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Ulm: Die Donaustadt bekommt einen Unverpackt-Laden

Neues Ladenkonzept  

Unverpackt-Laden eröffnet in Ulm

Von Isabella Hafner

14.02.2020, 10:25 Uhr
Ulm: Die Donaustadt bekommt einen Unverpackt-Laden. André Wieland und seine Mutter: Er will im Frühjahr einen Unverpackt-Laden in Ulm eröffnen. (Quelle: Isabella Hafner)

André Wieland und seine Mutter: Er will im Frühjahr einen Unverpackt-Laden in Ulm eröffnen. (Quelle: Isabella Hafner)

In vielen deutschen Großstädten gibt es mittlerweile Unverpackt-Läden. Auch in Ulm soll es im Frühjahr soweit sein. Eine Initiative gegen Verpackungsmüll gibt es schon jetzt.

Gemüse liegt in Holzkisten. An der Wand hängen Glasbehälter, gefüllt mit Nudeln und Linsen und warten darauf, dass jemand den Hebel betätigt und sich etwas in seine mitgebrachten Behälter füllt. Außerdem stehen Tee, Reis, Säfte, Öle und Müslis in Schütten oder bauchigen Gefäßen aus Glas zur Auswahl. Ums Eck gibt es duftende und farbig marmorierte Seifen, Zahnpasta zum Selber-Anrühren und Bambuszahnbürsten. Ein typischer Unverpackt-Laden.

Unverpackt-Läden schießen in den Großstädten nur so aus dem Boden. Schließlich ist es ziemlich out, Plastik zu benutzen. Und so könnte der Unverpackt-Laden "Klare Kante", mit dem vielen Holz und der integrierten Kaffeebar in jeder deutschen Großstadt stehen. Aber in einer Gasse in der Weißenhorner Altstadt? Neben barocken Fassaden und traditionellen Geschäften? Genau dort hat sich André Wieland vor ein paar Jahren mit dem Laden eingenistet.

Die Anleitung für den Unverpackt-Laden: Erst Gefäß wiegen, dann befüllen und bezahlen. (Quelle: Isabella Hafner)Die Anleitung für den Unverpackt-Laden: Erst Gefäß wiegen, dann befüllen und bezahlen. (Quelle: Isabella Hafner)

Nicht nur junge, hippe Kundschaft geht dort ein und aus. Auch einige Weißenhorner Seniorinnen schauen herein. Sie fühlen sich an ihre Kindheit erinnert, als es noch keine Plastikverpackungen gab und es normal war, Lebensmittel unverpackt zu kaufen. In einer Papiertüte oder im Karton. Auch bedarfsgerecht. Nur so viel, wie man brauchte.

Unverpackt-Laden zieht in ehemaligen Friseursalon

Nun steuert André Wieland Ulm an. Im Frühjahr will er in einem Haus am Platz hinter dem Metzgerturm – zwischen Donaustadtmauer und schmalen, alten Häuschen – einen Ableger eröffnen. Am liebsten würde er noch Tische und Stühle auf das Plätzchen stellen. Doch aktuell ist der Platz noch voll geparkt mit Autos. So wird man also seinen Cappuccino im Inneren trinken müssen.

Bislang befand sich noch ein Friseurgeschäft im künftigen Ulmer Unverpackt-Laden. Den will André Wieland nun verwandeln: Schüttspender aus Glas und Holz lässt er anfertigen, die Möbel will er wieder aus Dachböden und Kellern zusammensammeln. "Wir werden wieder einiges upcyceln statt neu kaufen. Aber es muss natürlich zum Ambiente passen."

Hafermilch aus eigener Herstellung

Wichtig ist dem Unverpackt-Laden-Chef, dass es im Ulmer Laden eine Küche gibt. "Wir wollen Hafermilch selbst machen und in Mehrwegflaschen mitgeben." Auch jetzt stellt er schon Hafermilch her. Doch die Weißenhorner machen einen Bogen darum. Er ist sich aber sicher, dass das Ulmer Stadtklientel die Hafermilch annehmen wird. Und verrät: "Ich habe noch einige andere 'Milch'-Rezepte ausprobiert, die gut schmecken und etwas Neues sind."

Seife am Stück: Da wo es geht, wird auf Verpackung verzichtet. (Quelle: Isabella Hafner)Seife am Stück: Da wo es geht, wird auf Verpackung verzichtet. (Quelle: Isabella Hafner)

Welche Hersteller aus der Ulmer Region das Sortiment bestücken werden, verrät er noch nicht. Ohnehin können nicht alle Produkte regional sein. "Nüsse oder Kaffee zum Beispiel", sagt Wieland. Doch er versucht, beides von Herstellern zu beziehen, die möglichst nah sind. "Erstes Gebot bei uns ist: verpackungsfrei." Das müssen alle Hersteller erfüllen. Bio sind ebenfalls alle Produkte. Fairtrade nicht alle. "Es gibt viele Fairtrade-Waren einfach nicht ohne Verpackung."

Solidarische Landwirtschaft kommt auch ohne Verpackung aus

Parallel zum neuen Unverpackt-Laden tun sich gerade etwa 30 Ulmer und Neu-Ulmer zusammen, um eine Unverpackt-Kooperative zu starten. Einige von ihnen beziehen bereits ihr Gemüse als Mitglieder der Solidarischen Landwirtschaft unverpackt und regional von einem Bauern in der Nähe Neu-Ulms. Weder André Wieland noch die Unverpackt-Kooperative sehen sich als Konkurrenz zueinander. Wieland: "Es geht hier um einen höheren Sinn. Ist doch super, wenn immer mehr Menschen auf Verpackungen verzichten wollen."

Die Unverpackt-Kooperative will vorantreiben, dass Lebensmittel wie Haferflocken, Mehl, Linsen, Buchweizen, Hirse, Reis, Leinsamen, Nüsse und Zucker lose in die Haushalte gelangen können. Der Kooperation, die aktuell noch am Anfang der Planungen steht, ist es wichtig, dass die Produkte bio und regional sind. Wie streng das gehandhabt werden soll, wird noch diskutiert. In Großpackungen sollen die Produkte an einen Standort – dieser wird noch gesucht – geliefert werden, sodass im Laufe von ein, zwei Tagen jeder seine bestellte Menge dort abholen kann.

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit André Wieland und Martin Hagen
  • Eigene Recherche

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