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Coronavirus in Stuttgart: Fahrverbote könnten noch verhindert werden

Bedingt durch Heimarbeit  

Stuttgarter Fahrverbot könnte wegen Corona noch kippen

Von Uwe Roth

27.03.2020, 15:48 Uhr
Coronavirus in Stuttgart: Fahrverbote könnten noch verhindert werden. Einfahrtsverbot für Dieselfahrzeuge schlechter als Euro 5: Verbotsschild an der Bundesstraße 10 vor den Toren von Stuttgart. (Quelle: imago images/Arnulf Hettrich/Archivbild)

Einfahrtsverbot für Dieselfahrzeuge schlechter als Euro 5: Verbotsschild an der Bundesstraße 10 vor den Toren von Stuttgart. (Quelle: Arnulf Hettrich/Archivbild/imago images)

Dieselfahrzeuge, die nicht der strengsten Abgasnorm entsprechen, sind bald in der Stuttgarter Umweltzone verboten. Der abnehmende Verkehr in der Corona-Krise lässt einige Autofahrer aber noch hoffen.

Von Juli an gilt im Stadtzentrum von Stuttgart ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge unterhalb der technisch strengsten Abgasnorm 6. Das hat das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart am Freitag entschieden. Die Behörde stellt den Luftreinhalteplan für die Landeshauptstadt auf.

Das auf ein Jahr angesetzte Verbot gilt in der kleinen Umweltzone. Sie besteht aus dem Talkessel und den Stadtteilen Bad Cannstatt, Feuerbach und Zuffenhausen. Bereits seit einem Jahr sind Motoren aus der gesamten Umweltzone verbannt, die nicht der Abgasnorm Euro 5 entsprechen. Doch die Hoffnung der Stadtverwaltung war damals vergebens, dass ein etwas sauberer Autoverkehr die Luftbelastung so verringert, dass sämtliche Grenzwerte eingehalten werden. Nach wie vor Probleme macht das Stickstoffdioxid (NO2) aus Dieselmotoren. Dessen Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter wird an Stauhotspots wie Am Neckartor im Jahresschnitt weiterhin verfehlt.

Weniger Verkehr wegen Corona

Deutschlands bekannteste Messstation am Rand des Stuttgarter Kessels registrierte am Freitag um sieben Uhr eine mit 75 Mikrogramm beinahe doppelt so hohe NO2-Konzentration, wie sie im Jahresschnitt zulässig ist – und das trotz des geringeren Berufsverkehrs durch die Corona-Krise. Nur wenige Kilometer entfernt ist der Sitz des Autobauers Daimler, der aktuell viele Beschäftigte übrig gebliebene Urlaubstage und Überstunden abbauen lässt. Bürofirmen in der Innenstadt haben ihre Mitarbeiter ins Homeoffice entlassen. Die Staus sind deutlich geringer. Die NO2-Messwerte aber nicht.

Die Verlaufskurve der vergangenen Wochen zeigt ein wildes Auf und Ab der gemessenen Werte, aber noch keinen erkennbaren Trend. Auch die Feinstaubkonzentration geht nicht derartig zurück, wie man vermuten könnte: Am 20. März hat der Messwert mit 43 die zulässige Höchstmarke von 50 Mikrogramm je Kubikmeter gerade so verfehlt.

Autos stehen vor der Luftmessstation am Neckartor in Stuttgart: Der Stauhotspot liefert der hohe Stickstoffdioxidwerte. (Quelle: imago images/Arnulf Hettrich/Archivbild)Autos stehen vor der Luftmessstation am Neckartor in Stuttgart: Der Stauhotspot liefert der hohe Stickstoffdioxidwerte. (Quelle: Arnulf Hettrich/Archivbild/imago images)

Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) betreibt die Messstationen. Eine Sprecherin betont, dass "eine Aussage, weniger Verkehr ist gleich soundso viel weniger Stickstoffdioxid-Immissionen, leider nicht möglich ist". Das dämpft die Hoffnung von Dieselfahrzeug-Besitzern, die zwangsweise Stilllegung des öffentlichen Lebens durch das Coronavirus könnte ein Fahrverbot in Stuttgart überflüssig machen. Die Region lebt von der Automobilindustrie.

Fahrverbote lösen gerade in Stuttgart besonders heftige Proteste aus. Aber ein letztinstanzliches Urteil des Bundesverwaltungsgerichts drängt die Stadt, alles zu unternehmen, um die Grenzwerte nach jahrelangen Verzögerungen endlich zu erreichen. Das Fahrverbot auf die höchste Euronorm auszuweiten, sei dem Spruch der Leipziger Richter geschuldet, heißt es in der Stellungnahme des Regierungspräsidiums.

Fahrverbote könnten noch abgewendet werden

Doch auch das RP setzt seine letzte Hoffnung auf die Corona-Pandemie, die wohl noch einige Wochen den Verkehr weitgehend lahmlegen wird: "Sollte der Drei-Monatswert im April 2020 prognostisch ergeben, dass der Grenzwert im Jahresmittel 2020 eingehalten wird, wird von der Maßnahme mangels Erforderlichkeit abgesehen", schreibt die Behörde. Dieselfahrer könnten aufatmen.

Die Unsicherheit in der Prognose begründet die LUBW-Sprecherin mit der Meteorologie: Das Wetter, so sagt sie, "spielt bei den gemessenen Immissionen eine erhebliche Rolle". Die ersten Wochentage nach dem 15. März, als der Pendlerverkehr aufgrund zahlreicher Heimarbeitenden abgenommen habe, seien sonniger gewesen als der verregnete Februar und die ersten Märzwochen. Der Faktor besseres Wetter, in diesem Fall Sonnenschein, warm und wenig Wind, führe aber dazu, dass sich Schadstoffe wieder leichter in der Luft anreicherten. Die Folge seien höhere Schadstoffwerte. Da das Wetter auf die Schadstoffbelastung einen besonderen Einfluss habe, könne die aktuelle Situation nicht mit dem Vorjahr verglichen werden.

Grundsätzlich schließt auch sie nicht aus, dass "langfristig abnehmende Verkehrszahlen zu einem Rückgang der Stickstoffdioxidwerte führen werden". Ein Zieldatum für die Messewerte Am Neckartor zu nennen, sei aber nicht möglich.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche und Beobachtungen
  • Regierungspräsidium Stuttgart
  • Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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