinen SPD-Parteikollegen Ulrich Maly als Oberbürgermeister in Nürnberg ablösen. Im Interview mit t-online.de verrät der Politiker, was er anders machen will als sein Vorgänger.

Ulrich Maly hatte die Nürnberger Kommunalwahlen der jüngeren Vergangenheit dominiert. Ohne ihn muss sich die SPD für die kommende Wahl am 15. März mächtig strecken, um weiterhin den Oberbürgermeister zu stellen. Thorsten Brehm will das schwierige Maly-Erbe antreten.

t-online.de: Herr Brehm, Sie wollen in die enorm großen Fußstapfen von Ulrich Maly treten. Hand aufs Herz: Wie oft werden Sie im Wahlkampf auf ihn angesprochen?

Thorsten Brehm: Es ist eher selten der Fall. Natürlich kommt jetzt in der Stadt auch ein wenig Wehmut auf, dass er aufhört. Aber die Leute haben das akzeptiert und auch seine Beweggründe nachvollziehen können. Jetzt ist Zeit für was Neues. Das Kapitel Maly ist kein Thema mehr.

Was wird ein möglicher Oberbürgermeister Thorsten Brehm denn anders machen als Oberbürgermeister Ulrich Maly?

Die großen Linien seiner Stadtpolitik sind auch mir wichtig. Wir müssen aber in diesem Jahrzehnt manche Akzente auch anders setzen: Die Themen Nachhaltigkeit und Ökologie werden noch einmal deutlich an Bedeutung gewinnen.

Gibt es noch andere Punkte, in denen Sie sich unterscheiden?

Ulrich Maly hat sich immer als analogen Bürgermeister bezeichnet, das bin ich nun definitiv nicht. Ich bin jemand, der das Thema Digitalisierung in der Stadt vorantreiben möchte und über die sozialen Netzwerke digital erreichbar ist.

Sollten Sie am 15. März gewählt werden, wären Sie Bayerns zweitjüngster Oberbürgermeister und zudem das jüngste Oberhaupt einer der 20 größten deutschen Städte. War Ihnen das bewusst?

Ehrlich gesagt nicht. Alter hat in diesem Wahlkampf auch keine große Rolle gespielt.

Also findet ein Generationenwechsel nur auf dem Papier statt?

Nein, ich stehe schon für einen Generationenwechsel. Das war mit Sicherheit auch einer der Beweggründe meiner Partei, mich zu nominieren. Natürlich sehe ich ein paar Themen anders, als das Ulrich Maly tut. Die Fragen von Nachhaltigkeit und Ökologie und des Zusammenlebens in der Stadt, die würde ich vielleicht ein bisschen anders beantworten als er. Das sind keine großen Brüche, aber ich habe als Vertreter der jungen Generation den Anspruch, selbst Akzente zu setzen.

Als eines der zentralen Wahlkampfthemen scheint sich die Mobilität in der Stadt herauszukristallisieren.

Die Bewältigung des Verkehrs ist eine der größten Herausforderungen für uns. In den letzten zehn Jahren sind wir in Nürnberg 40.000 Menschen mehr geworden, die haben auch 30.000 Kraftfahrzeuge mitgebracht. Egal, ob die stehen oder fahren: Sie bereiten uns Probleme. Deswegen ist es wichtig, dass wir bei einer intelligenten Stadtentwicklung darauf setzen, die öffentlichen Verkehrsmittel auszubauen. Das Auto kann nicht mehr das Verkehrsmittel der Zukunft sein.

Da gehen Sie ja mit bestem Beispiel voran. Sie haben selbst kein Auto. Warum nicht?

Das ist eine persönliche Entscheidung. Auch, weil ich glaube, dass man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Nürnberg jetzt schon ziemlich gut unterwegs sein kann. Deswegen habe ich nie ein Auto gebraucht. Wenn ich mir mal eins geliehen habe, war das für mich nicht unbedingt nervenschonend.

Auf Bundesebene steckt Ihre Partei tief in der Krise. Sind Sie besorgt, dass sich dieser Trend auch negativ auf die Kommunalwahl auswirken könnte?

Ich hätte mir natürlich mehr Rückenwind aus Berlin gewünscht, aber ich weiß auch: Kommunalwahlen in Nürnberg und Bayern sind immer Personenwahlen. Dort wählt man die Menschen, die man kennt, denen man traut, die man für kompetent erachtet.

Man könnte ja auch andersherum argumentieren, dass Thüringen in den Hinterköpfen der Wählerinnen und Wähler steckt. Könnte Ihnen der Auftritt der Union da wiederum in die Karten spielen?

Das kann durchaus an der einen oder anderen Stelle Spuren hinterlassen. Die CDU diskutiert gerade auf Bundesebene, sich von der Werteunion zu verabschieden und deren Mitglieder auszuschließen. Die örtliche CSU hingegen hat leider das prominenteste Mitglied der Werteunion, Hans-Georg Maaßen, zum Neujahresempfang nach Nürnberg eingeladen. Das war ein Fehler.

Wie bewerten Sie generell die Lage der CDU nach dem Thüringen-Eklat?

Ich freue mich nicht über die Lage der Union. Es braucht zwei starke Volksparteien, die es schaffen, die Gesellschaft in ihrer Breite mitzunehmen. Wenn die Volksparteien schwach sind, werden die Ränder stark. Das kann nicht in unserem Interesse liegen. Deshalb wünsche ich mir auch, dass die Union da möglichst schnell wieder auf die Beine kommt und handlungsfähig ist.

Daraus könnte man schließen, dass Sie auch im Stadtrat die Zusammenarbeit mit der CSU fortsetzen wollen. Oder könnte sich ein OB Thorsten Brehm auch andere Szenarien vorstellen?

Das werden wir sehen. Wir werden es an Inhalten festmachen, wer mit wem nach der Wahl zusammenarbeitet. Grundsätzlich ist der Konsens im Rathaus relativ groß, was die wichtigsten Zukunftsfragen angeht.

Wäre eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Grünen für Sie denn denkbar?

Ja. Wir haben aber auch sehr gute Erfahrungen mit der CSU gemacht. Wir hatten auch schon einmal ein Dreierbündnis, obwohl es mehrheitstechnisch gar nicht notwendig gewesen wäre. Wichtig ist mir, als Oberbürgermeister über den Parteien zu stehen, im Stadtrat zu integrieren und alle mitzunehmen. Die Rechten, die mit Sicherheit etwas stärker vertreten sein werden als derzeit, werden uns das Leben schon schwer genug machen.

Sie wollen bewusst für Nachhaltigkeit und Ökologie stehen. Wie möchten Sie Nürnberg grüner machen?

Wir werden neue Grün-und Freiflächen schaffen. Auf dem Areal Brunecker Straße, wo auch der neue Universitätscampus entsteht, wollen wir ein Drittel für solche Flächen einplanen. Ich würde mir aber auch wünschen, dass wir in der Stadt eine große Photovoltaik-Offensive starten. Wir haben noch viele ungenutzte Dächer, auf denen wir regenerativ Strom und Energie erzeugen können. Der größte Stellhebel, um nachhaltig unterwegs zu sein, ist aber die Frage des Bauens. Wie nachhaltig bauen wir? Wie lange halten unsere Gebäude? Solche Dinge müssen wir viel stärker in den Fokus rücken als bisher.

Sie möchten 1,6 Milliarden Euro in Schulen und Kitas investieren, bezahlbaren Wohnraum schaffen und das Monatsticket für 30 Euro auf den Weg bringen. Kann sich Nürnberg das leisten?

Alle unsere Wünsche im sozialen und ökologischen Bereich können wir nur dann erfüllen, wenn die Wirtschaft in der Stadt stark bleibt. Derzeit ist das Gewerbesteueraufkommen hoch. Wenn das so bleibt, dann wird es auch finanzierbar sein. Beim ÖPNV muss uns allerdings der Freistaat Bayern und vielleicht sogar der Bund finanziell unterstützen.

In einem Satz: Was würden die Nürnbergerinnen und Nürnberger über den Oberbürgermeister Thorsten Brehm am Ende seiner Amtszeit sagen?

Er hat es geschafft, in dieser wachsenden Stadt für gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sorgen und die öffentlichen Verkehrsmittel sowie den Radverkehr in der Stadt spürbar nach vorne gebracht.

Verwendete Quellen:
  • Interview mit Thorsten Brehm

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