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Wohlfahrtspflege rechnet mit 15 Millionen Euro Verlust

Wiesbaden  

Wohlfahrtspflege rechnet mit 15 Millionen Euro Verlust

07.05.2021, 17:04 Uhr | dpa

Wiesbaden - (dpa/lhe) Die Organisationen der freien Wohlfahrtspflege in Hessen sind durch die Corona-Pandemie in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten geraten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IAKW) der Goethe Universität Frankfurt im Auftrag der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Hessen.

Das Fazit der Studie, an der 205 der 603 befragten Organisationen unter anderem aus den Bereichen Alten-, Behinderten- und Suchthilfe sowie Rettungsdienst teilnahmen, lautet, dass die Corona-Hilfsprogramme der Bundesregierung und des Landes Hessen die Organisationen der Wohlfahrtspflege oftmals nicht erreichen. "Viele Hilfen, die aufgelegt worden sind, haben für die heterogen strukturierte Soziale Arbeit nicht oder zumindest nicht ausreichend gepasst" sagte Christa Larsen, Geschäftsführerin des IAKW bei der Präsentation der Studienergebnisse am Freitag in Frankfurt. Dass die Hilfen nicht passgenau seien, beklagte auch Monika Maier-Luchmann vom Zentrum für Jung und Alt in Langen. Die Einrichtung habe das vergangene Jahr nur überstanden, weil es angesparte Gelder zur Überbrückung eingesetzt habe.

Allein für das Jahr 2020 rechnen laut der Umfrage 102 der teilnehmenden Organisationen mit Verlusten von mehr als 15 Millionen Euro, da Angebote umgestellt werden mussten sowie Kursgebühren, Einnahmen durch Spenden und Gastronomie weggefallen sind. Gleichzeitig sind laut Larsen jedoch die Ausgaben, etwa für Schutzausrüstung, Digitalisierung oder Mietzahlungen, gestiegen.

Vor Ort, etwa im mittelhessischen Gießen, wirkt sich das so aus: "Normalerweise ist unser Haus wirklich gerammelt voll. Das ist jetzt natürlich nicht der Fall", berichtet Lutz Perkitny vom "Nordstadtverein", der sich mit verschiedenen Angeboten um Bewohner des Viertels kümmert. "Das heißt, wir mussten neue Wege entwickeln, um an die Leute heranzukommen. Das hat sehr gut und sehr schnell geklappt." Zum Beispiel gebe es einen Essens- oder Einkaufsservice oder Telefonseelsorge.

Finanziell sei es "natürlich knapper als sonst, da fehlt es", etwa weil Mieteinnahmen weggefallen seien. Der Gemeinwesenarbeiter berichtet aber auch von Unterstützung durch die Stadt, beispielsweise bei der Versorgung von Schutzmasken und anderem materiellen Bedarf. Zudem gebe es eine "unglaubliche ehrenamtliche Unterstützung". Wichtig sei, dass all jene Menschen, die in prekären Verhältnissen leben, in der Pandemie nicht vergessen werden, sagt Perkitny.

Die Liga fordert einen Sonderfonds Soziales, passgenauere Hilfsprogramme auf Bundes- und Landesebene und gesonderte Fördermittel im Bereich der Digitalisierung. Das hessische Sozialministerium betont, es sei seit mehr als einem Jahr auf verschiedenen Ebenen auch mit der Liga der Freien Wohlfahrtspflege im Gespräch und habe in dieser Zeit alleine unmittelbar mehrere Millionen Euro für Sofortmaßnahmen freigesetzt. "Sollten darüber hinaus Bedarfe bestehen, stehen die regelmäßigen Austausche zwischen den Trägern und dem Ministerium zur Verfügung."

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