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Coronavirus: Durch Klopapier-Alternativen drohen Verstopfungen

Gefahr für Abwasser  

Klopapier-Krise könnte Kanalisation belasten

27.03.2020, 10:47 Uhr | dak, ags, dpa, dpa-AFX

Coronavirus: Durch Klopapier-Alternativen drohen Verstopfungen. Supermarktkunden decken sich mit Klopapier ein: Wegen der Klopapier-Knappheit durch Hamsterkäufe kann es zu Problemen im Abwassersystem kommen. (Quelle: imago images/Cord/Symbolbild)

Supermarktkunden decken sich mit Klopapier ein: Wegen der Klopapier-Knappheit durch Hamsterkäufe kann es zu Problemen im Abwassersystem kommen. (Quelle: Cord/Symbolbild/imago images)

In der Corona-Krise ist Klopapier vielerorts vergriffen, so nutzen Menschen in der Not Alternativen. Doch das könnte zu größeren Problemen führen, warnen Abwasserbetriebe bundesweit. 

Im März sollen bislang 700 Prozent mehr Toilettenpapier verkauft worden sein als im Vormonat. Der Run auf das Hygieneprodukt hat zum Teil schon skurrile Dimensionen erreicht. Durch die Hamsterkäufe ist es vielerorts schnell ausverkauft und die Kunden stehen vor leeren Regalen. Das führt nun offenbar dazu, dass manche Menschen statt Klopapier auf Alternativen ausweichen. Das belastet wiederum die Wasseraufbereitung.

Denn Taschentücher, Küchenpapier und auch feuchtes Toilettenpapier gehören nicht ins Abwasser. Sie sind reißfester als übliches Toilettenpapier. Landen sie im Klo, könnten die Kläranlagen verstopfen. Das erklärt der Verband kommunaler Unternehmen. Im schlimmsten Fall könnten so die Pumpen lahmgelegt werden. "Es kann zu Ausfällen im gesamten System kommen", warnte Jochen Meissner, Abteilungsleiter der Stadtentwässerung im bayerischen Neu-Ulm, wo es bereits zu Probleme kam. Doch wie sieht es andernorts in Deutschland aus?

"Feuchttücher gehören nicht ins Klo"

In Berlin sei es bisher noch zu keiner erhöhten Anzahl an Störungen durch falsch entsorgte Tücher gekommen. Das teilten die Berliner Wasserbetriebe t-online.de auf Nachfrage mit. Regelmäßig versuche man dort die Bevölkerung zu sensibilisieren, dass Feuchttücher nicht in die Toilette gehören. Die Corona-Krise könne eine Chance sein, da sich viele Menschen nun für das Thema interessierten.

Gut 20 Meter Klopapier lang ist eine Rolle. Wenn jeder Berliner mindestens ein Zehnerpack pro Kopf davon gehamstert hat...

Gepostet von Berliner Wasserbetriebe am Mittwoch, 18. März 2020

Ähnliches hört man auch aus der zweitgrößten Stadt Deutschlands. In Hamburg hat es bislang noch keine Probleme mit verstopften Abwasserrohren gegeben, wie die "Hamburger Morgenpost" berichtet. Demnach seien Leitungen zwar belastet, aber auch nicht mehr als sonst. Möglicherweise bekäme man die Auswirkungen erst später zu spüren – oder aber auch gar nicht.

Warnung auch aus anderen Städten

"Auch wenn das Papier in Krisenzeiten fehlt: Feuchttücher gehören nicht ins Klo!", mahnten etwa die Stadtentwässerungsbetriebe Köln. Klopapier-Alternativen wiesen "die Eigenschaft auf, dass sie sich nicht auflösen – auch wenn in der Werbung teilweise anderes versprochen wird", betonte der Stadtentwässerungsbetrieb Düsseldorf. Was zu Hause wie ein guter Ersatz wirke, könne sich Tage später im Klärwerk als massiver Zopf stauen, der oft händisch herausgezogen werden müsse, hieß es von den Klärwerken.

Gleiches hört man auch aus Stuttgart: Gegenüber dem SWR betonte  Maximiliane Kühl von den Klärwerken in Stuttgart, dass auch Klopapieralternativen die mit "spülbar" gekennzeichnet sind, nicht in die Toilette gehörten. Schaffen es die "Alternativen" in die Kanalisation könne es auch dort zu Problemen kommen. Gegenüber t-online.de machte die Stadt aber auf technische Lösungen gegen Verstopfungen aufmerksam. Zudem profitiere man durch die Hanglage, dadurch müssen die Pumpen der Stadtentwässerung weniger Kraft aufwenden. Vor einem Betriebsausfall wegen der Corona-Pandemie sei man in Stuttgart gut gerüstet, so die Stadt. Für die Mitarbeiter gelte ein hoher Hygieneschutz.

Medikamente sind "akuteres Problem"

"So richtig kann man sich darauf nicht vorbereiten, aber es bedeutet, dass man die Motoren und Pumpen häufiger kontrollieren muss", sagt Ilias Abawi, Sprecher des Emschergenossenschaft und Lippeverbands gegenüber der dpa. Ein akuteres Problem seien Medikamentenreste im Abwasser.  "Wenn die Menschen aus Angst prophylaktisch Medikamente einnehmen oder aber Medikamente wie Ibuprofen über die Toilette entsorgen, landet auch mehr davon im Wasser", erklärt Abawi. Die Leidtragenden sind demnach die Tiere in den Gewässern.

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