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Stuttgart: Neue Radschnellwege in der Region geplant

Nach niederländischem Vorbild  

Neue Radschnellwege in der Region Stuttgart geplant

Von Uwe Roth

20.03.2020, 10:11 Uhr
Stuttgart: Neue Radschnellwege in der Region geplant. Fahrradfahrer in Stuttgart: Neue Radwege sollen die Zahl der Fahrradfahrer nach oben treiben. (Quelle: Uwe Roth/Archivbild)

Fahrradfahrer in Stuttgart: Neue Radwege sollen die Zahl der Fahrradfahrer nach oben treiben. (Quelle: Uwe Roth/Archivbild)

Bis 2030 soll der Anteil des Fahrrads am gesamten Verkehrsaufkommen in Stuttgart auf 20 Prozent gesteigert werden. Zu den bestehenden Herausforderungen kommt nun noch die Corona-Krise.

Dem Virus davonradeln – selbst das ist ein Expertentipp unter vielen, wie man der Coronavirus-Pandemie scheinbar entkommen kann. Gudrun Zühlke ist seit 20 Jahren in Stuttgart die Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Die Agraringenieurin hat die Empfehlung des Volkskrankheitenforschers Gerd Antes gerne gelesen, in Zeiten von Corona lieber das Fahrrad als Fortbewegungsmittel zu wählen als den Bus oder die Stadtbahn. An der frischen Luft sei das Risiko deutlich geringer, sich einen Atemwegsvirus einzufangen. "Völlig unverständlich, warum das nicht pausenlos in die Köpfe getrieben wird", wird der Epidemiologe zitiert.

Aber sich als Radfahrer in der engen Kessellage der baden-württembergischen Landeshauptstadt seinen Weg zu bahnen, bleibt auch in einem wachsenden Radwegenetz eine knifflige und unfallträchtige Aufgabe, sagt Gudrun Zühlke. 2018 verunglückten 532 Radfahrer in der Stadt.

Zühlke ist seit 30 Jahren Mitglied im ADFC und führt seit zehn Jahren zusätzlich den Landesvorstand. Da hilft ihr beim Einsatz für ein besseres Fortkommen auf dem Zweirad ein grüner Verkehrsminister.

Radwege sollen den direkten Weg nehmen 

Winfried Hermann treibt nicht nur den Ausbau simpler Radverkehrsstreifen voran, sondern auch landesweit den Neubau von Radschnellverbindungen nach niederländischem Vorbild. In der Region Stuttgart ist sein Vorhaben eine besondere Herausforderung: Radschnellwege sollen ausreichend breit sein und direkt von A nach B führen. Doch genau auf direktem Weg verlaufen die vierspurigen Bundesstraßen, auf denen Autofahrer ihren Arbeitsplatz im Zentrum mit ihrem Wohnort im Umland verbinden. Für Radfahrer ist dort bislang kein Platz.

In den Karten der Verkehrsplaner hat sich die Konkurrenzsituation bereits geändert: Dort sind mögliche Radautobahnen sternenförmig in die Stuttgarter Innenstadt mit bis zu 70 Kilometer Länge gelb eingezeichnet – beispielsweise von Bietigheim-Bissingen, Vaihingen an der Enz (beide Landkreis Ludwigsburg), Backnang, Schorndorf (beider Rems-Murr-Kreis), Weil der Stadt, Herrenberg (beide Landkreis Böblingen) oder Kirchheim/Teck (Landkreis Esslingen) und Geislingen an der Steige (Landkreis Göppingen).

Mehr Radverkehr ist das Ziel

Experten prognostizieren für diese Routen täglich jeweils 2.000 bis 2.500 Fahrradfahrten. Die sind Voraussetzung, um für den Bau überhaupt eine Förderung über das Land und den Bund zu bekommen. Die Kosten je Kilometer Schnellradweg belaufen sich zwischen 0,7 bis knapp zwei Millionen Euro. Die sind abhängig vom Gelände und eventuell notwendiger Brückenbauten. Insgesamt sind die Ausbaupläne ambitioniert: Bis 2030 soll der Radverkehrsanteil auf 20 Prozent hochgetrieben werden. Momentan liegt er in Stuttgart und Umgebung bei etwa sieben Prozent.

Der Verkehrsausschuss der Stuttgarter Regionalversammlung hätte die Pläne in dieser Woche diskutieren sollen. Doch auch die Arbeit dieses Gremiums ruht wegen des Coronavirus. In dem Ausschuss sitzen zahlreiche Bürgermeister und andere Kommunalpolitiker. Der ADFC hätte gerne gehört, was diese Regionalräte zu den ambitionierten Vorhaben sagen. Denn am Ende entscheidet der jeweilige Gemeinderat, ob eine innerörtliche Straße oder Parkplätze zumindest teilweise für den Schnellradverkehr freigeräumt werden. In der Kommunalpolitik sind bisher keine Entscheidungen gefallen.

Vielerorts ist die Lobby für den Autoverkehr trotz drohender Dieselfahrverbote und Dauerstaus in der Region nach wie vor stark. Größtes Problem ist die notwendige Fahrspurbreite. Diese soll im Radgegenverkehr mindestens vier Meter betragen. Eine Einbahnradstraße muss drei Meter breit sein. Eine Radschnellverbindung gilt erst dann als solche, wenn auf mindestens 80 Prozent der Strecke die Qualitätsstandards eingehalten werden. Die Regierung will Flickenteppiche verhindern. Unter solchen harten Bedingungen hat das Land erst ein Pilotprojekt realisiert: Zwischen Böblingen, Sindelfingen und Stuttgart fahren Radfahrer ungestört seit einem Jahr auf einer ehemaligen Römerstraße, die zuletzt von Panzerfahrzeugen genutzt wurde. 

Verwendete Quellen:

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