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Sorgen um Engpässe in Kliniken wegen Impfpflicht

Von dpa
20.02.2022Lesedauer: 3 Min.
Corona-Intensivstation Fulda
Eine Intensiv-Pflegerin versorgt einen schwer an Corona erkrankten Patienten auf der Intensivstation des Klinikums in Fulda. (Quelle: Boris Roessler/dpa/Archivbild/dpa-bilder)
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Verschärft die umstrittene Impfpflicht den Personalmangel in der Pflege? Zwar gilt der Höhepunkt der Omikron-Infektionswelle als überschritten und die Situation auf den Intensivstationen der hessischen Kliniken hat sich wieder etwas entspannt. Doch durch die Impfpflicht könnten neue Engpässe auf die Häuser zukommen, fürchtet nicht nur die Gewerkschaft Verdi. Sollten ungeimpfte Beschäftigte nach dem Inkrafttreten der Regelung ab 15. März nicht mehr zu ihrem Arbeitsplatz kommen dürfen, könnte das zu Einschnitten in der Patientenversorgung führen, hieß es.

Am Klinikum Fulda beispielsweise seien rund zehn Prozent der Mitarbeiter in der Krankenpflege ungeimpft, sagte der Direktor der Klinik für Anästhesiologie-, Intensiv- und Notfallmedizin, Prof. Clemens-Alexander Greim. Das entspricht in etwa dem hessenweiten Anteil nicht geimpfter Beschäftigter in Pflegeheimen, Kliniken und Behinderteneinrichtungen, den das Sozialministerium vor wenigen Tagen bekanntgegeben hatte.

Schon die Omikron-Krankheitswelle hat nach den Worten Greims am Klinikum Fulda in den vergangenen Wochen für zahlreiche Personalausfälle gesorgt, weil Mitarbeiter beispielsweise wegen erkrankter Kinder in Quarantäne geschickt werden mussten oder sich selbst infiziert hatten. Dank ausgeklügelter Personalplanung habe man dies zwar auffangen können - doch sollte es in letzter Konsequenz zu einer Welle von Kündigungen aufgrund der Teil-Impfpflicht kommen, wäre dies ein ernstes Problem, so die Einschätzung.

Die Geschäftsführung bemühe sich deshalb intensiv darum, ungeimpfte Beschäftigte zu einer Impfung zu bewegen. Gelingen dürfte dies aber nur in Einzelfällen, erwartet Greim, der auch dem Planungsstab stationäre Versorgung beim hessischen Gesundheitsministerium angehört.

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Das Klinikum Fulda ist aus seiner Sicht bisher gut durch die Pandemie gekommen. Und auch Hessen und Deutschland insgesamt hätten Covid-19 im internationalen Vergleich in den vergangenen beiden Jahren gut bewältigt. Derzeit liegen fünf Corona-Patienten auf der Intensivstation der Klinik.

Deren Leitender Oberarzt Christoph Schmitt warnte wie Greim davor, angesichts der bevorstehenden Lockerungen die Krankheit zu unterschätzen. Auch künftig müsse mit weiteren Virusvarianten und im kommenden Herbst auch mit einer weiteren Infektionswelle gerechnet werden, mahnten die beiden Mediziner. Nach und nach sei aber darauf zu hoffen, dass Covid-19 mit regelmäßigen Impfungen, wie man sie beispielsweise von der Grippe kenne, in den Griff bekommen werden könne.

Wie schwer die Krankheit vor allem Ungeimpften zu schaffen machen könne, zeige das Beispiel von zwei Patienten im Alter zwischen 60 und 70 Jahren, die bereits seit Dezember auf der Station intensivmedizinisch betreut und beatmet werden müssten. Wer Covid-19 nur dank einer solchen Behandlung überstehe, müsse auch danach noch lange oder sogar lebenslang mit Beeinträchtigungen rechnen, sagte Schmitt.

Bund und Länder hatten sich am Mittwoch nach einigem Wirbel auf die grundsätzliche Umsetzung der Impfpflicht für Beschäftigte in der Pflege und im Gesundheitswesen verständigt. Demnach sollen die Gesundheitsämter ein Ermessen bei der Umsetzung haben. Es werde nicht sofort flächendeckend automatisch zu Betretungsverboten für ungeimpfte Beschäftigte kommen, hieß es.

Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) will die einrichtungsbezogene Impfpflicht auf jeden Fall umsetzen. "Dieses Gesetz gilt, es ist umzusetzen, daran kann es keinen Zweifel geben", erklärte der Minister. Noch offene rechtliche Fragen würden gerade gelöst. Die Länder hätten sich vom Bund "Vollzugshinweise" gewünscht, "die sind jetzt überwiegend da. Der Rest wird im Moment gerade noch geklärt." Klose ist "zuversichtlich, dass es den Ländern gelingt, das, was sie in der Ausführung zu regeln haben, entsprechend zu regeln". Dabei müsse man allerdings "eine vernünftige Abwägung mit sich möglicherweise ergebenden Versorgungsengpässen" treffen. Das Gesetz biete genug Möglichkeiten, "mit zeitlichen Fristen zu operieren".

Die Gewerkschaft Verdi hält derweil die Impfpflicht für die Beschäftigten von Krankenhäusern, Altenheimen und Behinderteneinrichtungen für kontraproduktiv. Mit rund 90 Prozent sei die Impfquote in den betroffenen Einrichtungen bereits sehr hoch, sagte eine Sprecherin des Verdi-Landesbezirks Hessen. "Ich glaube nicht, dass ein Zwang dazu führen wird, sich impfen zu lassen. Hinzu komme: In vielen Einrichtungen seien die Mitarbeiter "seit zwei Jahren am Anschlag und kassieren jetzt die Impfpflicht", sagte die Sprecherin.

Verdi setze stattdessen auf eine weitere Aufklärung und Überzeugungsarbeit, um die Beschäftigten doch noch zu den Schutzimpfungen zu bewegen.

Beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Hessen hieß es, die Träger versuchten alles, bisher ungeimpfte Mitarbeitende noch von einer Impfung zu überzeugen. Gravierende Engpässe werde es voraussichtlich nicht geben, da ungeimpfte Mitarbeitende voraussichtlich erst einmal weiterarbeiten dürften, bis das Gesundheitsamt ein Betretungsverbot ausspreche, "und das kann wegen des Verfahrens Wochen bis Monate dauern", so eine Sprecherin des Verbands. Ob dann tatsächlich Mitarbeitende kündigen werden, sei schwer einzuschätzen, vermutlich aber nicht in erheblichem Maße.

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