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Coronavirus: Ulmer decken sich mit Büchern und Malbedarf ein

Zeit für Kreativität  

Die Ulmer hamstern Bücher und Malbedarf wegen Corona

Von Isabella Hafner

16.03.2020, 19:02 Uhr
Coronavirus: Ulmer decken sich mit Büchern und Malbedarf ein. Bücher liegen aus: In Ulm kaufen Menschen viele Bücher, um genug Lesestoff zu haben. (Quelle: imago images/Westend61/Symbolbild)

Bücher liegen aus: In Ulm kaufen Menschen viele Bücher, um genug Lesestoff zu haben. (Quelle: Westend61/Symbolbild/imago images)

Bayern hat am heutigen Montag den Katastrophenfall ausgerufen, in Baden-Württemberg werden erstmal nur Bars und öffentliche Einrichtungen geschlossen. Viele Menschen bleiben zuhause und brauchen Beschäftigung.

Monatelang waren die Ulmer und Neu-Ulmer im Winterschlaf. Jetzt aber, wo ihnen Hausruhe verordnet wurde – ganz offiziell – jetzt bricht der Frühling aus, die Vögel zwitschern, die Knospen springen auf, die graue Decke ist weg, der Himmel jeden Tag unverschmiert Blau. Paradox. Aber vielleicht besser, sich draußen ein bisschen in der Natur zu bewegen, mit Abstand zu anderen, als sich daheim irgendwann auf die Nerven zu gehen.

Auf der bayerischen Seite der Donau haben die Geschäfte heute den letzten Tag geöffnet. Von morgen an, dürfen nur noch Lebensmittelläden und Apotheken geöffnet haben. "Systemrelevant" sind diese Läden, wie man in diesen Tagen oft von Seiten der Politik hört. Der bayerischen Ministerpräsident Markus Söder hat wegen des Coronavirus für sein Bundesland den Katastrophenfall ausgerufen. Und so decken sich die Menschen für ihren Hausarrest ein.

Baumärkte dürfen noch geöffnet haben

In einem Neu-Ulmer Baumarkt spricht André Mutscheler, Berater in der Heimwerker-Abteilung, von einem Ansturm seit Freitag. Corona fällt mit dem Frühlingsausbruch zusammen: Und so stürzen sich die Kunden auf alles, was den Garten betrifft, erzählt Mutscheler. Aber es werden auch Wandfarben und Bastelzeug gekauft. "Zwei Kunden haben mir erzählt, sie kaufen das jetzt alles, damit ihnen daheim die Decke nicht auf den Kopf fällt."

Baumärkte zählen zu den Läden, die nicht schließen müssen. Erstmal. Apotheken, Drogerien, Tankstellen, Reinigungen, Post sowie Bau- und Gartenmärkte können wochentags bis 22 Uhr sowie am Sonntag von 12 bis 18 Uhr öffnen, um die Grundversorgung sicherzustellen. In Bayern. Der Neu-Ulmer Wochenmarkt bleibt bestehen, der Recyclinghof geöffnet – die Rathausmitarbeiter sind nur per Mail oder Telefon zu erreichen. Das alles gilt zunächst bis zum 19. April.

Malbedarf als "Notfallversorger"

Auch nebenan, im Künstlerbedarfsmarkt, geht es zu wie im Taubenschlag. Der Geschäftsführer Roland Oppitz sagt: "Unsere Kunden sagen, ich brauche jetzt dringend Material, ich habe jetzt die Kinder daheim, ich muss irgendwas machen in der Zeit. Und die Kunden rufen permanent an und fragen, ob wir noch geöffnet haben – und wie lange." Auch Spielplätze, Schwimmbäder und Kinos schließen. So gesehen sei sein Laden ein Notfallversorger. "Ich muss jetzt mal mit der Stadt reden, ob wir noch die Möglichkeit bekommen könnten, geöffnet zu lassen. Damit die Leute sich einfach eindecken können." Jeder überlege sich, was er in der plötzlich freien Zeit denn so machen könne. Und der Laden sei so groß, dass sich die Kunden gut aus dem Weg gehen können.

Roland Oppitz berät im Künstlerbedarfsmarkt zwei Kundinnen: "Die Kunden rufen permanent an und fragen, ob wir noch geöffnet haben – und wie lange." (Quelle: Isabella Hafner)Roland Oppitz berät im Künstlerbedarfsmarkt zwei Kundinnen: "Die Kunden rufen permanent an und fragen, ob wir noch geöffnet haben – und wie lange." (Quelle: Isabella Hafner)

Roland Oppitz berichtet weiter: "Keiner ist es ja gewohnt, so viel Zeit zu haben. Das kommt ja auf uns zu jetzt. Was ja auch seinen Vorteil hat." Nicht nur die Umwelt spüre schon eine Erholung durch die Corona-Krise – "vielleicht ist es ja auch für die Seele mal ganz gut: Man muss halt mal runterfahren. Und da ist es ganz gut, wenn man kreatives Material hat". Und der ein oder andere hat nach der Krise vielleicht ein neues Hobby und neue Seiten an sich entdeckt.

Bücher statt Fernseher gegen Langeweile

Ein paar Schritte über die Brücke nach Baden-Württemberg. Die Tanzschule hat einen Anschlag an die Türe geklebt: "Informationen, wie das Tanzen weiter geht, veröffentlichen wir so schnell als möglich über unsere Homepage, Anrufbeantworter, soziale Medien… Im Laufe der nächsten Tage."

Ein Zettel gibt Informationen: Es ist geschlossen. (Quelle: Isabella Hafner)Ein Zettel gibt Informationen: Es ist geschlossen. (Quelle: Isabella Hafner)

Die Flugausstellung "Birdly" der Stadt Ulm hat geschlossen. Das italienische Restaurant, das normalerweise immer bis auf den letzten Platz gefüllt ist: Die Kellner und Kellnerinnen wirken unterbeschäftigt, wischen ein bisschen herum. Zwei, drei Tische sind besetzt. An der Türe steht, dass die Öffnungszeiten nun eingeschränkt werden. In der Fußgängerzone ist weniger los als an einem normalen Nachmittag. Manche essen Eis.

Im Buchladen dagegen ist wiederum zu spüren, dass die Leute vorsorgen. Verkäuferin Beatrice Häutle berichtet: "Seit dem Wochenende gehen die Leute hier teils mit Bücherstapeln raus. Man merkt ganz deutlich, dass sie sich Lesestoff für die nächste Zeit holen. Für sich und ihre Kinder." Die Büchereien haben schließlich geschlossen. Und nicht alle Eltern sehen den Fernseher als ultimative Lösung gegen Langeweile.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche

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