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Wie greifen die Corona-Maßnahmen an Hessens Schulen?

Wiesbaden  

Wie greifen die Corona-Maßnahmen an Hessens Schulen?

10.09.2021, 06:10 Uhr | dpa

An Hessens Schulen laufen die Corona-Tests im neuen Schuljahr weitgehend reibungslos. Es gibt vergleichsweise wenige neue Corona-Fälle. Die Kritik von Eltern, Schülern und Gewerkschaftern an zu wenigen Luftfiltergeräten sowie einem Mangel an Sozialarbeitern hält an.

Der Landeselternbeirat und die Landesschülervertretung bestätigten eine Einschätzung des Kultusministeriums, wonach die nach den Sommerferien ausgeweiteten Corona-Tests trotz zeitlicher Beeinträchtigung des Unterrichts problemlos liefen. Es gebe von den Eltern dennoch eine große Zahl von Fragen zu Tests, Hygienebedingungen, Impfungen, Elternabenden und Klassenfahrten, sagte der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Volkmar Heitmann, der Deutschen Presse-Agentur.

Er kritisierte die noch sehr geringe Zahl von Luftreinigungsgeräten in den Schulen. Die bevorstehende kalte Jahreszeit werde das Lüften erschweren. Heitmann forderte den Einsatz von FFP2-Masken auch für Kinder. Auch die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Birgit Koch, mahnte, die Luftfilter seien noch nicht flächendeckend in den Schulen angekommen, obwohl der Bund weiteres Geld bereitgestellt habe.

Der Leiter der Gesamtschule Gießen-Ost mit etwa 1500 Kindern und Jugendlichen, Frank Reuber, berichtete von knapp 7000 Corona-Tests, die alle negativ seien. Die Lage sei aber von Schule zu Schule unterschiedlich. Durch die Tests gehe auch Unterrichtszeit verloren. "In den Stunden, in denen getestet wird, kann man erstmal 15 Minuten keinen Unterricht machen." Er hoffe, dass seiner Schule noch Lüftungsgeräte geliefert würden. Ansonsten werde es wieder Kinder geben, die mit Decken den Unterricht verfolgen - und Schulen, die zum Fenster hinaus heizen.

Es müsse zudem mehr Lehrkräfte geben, um versäumten Unterrichtsstoff aus dem vergangenen Schuljahr aufzuholen und auch das soziale Lernen zu fördern, sagte der Vorsitzende des Landeselternbeirats. Auch die Sozialarbeit sollte deutlich aufgestockt werden. Es müsse mehr Kinder- und Jugendpsychologen geben. "Insgesamt wird viel zu wenig Geld in das System Schule gesteckt."

Die Forderung nach einer flächendeckenden Ausstattung der Schulen mit Luftfiltergeräten kam auch von der Landesschülervertretung. An den meisten Schulen werde zudem noch immer kein Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt, sagte Landesschulsprecherin Jessica Jolene Pilz der Deutschen Presse-Agentur. "Solche Zustände sind außerhalb von Schulen undenkbar und müssen unverzüglich beendet werden."

Pilz machte sich für langfristige, in den Schulalltag integrierte Förderangebote sowie einen Ausbau der Sozialarbeit stark, um Versäumnisse aufzufangen. Außerdem müsse die digitale Infrastruktur besser werden. Ein Wunsch der Landesschülervertretung sei auch, Lernkonzepte wie freies Lernen und Lernen in Modulen verstärkt in den Unterricht zu bringen.

Zum Start in die zweite Schulwoche nach den Sommerferien befanden sich etwa 1000 Schülerinnen und Schüler (0,13 Prozent) und etwa 60 Lehrkräfte (0,10 Prozent) in Quarantäne, wie das Kultusministerium der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Vor den Weihnachtsferien Ende vergangenen Jahres habe die Zahl mit 17.000 bis 18.000 (mehr als 2 Prozent) deutlich höher gelegen.

Das Ministerium hat für die Zeit nach den Sommerferien zunächst zwei Präventionswochen angeordnet. Dabei wurde die Testfrequenz von zwei auf drei Corona-Tests pro Woche erhöht. Es besteht auch am Platz während des Unterrichts eine Maskenpflicht. Mehr als 1,45 Millionen Schnelltests wurden nach Angaben des Ministerium von Schülerinnen und Schülern absolviert. Davon seien 1300 (0,09 Prozent) positiv gewesen. Nach einer Prüfung durch PCR-Tests habe die Zahl bei 725 (0,05 Prozent) gelegen.

Bei den Lehrkräften seien lediglich 53 von 64.000 Tests positiv gewesen, nach der PCR-Überprüfung lediglich 14. Diese Werte und auch die aktuelle Zahl der Lehrkräfte in Quarantäne zeigten den Wert von Impfungen, betonte das Haus von Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Schulschließungen gebe es nicht. Zu Beginn des vergangenen Schuljahres waren noch sieben Schulen innerhalb der ersten beiden Schulwochen geschlossen worden.

In Hessen lernen in insgesamt 1806 öffentlichen Schulen derzeit 761.500 Schülerinnen und Schüler. Die Zahl der Lehrerstellen beträgt 55.540.

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