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Pfarrer positioniert sich mit Banner gegen Corona-Demo

  • Marianne Max
Von Marianne Max

Aktualisiert am 31.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Uschi Unsinn, Dragqueen und Grünen-Politikerin aus Nürnberg (l), Hans Hertel, evangelischer Pfarrer und ein Sanitäter: Unsinn und der Sanitäter wahren spontan so begeistert von der Aktion, dass sie sich mit Hertel zusammen auf das Bild stellten.
Uschi Unsinn, Dragqueen und Grünen-Politikerin aus Nürnberg (l.), Hans Hertel, evangelischer Pfarrer, und ein Sanitäter: Unsinn und der Sanitäter waren spontan so begeistert von der Aktion, dass sie zusammen mit Hertel für das Bild posierten. (Quelle: Hans Hertel/T-Online-bilder)
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Am Wochenende hatten Impfgegner in Nürnberg protestiert. Einige waren dabei mit rechten Symbolen aufgefallen. Ein Pfarrer hatte das kommen sehen – und ein Zeichen gesetzt.

Am Rande der groß angekündigten "Mega-Demo" in Nürnberg hat ein Pfarrer mit einem Banner Position bezogen. Der evangelische Pfarrer Hans Hertel hing Sonntagmittag nach dem Familiengottesdienst ein Banner neben dem Eingang zur Kirche St. Peter auf – und verkündete damit das 11. Gebot: "Du sollst nicht mit Nazis laufen", steht auf dem blau umrandeten Plakat.

Der Pfarrer aus der Südstadt hatte sich mit Kollegen zusammengetan, um ein Zeichen gegen die Demonstration der Impfgegner am letzten Sonntag zu setzen. Diese hatten zu einer "Mega-Demo" mit etwa 30.000 Teilnehmenden aufgerufen. Am Ende waren es dann doch weit weniger – etwa 4.000 Menschen versammelten sich auf dem von der Stadt zugewiesenen Volksfestplatz.

Hertel und andere Pfarrer waren dennoch entsetzt. "Der 30. Januar ist natürlich ein schwieriges Datum", kritisiert Hans Hertel gegenüber t-online. Schon zuvor hatten in den sozialen Medien viele angeprangert, dass die Demonstration am Jahrestag der Machtergreifung Hitlers stattfand – auf dem Volksfestplatz nahe dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Am 30. Januar 1933 war Adolf Hitler von Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt worden. "Es wäre eine absolute Geschichtsvergessenheit gewesen, dem nichts entgegenzuhalten", sagt Hertel.

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Pfarrer aus Nürnberg: "Befürchtung hat sich bewahrheitet"

Als Pfarrer sieht er es als seine Pflicht an, ein Zeichen zu setzen. "Wir Kirchen müssen Sprachrohr sein für die ganz große Mehrheit, die bei aller Kritik doch weiß, worauf es jetzt ankommt", so Hertel. "Die die Zähne zusammenbeißt, zusammensteht und irgendwie durch diese Pandemie geht. Die nicht auf Demonstrationen und auch nicht auf Gegendemonstrationen geht, einfach vernünftig ist", begründet der Pfarrer seine Entscheidung.

Dass das Motto provokant ist, war ihm zuvor bewusst – auch auf die Shitstorms, die umgehend ins Postfach des Pfarramtes eingingen, war er vorbereitet. Und trotzdem: "Ich glaube, es war genau das Richtige", sagt Hertel. "Wenn Worte wie 'Selbstermächtigung' auf der Bühne fallen, einschlägige AfD-Politiker und Mitglieder der rechtsextremen Partei der III. Weg unterwegs sind, hat sich unsere Befürchtung bewahrheitet", begründet der Pfarrer seine Wortwahl gegenüber der Demonstration, nachdem gegen einige der Teilnehmenden nun auch wegen Volksverhetzung ermittelt wird. So war den Beamten etwa ein Pkw mit einem Hakenkreuz aufgefallen.

"Natürlich heißt das nicht, dass alle Nazis sind, die dort mitlaufen", räumt der Pfarrer ein. Aber er wünscht sich von den Veranstaltern der Demonstration eine klare Abgrenzung – auch sprachlich. Die Menschen sollten sich im Klaren sein, mit wem sie mitlaufen. "Ich glaube, vielen ist das nicht bewusst", befürchtet Hertel.

Pfarrer: "Sollten aufpassen, die Menschen nicht zu verlieren"

Von einer "gesellschaftlichen Spaltung" möchte er dennoch nicht sprechen. "Bei einer so hohen Impfquote und damit gesellschaftlicher Zustimmung kann man nicht von gesellschaftlicher Spaltung reden", begründet Hertel. "Aber wir sollten einfach aufpassen, die Menschen nicht zu verlieren", mahnt der Pfarrer. Die Kirche solle deshalb einen Ort des Austausches bieten. "Hinter den Demonstrationen stehen viele Ängste, die man auch in der Kirche äußern können sollte, nur so kann man gemeinsam nach vorne gehen", wünscht sich Hertel.

Bis dahin will er weitere Aktionen planen. "Wir wollen auch in Zukunft Zeichen setzen – gegen all die Sprachlosigkeit. Oft sind es auch leise Zeichen wie eine Friedensandacht, aber die müssen gesetzt werden", betont Hertel. Und es lohnt sich: "Der Zuspruch, den ich erfahren habe, ist um ein Vielfaches höher als die negativen Nachrichten."

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