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Ulm: Monika Brenner – die Häklerin aus der Fußgängerzone

Obdachlosigkeit in der Stadt  

Diese Ulmerin will sich von der Straße häkeln

Von Isabella Hafner

31.01.2020, 14:03 Uhr
Ulm: Monika Brenner – die Häklerin aus der Fußgängerzone. Monika Brenner sitzt in der Ulmer Fußgängerzone: Dort verkauft sie selbst gehäkelte Topflappen. (Quelle: Isabella Hafner)

Monika Brenner sitzt in der Ulmer Fußgängerzone: Dort verkauft sie selbst gehäkelte Topflappen. (Quelle: Isabella Hafner)

In Ulm sind etwa 300 Menschen in Ulm wohnungslos. Monika Brenner ist eine von ihnen. Sie will es mit Handwerk von der Straße schaffen. t-online.de-Autorin Isabella Hafner hat mit ihr gesprochen.

Sie ist eine Insel umgeben von wirren, bunten Wollknäueln: Monika Brenner. Mitten in der Ulmer Fußgängerzone, auf Höhe der "Nordsee", hat sie sich niedergelassen. Der Menschenstrom teilt sich, um nicht über die aufgereihten Topflappen zu stolpern, die die 57 Jahre alte Frau jeden Tag hier häkelt.

Denn sie hat den einen, ihren einzigen Traum: "Eine Wohnung." Seit 25 Jahren lebt Monika Brenner auf der Straße, wie sie sagt. Ihr blondes, langes Haar ist zerzaust, ihr Gesicht wirkt vom Wetter gegerbt. Der Blick ist ernst. Die Häkelnadel legt sie nicht aus der Hand. Sie häkelt Topflappen. Zurzeit läuft das Geschäft nicht so – aber um die Weihnachtszeit herum, da kauften ihr einige Menschen einen ab. Doch sie ärgert sich, wenn jemand die fünf Euro dafür zu viel sind. "Ich muss doch auch Wolle kaufen."

Auch wenn immer wieder Menschen in der Fußgängerzone anhalten, um mit Monika Brenner zu reden. Sie sagt, sie habe niemanden. Nur das: ihre Nadel, ihre Wolle, ihre blaue Isomatte. In einer Schüssel liegt der bisherige Tagesumsatz; ein paar Münzen – viele davon sind kupferfarben.

Monika Brenner will partout nicht ins Übernachtungsheim

Jede Nacht schläft sie woanders. Wo? Das will sie nicht verraten. "Es ist zu gefährlich, es passiert so viel nachts." Immer wieder werden Obdachlose beraubt, angegriffen oder bedroht, gerade wenn sie schlafen. "Wenn ich mal schlafen darf!", ruft sie aus. Und wenn es nur der Karton ist, den sie sich bunkert, um ihn unter den Schlafsack zu legen, damit die Kälte des Bodens etwas weniger abstrahlt. Wobei – der Schlafsack wurde ihr schon wieder geklaut.

Eigentlich müsste Monika Brenner nicht mehr auf der Straße schlafen. Es gibt neuerdings die "Ulmer Nester" – Schlafkojen aus Holz. In ihnen kann man als Obdachloser eine Nacht verbringen. Doch sie hat Angst, überfallen zu werden. Als sie erfährt, dass man sie von innen verriegeln kann, wird sie leicht neugierig.

Und dann gäbe es noch das Übernachtungsheim des Roten Kreuzes am Ende der Frauenstraße, kurz bevor es den Berg hochgeht. Doch da will sie auf keinen Fall hin. "Weil ich arbeite und keine Läuse mehr möchte. Da hat’s Drogensüchtige, da hat’s alles drin. Des ist so widerlich, das kann man sich gar nicht vorstellen. Da verzichte ich lieber auf Wärme." Das Übernachtungsheim wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe.

Alleine fühlt sie sich wohler

Rund 300 Menschen in Ulm haben kein eigenes Dach über dem Kopf. Monika Brenner will partout nicht in einem Mehrbettzimmer mit Fremden schlafen. Zu stolz ist sie da, zu eigensinnig, zu wenig könnte sie solche Gesellschaft ertragen. "Auf gar keinen Fall, denen geh ich aus dem Weg." Und tagsüber? Wenigstens in der Bahnhofsmission aufwärmen? Eine Tasse Tee trinken? Mit Gleichgesinnten reden? "Ne!"

Monika Brenner ist enttäuscht vom Leben und von den Menschen. Eigentlich will sie mit niemandem etwas zu tun haben. "Die Menschen sind auch alle falsch. Man wünscht mir das Verrecken. Oder ich höre: Die faule Sau ist zu faul zum Arbeiten. Die Leute sind egoistisch; wenn es denen aber mal so ginge wie mir."

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Monika Brenner
  • DRK Ulm
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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