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Nürnberg: So reagieren Unternehmen auf das Corona-Dilemma

Einbußen befürchtet  

So trifft Corona Unternehmen in Nürnberg

Von Michael Bächle

10.03.2020, 15:48 Uhr
Nürnberg: So reagieren Unternehmen auf das Corona-Dilemma. Fußgängerzone in der Innenstadt: Das Coronavirus beschäftigt Betriebe in Nürnberg. (Quelle: imago images/Archivbild/Marius Schwarz)

Fußgängerzone in der Innenstadt: Das Coronavirus beschäftigt Betriebe in Nürnberg. (Quelle: Archivbild/Marius Schwarz/imago images)

Corona sorgt für Unsicherheit in der Bevölkerung. Auch die Betriebe in Nürnberg bekommen die Folgen bereits zu spüren. Die Ausbreitung des Coronavirus könnte offenbar zum Dilemma werden.

In Nürnberg sind derzeit 14 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Davon befinden sich fünf Personen in stationärer, neun in häuslicher Quarantäne, meldet die Stadt auf ihrer Webseite. Wie überall in Deutschland ist die Verunsicherung groß. Die Warteschleife des extra eingerichteten Bürgertelefons zu Corona ist teilweise lang.

Doch die Ausbreitung des Virus hat nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für viele Unternehmen in der Stadt deutlich spürbare Auswirkungen. Eine von der IHK Nürnberg veröffentlichte Blitz-Umfrage unter 96 mittelfränkischen Unternehmen, darunter rund ein Drittel aus Nürnberg, kam zu dem Ergebnis: Etwa die Hälfte der Betriebe spürt bereits jetzt die Auswirkungen des Coronavirus, gut drei Viertel rechnen in den kommenden Wochen damit.

In Nürnberg selbst könnten die Zahlen sogar noch höher sein. "Als Standort von Messen und Veranstaltungen kann man in Nürnberg mit einer überproportionalen Betroffenheit der Unternehmen rechnen", schätzt Dr. Udo Raab von der IHK Nürnberg, der für die Umfrage verantwortlich war, auf Anfrage von t-online.de. "Außerdem sind die Auswirkungen in tourismusnahen Orten, zu denen Nürnberg gehört, höher einzuschätzen."
Denn gerade die Tourismusbranche leidet momentan akut unter Corona.

Einbußen in Nürnberg spürbar

"Man merkt es jetzt schon deutlich. Seit gut eineinhalb Wochen haben wir drastische Umsatzeinbußen", klagt etwa einer der leitenden Angestellten eines im Nürnberger Norden ansässigen Reisebüros, das nicht namentlich genannt werden möchte. "Es kommen weniger Anfragen, der ein oder andere storniert seine Reise. Wir müssen gerade jeden Tag aufs Neue schauen, wie die Lage aussieht."

Das bedeute einen stark erhöhten Arbeitsaufwand – auch, weil die Nachfragen der Kunden immer weiter zunehmen. Dabei stehe bei den Reisenden gar nicht die Angst im Vordergrund, auf der eigenen Reise selbst an Covid-19 zu erkranken. "Die meisten sorgen sich eher, dass das Zielland so agiert, dass sie nicht wieder zurückkommen." Heißt im Klartext: Riegelt etwa Donald Trump während des dreiwöchigen USA-Urlaub unvermittelt die Grenzen ab, sitzt man als Reisender dort fest. Das halte, so der Mitarbeiter, viele von einer Buchung ab.

Aber auch verhältnismäßig kleinere Buchungen fallen bereits ins Gewicht. Für einen Universitätsmitarbeiter organisierte das Reisebüro jüngst die Übernachtung für einen Kongress in Kassel. Der Kongress musste abgesagt, die Übernachtung storniert werden.

Hilfe aus Berlin

Derartige Fälle decken sich mit den Problemen, die die IHK-Umfrage zu Tage fördert. Die zu erwartenden Absagen von Messen und Veranstaltungen ist der aktuell größte Sorgenträger der Nürnberger Unternehmen, dicht gefolgt von den Reiseeinschränkungen. Das sorgt bereits jetzt bei zahlreichen Firmen für Umsatzrückgänge, "von Betriebsstilllegungen oder Schließungen von Werken in Nürnberg ist mir bislang aber nichts bekannt", erklärt Dr. Raab. Viel eher denken viele der Unternehmen aktuell darüber nach, wie sie mit der Corona-Krise bestmöglich umgehen können – und erhoffen sich staatliche Unterstützungsmaßnahmen.

Dazu gehört neben der Lohnerstattung auch das sogenannte Kurzarbeitergeld, dessen Auszahlung die Große Koalition in Berlin erleichtern möchte. Konkret übernimmt die Agentur für Arbeit vollumfänglich die Sozialbeiträge für Mitarbeiter, die aufgrund des Coronavirus weniger Arbeit haben – wie beispielsweise Reisebüros. "Wenn die Situation so bleibt, wie sie ist, werden wir das auf jeden Fall in Anspruch nehmen und in Kurzarbeit gehen", kündigt das Reisebüro im Nürnberger Norden an. Das würde bedeuten: Die Fünf-Tage-Woche wird für die Mitarbeiter zur Zweieinhalb-Tage-Woche.

"Bis Anfang nächster Woche warten wir aber noch ab und halten die Füße still", so das Mitglied der Geschäftsleitung. Voraussetzung, um als Betrieb das Kurzarbeitergeld zu beantragen: nachweisliche Umsatzeinbußen aufgrund des Coronavirus. Zumindest damit, merkt der Mitarbeiter mit bittersüßem Unterton an, werde sein Reisebüro keine Probleme haben.

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Udo Raab
  • Webseite der Stadt Nürnberg
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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