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Nürnberg: Öffnung der Grundschulen – nicht alle sind glücklich darüber

Grundschulen öffnen wieder  

Nicht alle Nürnberger sind glücklich über Präsenzunterricht

Michael Bächle

01.03.2021, 15:04 Uhr
Nürnberg: Öffnung der Grundschulen – nicht alle sind glücklich darüber. Kinder sitzen mit Masken in einem Klassenraum (Symbolbild): Nicht jeder freut sich über die erneute Öffnung der Nürnberger Grundschulen.  (Quelle: imago images/Becker&Bredel)

Kinder sitzen mit Masken in einem Klassenraum (Symbolbild): Nicht jeder freut sich über die erneute Öffnung der Nürnberger Grundschulen. (Quelle: Becker&Bredel/imago images)

Seit Montag sind Grundschulen und Kitas in Nürnberg wieder geöffnet. Darüber freut sich jedoch nicht jeder. t-online hat mit einigen Betroffenen in den Schulen gesprochen.

Das Wörtchen "alle" kann manchmal doch relativ sein. "Wir sind alle erleichtert, diesen Schritt gehen zu können", hatte Oberbürgermeister Marcus König (CSU) am Donnerstag mitgeteilt, als er die erneuten Öffnungen von Grundschulen und Kitas in Nürnberg bekannt gab. Auf seinen Stab mag das zutreffen. Doch die Entscheidung sorgt bei weitem nicht nur für Erleichterung.

"Zur normalen Arbeit kommen wir nicht mehr", klagt etwa Reiner Mehler, Schulleiter der Friedrich-Staedtler-Schule am nördlichen Stadtrand. Durch die Öffnung, berichtet er, "gehen die Probleme mit der Erreichbarkeit des Gesundheitsamtes wieder los."

Wochen-Rhythmus soll Erleichterung für Familien bringen

Und nicht nur die. Die Schulen, die nun wieder im Wechselunterricht sind, stehen vor vielen Herausforderungen: Verunsicherte Eltern, Umwandlung der Notbetreuung in Not-Notbetreuung, fehlende Planbarkeit. Schließlich hatten sie ja auch vergangenen Montag wieder geöffnet – und schon am gleichen Tag stand wieder fest, dass sie von Dienstag an wieder geschlossen sein würden, da der Inzidenzwert in der Stadt wieder über 100 stieg. Laut RKI lag er an diesem Montag bei 98,2 – traurige Spitze unter den 30 größten deutschen Städten. Offen sollen die Schulen aber dennoch mindestens bis Freitag bleiben, auch wenn die 100er-Marke bis dahin wieder gerissen wird. Entschieden werden soll ab jetzt im Wochen-Rhythmus.

Für die Familien ist das tatsächlich eine Erleichterung, erklärt Nadia Genheimer, die im Elternbeirat der Friedrich-Wanderer-Schule im Nürnberger Westen sitzt. "Die Familien sind mit der Organisation des Alltags ohnehin oft am Limit", berichtet sie. Wäre die Entscheidung weiterhin von Tag zu Tag gefallen – was vergangene Woche fast einen täglichen Wechsel bedeutet hätte –, wäre das "weder machbar noch gut für die Kinder gewesen", sagt Genheimer. "So ist es jetzt leichter planbar."

"Über die Kurzfristigkeit den Kopf schütteln"

Die Schulen hingegen sind mit dem nun proklamierten Modell noch nicht zufrieden. Sie fordern eine frühere Entscheidung als – wie von König angekündigt – zum Ende der Schulwoche. "Freitag ist ja schon besser als Sonntag", meint Schulleiter Mehler zwar, aber: "Ich muss öfters über die Kurzfristigkeit den Kopf schütteln." Es sei eine Sache, kritisiert er, "einen Satz in einer Pressekonferenz zu tätigen und eine andere, den Inhalt dann durch die Verwaltung in ein wasserdichtes Schreiben wandeln zu lassen."

Mehler ist froh, sich in der aktuellen Lage auf "viele erfahrene und sehr flexible Lehrkräfte" verlassen zu können. Diese würden "über ihre Grenzen hinaus" arbeiten: "Die müssen sich ja von Homeschooling in kürzester Zeit auf 'Halbschooling' umstellen, sollen den Eltern noch vor Sonntag mitteilen, wie die jeweils andere Hälfte weiterlernen soll, müssen während des Unterrichts mit der halben Klasse für die Heimlerner ansprechbar sein und dabei noch den Datenschutz beachten."

Mangelnde Kommunikation der Stadt

Auch der Lehrer einer großen Grundschule in der Nürnberger Südstadt, der anonym bleiben möchte, bemängelt die späte Kommunikation von Seiten der Stadt. "Es grenzt schon an Fassungslosigkeit bei mir", beklagt er. "Man stumpft langsam schon ab, weil man die Neuigkeiten immer so spät bekommt. Es wäre sinnvoll, wenn man sich so etwas ein wenig früher überlegen könnte, denn es zieht ja einen riesigen Rattenschwanz mit sich."

Er selbst unterrichtet beispielsweise eine vierte Klasse, muss Noten für den Übertritt an eine weiterführende Schule sammeln, schriftliche Leistungsnachweise aber mit einer Woche Vorlauf ankündigen. Nur: Hat seine Schule in einer Woche überhaupt noch offen? Zwar hat das Kultusministerium die Regeln diesbezüglich schon gelockert, trotzdem sagt er: "Es ist ein riesiger Stress, das irgendwie noch reinzubekommen" Außerdem sieht er die überregionale Fairness nicht mehr gegeben: "Wenn wir in Nürnberg zumachen, aber außerhalb der Stadt sind die Schulen offen, dann wird die Vergleichbarkeit verzerrt."

Was passiert, wenn die Inzidenz in die Höhe schießt?

Nichtsdestotrotz war er aber auch froh, heute wieder zumindest die Hälfte seiner Klasse sehen zu können: "Es ist ein bisschen Normalität, dafür bin ich ja Lehrer geworden." Auch die Schülerinnen und Schüler würden sich über den erneuten Beginn freuen, erzählt Schulleiter Mehler. Nur sehr wenige Eltern seien so besorgt, dass sie ihre Kinder weiterhin zuhause lassen.

Aber: Die Zweifel bleiben nicht nur bei ihnen. "Mir persönlich wäre es lieber gewesen, wenn man noch gewartet hätte, bis klar ist, ob sich eine dritte Welle anschließt oder wie sich die Mutanten ausbreiten", erklärt Elternvertreterin Genheimer.

Auch der Lehrer der Südstadt-Schule hat Bedenken. Zwar unterrichtet er "nur" die Hälfte seiner Klasse, aber das sind eben immer noch elf Menschen aus elf Haushalten in einem Raum – und das in einer Stadt mit nach wie vor hohen Infektionszahlen. "Die Stadt hat nicht klar kommuniziert, was beispielsweise passiert, wenn die Inzidenz in dieser Woche noch auf 200 hochschießt", gibt er zu bedenken. Nicht nur er dürfte darauf hoffen, dass OB König diese Frage nicht beantworten muss.

Verwendete Quellen:
  • Gespräche mit Reiner Mehler, Marcus König, Nadia Genheimer

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