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Stuttgart: Nostalgie pur im Mineralbad Berg

Vier Jahre Umbau  

Im Mineralbad Berg scheint die Zeit stillzustehen

Von Tilman Baur

18.10.2020, 10:37 Uhr
Stuttgart: Nostalgie pur im Mineralbad Berg. Das Außenbecken des Mineralbads: Vier Jahre haben die Sanierungsarbeiten im "Berg" gedauert. (Quelle: Stuttgarter Bäder)

Das Außenbecken des Mineralbads: Vier Jahre haben die Sanierungsarbeiten im "Berg" gedauert. (Quelle: Stuttgarter Bäder)

Das Mineralbad Berg in Stuttgart ist aufwändig und mit Liebe zum Detail saniert worden. Den Stammgästen, "Bergianer" genannt, dürfte das behutsame Remake gefallen.

Wer das Mineralbad Berg im Stuttgarter Osten betritt, begibt sich auf eine kleine Zeitreise in die 1950er-Jahre. Denn obwohl das "Berg" vier Jahre lang aufwändig saniert worden ist, hat es seinen gediegenen Nachkriegscharme konserviert.

Im Entrée spielen Senioren Karten, im Außenbecken ziehen Badegäste gemächlich ihre Runden. Die Glaskunst von Max Ackermann an der Decke des Eingangsbereichs haben die Architekten des Büros 4a bei der 35 Millionen Euro teuren Sanierung des Kult-Bads ebenso erhalten wie die Umkleidekabinen und Liege-Pritschen aus Holz im Außenbereich.

Das Innenbecken des Mineralbads: Es besticht durch seinen Nachkriegscharme. (Quelle: Stuttgarter Bäder)Das Innenbecken des Mineralbads: Es besticht durch seinen Nachkriegscharme. (Quelle: Stuttgarter Bäder)

Man habe einen Spagat aus alt und modern versucht, sagt Jens Böhm von den Stuttgarter Bäderbetrieben. Ein schonungsvolles Remake war den Machern wichtig, denn die Kundschaft ist anspruchsvoll. Für viele "Bergianer" ist das Mineralbad der verlängerte eigene Garten, teils kommen sie seit Jahrzehnten, um sich auf den gepflegten, von Rosenbeeten und antiken Steinskulpturen umgebenen Rasenflächen auszuruhen. Modifikationen wie die Umwidmung der Kaltbadehalle in eine Warmbadehalle sorgen da schon für gerümpfte Nasen.

Bad zieht Szenepublikum an

Eine besondere Mischung aus alten und jüngeren Badegästen mit einem hohen Anteil an täglich präsenten Stammkunden machten das Bad über die Jahre zum Kult – für viele war die Schließung vor vier Jahren deshalb ein harter Schlag. "Das Ambiente, die bodentiefen Fenster, der Park, der niedrige Geräuschpegel – wer ins Berg kommt, macht Kurzurlaub mitten in der Stadt", sagt Schwimmbadleiter Jérôme Forgerit-Balci. Nicht zu vergessen die sechs staatlich anerkannten Mineralwasser-Heilquellen, die den Gästen das prickelnde "Schwimmen im Champagnerbad" ermöglichen, wie man früher sagte.

Die Parklandschaft des Mineralbads: Ein Abschnitt – das "rosa Wiesle" – ist zum Treffpunkt für Homosexuelle geworden. (Quelle: Stuttgarter Bäder)Die Parklandschaft des Mineralbads: Ein Abschnitt – das "rosa Wiesle" – ist zum Treffpunkt für Homosexuelle geworden. (Quelle: Stuttgarter Bäder)

Im Berg konnte man Schach, Karten oder Tischtennis spielen, man kam zum Sehen und gesehen werden – oder einfach, um seine Ruhe zu haben. Der nostalgisch-morbide Charme mit uralten Kabinen und Liegen zog in den Jahren vor der Sanierung immer stärker auch ein jüngeres Szenepublikum an. Schon vor Jahrzehnten hatte das Berg den Ruf des toleranten Bads weg, ein "rosa Wiesle" genannter Rasenabschnitt etablierte sich über die Jahre zum inoffiziellen Treffpunkt für Homosexuelle. Trotz seines Kultcharakters blieb das Bad Berg immer Geheimtipp, in den verschlafenen Winterzeiten kamen mitunter nur 100 Besucher pro Tag.

Die Bäderbetriebe wollen das ändern, die Sanierung soll sich rechnen. Ein neues Bewegungsbecken und ein Gymnastikraum sollen die Heilquellen-Entspanntheit mit Fitness und Bewegung ergänzen. Sogar ein Zumba-Kurs steht auf dem Programm. Ob das dem alteingesessenen Stammpublikum gefällt, wird sich noch zeigen. In den Genuss der wiederhergestellten Saunalandschaft kommen die Badegäste aus Gründen des Infektionsschutzes indes noch nicht. Auch hier ist das Berg besonders, denn Frauen und Männer saunieren in getrennten Bereichen. Einen weiteren Trumpf kann das Bad im Sommer ausspielen. Es ist das einzige der Landeshauptstadt, das in den warmen Monaten bis 22 Uhr geöffnet hat.

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Jens Böhm, Bäderbetriebe Stuttgart, und Jérôme Forgerit-Balci, Leiter Mineralbad Berg
  • Besuch vor Ort
  • Gespräch mit einem Stammgast
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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